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Language:
Deutsch
Series:
Part 3 of Saarventskalender 2024
Stats:
Published:
2024-12-02
Words:
2,614
Chapters:
1/1
Comments:
16
Kudos:
56
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1
Hits:
376

Türchen #2: Der Duft der Weihnachtszeit (ist mitunter beißend)

Summary:

Adam sah sich hilfesuchend um. “Warum gehen wir nicht ins Büro?”

Esthers Blick verdunkelte sich noch weiter, auch wenn Adam das nicht für möglich gehalten hatte, aber es war Pia, die antwortete.

“Geht nicht”, sagte sie und zog eins der Zimthörnchen aus der Tüte. Sie biss ab, rollte die Augen in momentaner Verzückung und gestikulierte mit dem süßen Teilchen in Richtung Bürotür, während sie kaute.

“Da drin kann heute niemand arbeiten”, sagte sie schließlich, als sie den ersten Bissen heruntergeschluckt hatte. “Zumindest nicht ohne Atemschutzausrüstung.”

Notes:

Ich darf heute Türchen #2 öffnen. Für den Prompt "Geruch nach Tannenzweigen" von carmenta.

Viel Spaß!

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Türchen #2: Der Duft der Weihnachtszeit (ist mitunter beißend)

Adam war gut gelaunt an diesem Morgen. Zwar hatte er einen kleinen Umweg auf dem Weg zur Arbeit in Kauf nehmen müssen, aber trotzdem war seine Stimmung extrem gut, als er mit den beiden großen Papiertüten in der Hand das Revier betrat. Vielleicht pfiff er auf dem Weg zum Fahrstuhl sogar ein wenig vor sich hin.

Das würde er natürlich niemals zugeben. Aber heute war der erste Dezember, und Adam war überzeugt davon, dass es ein verdammt guter Tag werden würde.

Da hatte er schließlich höchstpersönlich für gesorgt. Da konnte man schon mal ein wenig vor sich hin pfeifen. Musste ja keiner mitkriegen. Er hatte immerhin einen Ruf zu verlieren.

Als er das äußere Büro betrat, war er allerdings ziemlich überrascht, dass ihn eine frostige Stimmung empfing statt des erwarteten adventlichen Hochgefühls.

Frostig passte zwar durchaus zu den Temperaturen draußen, es war ein sonniger, aber eiskalter Wintertag, aber eigentlich wusste Adam keinen Grund, warum irgendjemand hier im Büro schlechte Laune haben sollte.

Also klar, außer der Baumann, aber deren Baseline, was schlechte Laune betraf, war ohnehin anders als die von normalen Menschen.

Ganz bestimmt nicht Leo, weil der hatte heute früh noch ganz unglaublich gute Laune gehabt, als sie seine Wohnung zusammen verlassen hatten. Da war Adam sich sicher, weil er nach ihrem morgendlichen Rummachen im Bad selbst ja auch extrem gute Laune gehabt hatte. So gut, dass ihn sogar das ausgefallene Frühstück nicht gestört hatte, als sie sich in getrennten Autos auf den Weg zur Arbeit gemacht hatten. Gut, rein technisch gesehen war Adam zehn Minuten zu spät, aber das ja nur, weil er extra noch beim Bäcker in der Burgstraße vorbeigefahren war, und jetzt hier mit einer Tüte der besten Hörnchen im Büro stand. Plus noch ein Bonus Zimthörnchen für jeden, passend zur Jahreszeit.

Und da war ja noch seine große Adventsüberraschung, die er gestern kurz nach Feierabend vorbereitet hatte.

Eigentlich sollten hier alle Zeichen auf absolute Weihnachtshochstimmung stehen, und nicht so mies sein, wie es hier gerade den Anschein hatte.

“Guten Morgen?”, fragte er zögerlich, hielt die Tüte in die Höhe und schüttelte sie kurz. Vielleicht war das ja nur ein Moment des Hungerschocks, aus dem er seine Kollegen rausreißen musste. Pias Blick ging kurz zur Tüte in Adams Hand, aber Esther sah aus, als hätte ihr wieder jemand den guten Parkplatz weggeschnappt, und Leo hatte sein Migränegesicht aufgesetzt. Heute früh hatte er definitiv noch kein Migränegesicht gehabt. Das war kein gutes Zeichen. Vielleicht hatten sie ja einen unschönen neuen Fall, so was schlug immer ziemlich auf die Stimmung.

Adam legte die Tüte auf dem Tisch ab, setzte sich und zog den Kaffeepot zu sich herüber, um sich einzuschenken.

“Was ist los? Warum die schlechte Stimmung? Neuer Fall?”

