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Das schönste Geräusch der Welt

Summary:

Ein regnerischer Nachmittag führt zu einer glücklichen Begegnung.

Work Text:

Gerade als Ginny die Sporthalle nach ihrem Fußballtraining verließ, ging ein Wolkenbruch nieder, wie sie es noch nicht erlebt hatte. Natürlich hatte sie ausgerechnet heute ihren Schirm zu Hause gelassen. Verdammtes Aprilwetter! Schnell zog sie sich ihre Lederjacke über den Kopf und sprintete zur nächsten Drogerie, die zum Glück nicht weit entfernt war.
Noch nicht komplett durchnässt dort angekommen, musste sie allerdings feststellen, dass das komplette Schirme-und-andere-Sachen-gegen-Regen-Sortiment bereits ausverkauft war. Verdammt, verdammt.
Bis zu ihrer Wohnung war es ein Stück. Bei Sonnenschein ein wunderschöner Spaziergang, den sie gern machte, um nach der ganzen Rennerei beim Training wieder runterzukommen; bei diesem Wetter unvorstellbar! Sie würde sich nur eine Erkältung holen und für das nächste Spiel ausfallen. Das konnte sie nicht riskieren. Wie also nach Hause kommen?
Während sie noch unter dem kurzen Ladenvordach stand und darüber nachdachte, ob es sich lohnte Geld in ein Taxi zu investieren, hopste ein Schirm in allen Farben des Regenbogens heran und kam schließlich vor ihr zum Stillstand. Darunter war nun ein blondes Mädchen mit den durchdringendsten blauen Augen zu sehen. Sie legte den Kopf schief und sagte: „Willst du mit unter meinen Schirm? Ich kann dich ein Stück begleiten.“
Ginny lächelte verwirrt, „aber du weißt doch gar nicht, wo ich hin will.“ Warum widersprach sie hier? Das war doch die Gelegenheit doch noch trockenen Fußes und ohne teures Taxi nach Hause zu kommen. Plus die Gesellschaft dieses wirklich sehr cuten Mädchens.
„Das macht nichts“, sagte die Blonde nun, „ich bin sowieso nirgendwohin unterwegs. Manchmal überkommt mich einfach der Drang draußen zu sein. Ich brauche freien Himmel. Regen stört mich dabei nicht. Ich bin übrigens Luna.“
„Ginny“, sagte Ginny.
Und „wenn ich so einen coolen Schirm hätte, störte mich Regen auch nicht“, fügte sie lachend hinzu. Luna bestätigte das schmunzelnd und zusammen liefen sie los.

Unterwegs tauschten sie sich aus über ihr jeweiliges Studium (Ginny - Sportwissenschaften, Luna - Literatur und Philosophie), Lieblingsbücher (und entdeckt wurde eine gemeinsame Liebe für Jane Austen, wobei Ginny „Stolz und Vorurteil“ liebte - „auf das Glühendste“ - und Luna „Verstand und Gefühl“ bevorzugte) und daran hingen sie dann auch eine ganze Weile.
„Ich verstehe einfach nicht, wie Leute nicht Elizabeth Bennett für die beste Austenprotagonistin halten können. Sie ist die feministischste und klügste von allen. Sie lässt sich nicht beeindrucken oder kleinreden von all den abgehobenen Leuten, denen sie begegnet. Nicht so wie Fanny Price“, brauste Ginny auf.
„Oh, da bin ich ganz bei dir. Ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der Lizzie nicht liebt“, versuchte Luna sie zu beschwichtigen, „ich finde mich selbst nur mehr in Marianne wieder mit ihrer wilden Naturverbundenheit und unbändigen Liebe zu Poesie und Romantik.“
Während des Gesprächs waren sie immer mehr zusammengerutscht unter dem Schirm. Damit niemand Wasser abbekommt, redete Ginny sich ein. „So, du bist also eine Romantikerin?“, fragte sie und versuchte noch näher an Luna zu rücken, aber eigentlich wünschte sie sich ihre Hand nehmen zu können, doch die hielt ja den Schirm zwischen ihnen, „dann ist dieser Spaziergang im Regen ja genau das Richtige.“
Luna errötete ein bisschen, rückte aber nicht weg. Ginny sah das als gutes Zeichen und hatte Schmetterlinge im Bauch.

Viel zu bald schon waren sie vor Ginnys Tür angekommen. Hatte sie vorhin noch den Regen verflucht, freute sie sich jetzt von ganzem Herzen darüber.
„Ich hoffe, wir sehen uns wieder“, brach es aus ihr heraus.
„Oder … oder du kommst noch auf einen Tee mit hoch? Zum Aufwärmen?“, fragte sie hoffnungsvoll, spürte aber schon, dass Luna wohl noch weiter laufen wollte.
Wie befürchtet schüttelte diese den Kopf, „nein, aber warte kurz“, und begann in ihrer Jackentasche zu kramen. Eine Postkarte und ein Stift kamen zum Vorschein und sie kritzelte schnell etwas auf die Karte und reichte sie Ginny.

Auf die Rückseite hatte sie ihre Nummer ge- und mit „X Luna“ unterschrieben, vorne drauf waren lauter Vergissmeinnicht.
„Ah, die blauen Blumen der Romantik“, sagte Ginny grinsend und drückte Luna schnell einen Kuss auf die Wange, „ich rufe an, wenn ich das nächste Mal eine Regenrettung brauche.“
Während sie glücklich die Stufen zu ihrer Wohnung hochsprang, hörte sie Luna lachen.
Das schönste Geräusch der Welt.