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Rating:
Archive Warning:
Category:
Fandom:
Relationship:
Characters:
Language:
Deutsch
Series:
Part 2 of Winnetou tumblr-asks
Stats:
Published:
2022-04-10
Words:
706
Chapters:
1/1
Comments:
5
Kudos:
62
Bookmarks:
3
Hits:
686

Willkommene Gefühle

Summary:

fanpersoningfox hat gefragt:

Also, if that's ok,

that ‘oh shit is this actually happening?’ moment before it actually happens

For Winnetou/Old Shatterhand!!

Notes:

Work Text:

Winnetou und ich waren seit Wochen unterwegs. Er, um verschiedene mit ihm befreundete Stämme zu besuchen. Und ich, ich begleitete ihn um die Zeit mit ihm zu genießen. Zwischen den einzelnen Besuchen lagen Wochen, in denen wir keinen anderen Menschen sahen.

Nur seit gestern stimmte etwas nicht. Sein sonst so offener, vertrauter Blick war verschleiert. Und mehr als einmal wich er dem meinigen aus. Wenn es sich um jemand anderen gehandelt hätte, ich hätte vermutet, dass er sich schämte. Aber hier handelte es sich um meinen herrlichen Winnetou, da war das vollkommen undenkbar. Bisher hatte ich gewartet, ob er sich mir offenbarte, oder ob diese Stimmung wieder vorbei ging – ich wollte ihn ja nicht bedrängen. Nur, bisher war keines von beidem passiert, und ich hielt es nicht mehr aus. Dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmte zwischen uns.

„Will Winnetou mir sagen, was ihn bedrückt?“

„Nein. Und ich bitte Sharlih, dass er mich auch nicht mehr fragt.“

Sein Tonfall stach mir ins Herz wie ein Messer. Und seine Weigerung, mich an dem, was ihn quälte teilhaben zu lassen, tat ihr übriges dazu.

„Wie Winnetou wünscht.“

Anscheinend war mein Ton nicht so gelassen gewesen, wie ich gewollt hatte. Denn Winnetou verzog das Gesicht, und sprach dann entgegen seinem eben geäußerten Wunsch doch weiter.

„Was mich bedrückt sind Gefühle, die mein Bruder nicht verstehen wird. Die ihm unwillkommen wären. Klekih-Petra hat mich gelehrt, wie die Menschen in seiner Heimat, die ja auch die deine ist, denken und glauben. Lass uns also nicht weiter davon sprechen.“

Bei seinen Worten kam mir ein Gedanke. So ungeheuerlich, dass ich ihn schon beiseite schieben wollte. Doch dann zögerte ich. Was, wenn ich damit richtig lag? Wenn er sich etwas von mir wünschte, was eigentlich nur zwischen Mann und Frau sein sollte? Zumindest, wenn man die Lehren zu vieler unserer Pfaffen befolgte. Ich selbst hatte versucht, zu ergründen, was in der Heiligen Schrift darüber stand, und konnte ihre Reden nicht nachvollziehen. Stand es nicht darin, oder sah ich es nicht, weil ich es nicht sehen wollte?

Dann war ich in den Westen gegangen, nicht nur, um mein Glück zu versuchen, sondern auch, um vor der Beobachtung und meinen eigenen Gefühlen zu flüchten. Fast direkt zu demjenigen, der wie kein anderer diese Gefühle anfachte.

Wenn Winnetou genauso empfand – dann gab es vielleicht doch Hoffnung? Nur, wie sollte ich darauf jetzt reagieren? Was, wenn ich mich irrte? Konnte ich riskieren, ihm meine Gefühle zu gestehen? Nein, das war ein Risiko das ich weder eingehen konnte noch wollte. Zu viel stand auf dem Spiel. Winnetous Freundschaft, seine Liebe zu mir – um nichts in der Welt konnte ich das Wagnis eingehen, das zu verspielen. Andererseits, wenn er unsere Gesetze und Anschauungen kannte, was er sicherlich tat, so konnte ich von ihm genauso unmöglich erwarten, sich zu offenbaren.

Was war also die Lösung dieses Dilemmas? Vielleicht wenn ich es nicht aussprach, würde er mich trotzdem verstehen?

„Winnetou irrt sich.“

Der Blick mit dem er mich bei dieser Aussage bedachte, ließ mich beinahe verstummen.

„Er kann keine Gefühle haben, die mir unwillkommen wären.“

Ich sah, wie Verständnis in seinen Augen aufblitzte. Für einen Moment zögerte er.

Dann beugte er sich vor, legte seine Hand in meinen Nacken. Nur ganz leicht, eine Bewegung meines Kopfes hätte ausgereicht sie zu entfernen. Aber ich hielt still. Erwartete, was er als nächstes tun würde. Wobei ich es wusste; allein, ich glaubte es noch nicht. Seit ich ihn das erste Mal erblickt hatte, wünschte ich es mir. Und während dieser Wunsch in den Monaten unserer Bekanntschaft, unserer Freundschaft, zu einem leisen Gefühl wurde, war es doch nie ganz verschwunden. Und jetzt schien sich dieses Wünschen, diese Sehnsucht, endlich zu erfüllen. Winnetous sanft geschwungene Lippen kamen näher, während seine samtbraunen Augen warm und forschend auf mir ruhten. Bereit, inne zu halten, sobald ich ein Zeichen gab. Aber obwohl ich immer noch nicht glaubte, dass es tatsächlich passieren würde, wagte ich doch keine Bewegung. Schließlich berührten seine Lippen die meinigen, erst federleicht, gar nicht so sehr anders als unsere übliche Begrüßung. Dann öffnete er seine Lippen leicht, und meine folgten diesem Beispiel fast ohne mein zutun. Diese Art zu küssen war anders als unsere übliche Begrüßung. Zumindest unserer bisherigen Begrüßungen. In Zukunft würde sich das hoffentlich ändern.

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