Leo seufzte und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. “Nein, kein neuer Fall. Die Abschlussberichte im Schwimmbad-Mord, mehr steht nicht an sofern nichts Neues reinkommt. Und wir werden heute von hier aus arbeiten.”

Nervosität machte sich in Adams Bauch breit. Das ging nicht, weil seine Überraschung war nicht hier draußen, sie war drinnen im eigentlichen Teambüro. Wenn sie heute von hier aus arbeiteten, würde das ja keiner mitbekommen. Es war zwar normal, dass sie sich hier draußen zu Beginn des Tages zum Teamfrühstück versammelten, da hatten sie einen größeren Tisch zur gemeinsamen Nutzung und der Weg zur Kaffeemaschine war kürzer, aber sie arbeiteten hier nur in Ausnahmesituationen.

Adam sah sich hilfesuchend um. “Warum gehen wir nicht ins Büro?”

Esthers Blick verdunkelte sich noch weiter, auch wenn Adam das nicht für möglich gehalten hatte, aber es war Pia, die antwortete.

“Geht nicht”, sagte sie und zog eins der Zimthörnchen aus der Tüte. Sie biss ab, rollte die Augen in momentaner Verzückung, und gestikulierte mit dem süßen Teilchen in Richtung Bürotür, während sie kaute.

“Da drin kann heute niemand arbeiten”, sagte sie schließlich, als sie den ersten Bissen heruntergeschluckt hatte. “Zumindest nicht ohne Atemschutzausrüstung.”

Kaltes Unbehagen setzte sich in Adams Magengegend fest. Das war jetzt ein dummer Zufall. Gerade an dem Tag, wo er das Team eigentlich mit ein bisschen Weihnachtsstimmung überraschen wollte.

Das musste Zufall sein.

Ganz sicher.

Das konnte nicht zusammenhängen.

“Atemschutzausrüstung?” Seine Stimme klang seltsam gekünstelt in seinen eigenen Ohren. “Was, ist in der Wand ein Abwasserrohr geplatzt oder so was?”

Das musste es sein. Ein ganz harmloses, aber normales Installationsproblem. Etwas, gegen das man machtlos war, und für das es keinen Schuldigen gab. Es würde die Freude über Adams Adventsüberraschung trüben, klar, aber vielleicht war das einfach Schicksal. Höhere Gewalt, quasi.

Leo schüttelte den Kopf mit einem neuerlichen Seufzen. “Nein. Das sieht aus, als hätte da jemand mit voller Absicht unser Büro unbenutzbar gemacht.”

“Das waren bestimmt die vom Raub” sagte Pia zwischen zwei Bissen ihres Hörnchens. “Als Rache dafür, dass wir die Lorbeeren für die Serie an Juwelierüberfällen eingesackt haben. Der Gabelmann war echt angepisst, und dem traue ich so eine Sauerei zu.”

Esther verzog das Gesicht. “Nein, das waren die vom Dreier. Der Wellnitz ist immer noch sauer, dass er nicht den Parkplatz gekriegt hat. Der Mist ist genau auf seinem Niveau.”

Pia schüttelte vehement den Kopf. “Nein, das glaube ich nicht. Dann hätte die Mischler mich gewarnt, so eine ist die nicht.”

Adam verstand immer weniger, aber das Gefühl der Vorahnung in seinem Magen wurde immer deutlicher und immer unangenehmer. Echt ein blöder Zufall, dass das ausgerechnet heute passieren musste.

“Was genau ist denn da drin passiert? Als ich gestern gegangen bin, war noch alles in Ordnung.”

Weil er war der Letzte gestern gewesen, mit voller Absicht. Immerhin hatte er seine Weihnachtsüberraschung vorbereiten müssen, nachdem die Baumann ihn wieder den ganzen Tag damit aufgezogen hat, dass es ihm angeblich an Weihnachtsstimmung mangelte. Und nach all der Mühe, die Adam sich gemacht hatte, war irgendwer danach noch im Büro gewesen und hatte es unbenutzbar gemacht.

Vor seinem geistigen Auge spielten sich furchtbare Szenarien ab, ein verwüstetes Büro, umgestürzte Büromöbel, ein toter Fisch auf der Heizung. Was konnte da passiert sein?

“Wunderbäume.”

Oh-oh.

“Was?” brachte Adam hervor, und war stolz, dass seine Stimme nur kaum merklich an der einen Silbe brach.

“Wunderbäume”, wiederholte Leo mit leidender Stimme. “Irgendjemand hat da gestern Wunderbäume im ganzen Büro verteilt. Tannenduft, Orange, Zimt, die ganze Palette.”

Ja, eben sämtliche weihnachtlichen Düfte, die die große Tankstelle stadtauswärts im Angebot hatte. Adam verstand immer noch nicht, was daran so schlimm sein sollte. Er schluckte und es fühlte sich an, als hätte sich da was in seiner Kehle festgesetzt, obwohl er doch selbst noch gar nichts gegessen hatte.

“Und das ist ein Problem?”

“Hast du jemals einen Wunderbaum im Auto gehabt, Schürk?”, fuhr die Baumann ihn an.

Adam schüttelte den Kopf. Natürlich nicht, er war ja kein spießiger Mittfünfziger, aber das Konzept war jetzt ja nicht sonderlich komplex. Aufhängen, Folie ab und voilà - Dufterlebnis. Aber offensichtlich doch nicht…

“Nein?”, antwortete er fragend. Was um alles in der Welt konnte man mit Wunderbäumen falsch machen?

“Es hat einen Grund, warum man die nach und nach aus der Folie rausholt und nicht sofort ganz auspackt. So ein Bäumchen stinkt dir schon mit Folie dran problemlos ein ganzes Auto aus, jetzt überleg mal, was zwanzig von den Dingern machen, wenn man die sofort komplett aus der Folie holt.”

“Vierundzwanzig.”

Das war sein Fehler. Adam merkte es, sobald die Worte seinen Mund verlassen hatten. Die Baumann zu korrigieren, wenn sie denn mal falsch lag, lag ihm so im Blut, dass es ihm rausrutschte, ohne dass er groß darüber nachgedacht hatte. Sofort schossen drei Köpfe um ihn herum in die Höhe, und drei Augenpaare funkelten ihn in verschiedenen Abstufungen von Verwirrung und Entrüstung an.

“Was hast du da gerade gesagt?”

Adam sparte sich die Antwort. Er war sich sicher, dass die Baumann ihn schon beim ersten Mal verstanden hatte.

“Adam?”

Leo allerdings konnte er nicht so einfach ignorieren. Der hatte diesen Blick drauf, den Adam nur zu gut lesen konnte. KHK Hölzer bereitete sich darauf vor, seinen Hauptverdächtigen in die Mangel zu nehmen, und das nicht auf die spaßige Schlafzimmer-Art.

“Ja?”

“Warum weißt du, wie viele Wunderbäume da genau gerade unser Büro ausräuchern?”

Weil er sie da gestern aufgehängt hatte, das sollte doch mittlerweile klar sein. Adam wusste, dass die anderen alle drei sonst problemlos aus dem Kontext lesen konnten. Aber es war ja nicht so, als wäre er völlig grundlos auf diese Idee gekommen.

“Mir wurde wiederholt mangelnde Vorweihnachtsstimmung vorgeworfen…”

“Stimmt ja auch”, warf die Baumann ein. Sie hatte sich mittlerweile auch ein Hörnchen genommen und seit der Enthüllung, dass Adam die Quelle der Wunderbäume war, ein breites Grinsen im Gesicht. Adam ignorierte sie.

“…bloß weil ich ganz ehrlich gesagt habe, dass ich nicht mit auf den Weihnachtsmarkt will, und auch keinen Bock auf die Weihnachtsfeier habe.”

“Und dann kriegen wir wieder den Anschiss, weil wir das einzige Team sind, das nicht komplett erscheint. Na vielen Dank.”

Adam ignorierte die Baumann weiterhin, und auch Pia, die sich mittlerweile das zweite Zimthörnchen genommen hatte. Sie jetzt darauf hinzuweisen, dass er nur ein Zimthörnchen pro Person eingeplant hatte, schien keine gute Idee zu sein. Stattdessen tat er das, was ihn immer beruhigte - er schaute auf Leo. Der schaute immer noch grimmig, aber seine grünen Augen wirkten zumindest leicht amüsiert. Vielleicht würde er heute Nacht nicht auf der Couch schlafen müssen.

“Ich wurde mehrfach als Grinch bezeichnet, Leo. Das grenzt an Mobbing. Eigentlich wäre das ein Fall für eine Meldung bei der Personalabteilung. Zumindest sollte sich da der Teamleiter mal einschalten.”

Leos Mundwinkel zuckte leicht. Egal, wie schnell er es überspielte, Adam hatte es gesehen.

“Und weil du wegen mangelnder Weihnachtsstimmung gemobbt wurdest, hast du beschlossen, zwei Dutzend Wunderbäume bei uns im Büro zu verteilen?”

Adam nickte. “Vierundzwanzig.”

“Ein Adventskalender des Grauens”, warf die Baumann ein, und Pia schnaubte amüsiert. “Als wäre man in einem Testlabor für Raumdüfte eingesperrt. Ich war mal mit einem vom Kampfmittelräumdienst auf einem Seminar, vielleicht kann ich den mal anrufen.”

Adam schüttelte den Kopf. Ein klein wenig musste er seine Ehre hier jetzt auch mal verteidigen. “So schlimm kann es gar nicht sein.”

Das war gelogen, das wusste er mittlerweile selbst. Wenn man drauf achtete, konnte man auch hier draußen den Geruch nach künstlichen Tannenzweigen riechen.

“Mir standen die Tränen in den Augen”, gab Pia mit zerknirschtem Gesichtsausdruck zu. “Und die Putzkolonne hat sich geweigert, das Büro zu betreten. Also ist der Raum jetzt erst mal eine Sperrzone.”

“Ups.”

Vielleicht hatte Adam sich ja ein klein wenig verplant. Aber im Vergleich zum Innenraum eines Autos hatte sich das Büro einfach so verdammt groß angefühlt. Er hatte wirklich nur einen angenehmen Hintergrundduft nach Tannenzweigen und Weihnachten schaffen wollen. Wie so ein Potpourri, nur ohne, dass er dafür getrockneten Firlefanz in Schalen aufstellen musste. Klar, die Wunderbäume hatten schon ziemlich gestunken, als er die Folie abgezogen hatte, aber er war wirklich der festen Überzeugung gewesen, dass das größtenteils über Nacht verfliegen würde. Wofür gab es denn diese blöde Lüftung im Büro, für deren Wartung sie zweimal im Jahr von irgendwelchen Technikern bei der Arbeit gestört wurden?

“Ja, Ups . Wegen deinem Ups müssen wir jetzt mindestens einen Tag lang hier draußen auf dem Präsentierteller arbeiten. Wenn nicht sogar länger.”

Die Baumann sollte jetzt nicht so tun, als wäre es eine absolute Katastrophe, mal einen Tag lang nicht an ihrem eigenen Schreibtisch zu sitzen. Die trat doch nur nach, weil es Adam gewesen war, der die Wunderbäume aufgehängt hatte.

“Es tut mir leid, okay? Ich wollte was Nettes, Weihnachtliches tun und bin dabei ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen. Der ganze Weihnachtsmist ist auch nicht gerade mein Spezialgebiet.”

Sie holte wieder Luft, um zu antworten, aber Leo brachte sie mit einer Geste zum Schweigen. Da war auf einmal ein trauriger Zug um seine Augen, wie jedes Mal, wenn er an die unangenehmen Seiten von Adams Kindheit dachte. Das hatte Adam jetzt auch nicht gewollt. Zumal er sich gar nicht sicher war, ob seine Ablehnung von Weihnachten wirklich etwas damit zu tun hatte, oder ob es einfach so war, ohne speziellen Grund und Anlass. Man konnte Dinge auch ohne zugrunde liegendes Trauma einfach nicht mögen, und wahrscheinlich war das mit ihm und Weihnachten einfach der Fall.

So oder so, Adam war klar, dass es nur einen Ausweg aus dieser Sache gab.

“Ich werde Wiedergutmachung leisten, versprochen. Weihnachtsmarktbesuch ohne Gemecker. Ich geb sogar ‘nen Glühwein aus, okay?”

Pia nickte zufrieden, aber Leo räusperte sich demonstrativ und schaute Adam mit erhobenen Augenbrauen an. Er verstand die stille Aufforderung und wusste, dass Widerspruch zwecklos war. Das Augenrollen konnte er sich aber nicht verkneifen.

“Und ich lass mich auf der Weihnachtsfeier blicken, damit der Berger nicht meckern kann. Okay? Ist mir damit vergeben?”

Leo beugte sich nach vorne und nahm sich nun ebenfalls ein Hörnchen aus der Tüte. “Fast.”

Fast ? Was soll ich denn bitte noch tun?”

Ein peitschendes Geräusch zu seiner Linken ließ ihn hochschrecken, und als er aufblickte, hielt die Baumann ihm einen der großen Beweismittelbeutel hin, den sie eben aufgeschüttelt hatte. Adam griff fast schon automatisch danach, auch wenn er überhaupt keine Ahnung hatte, was er jetzt damit anfangen sollte.

“Was genau soll ich hiermit?”

Er hatte die Tat ja gestanden, wollte die Baumann jetzt auch noch ein offizielles Beweismittelverfahren einleiten?

Doch sie lachte nur und deutete mit dem Kopf in Richtung Bürotür.

“Irgendwer muss die verdammten Wunderbäume ja wieder einsammeln, sonst riecht das an Ostern noch nach dem Zeug. Die Putzkolonne wird das ganz bestimmt nicht machen.” Das Lächeln in ihrem Gesicht wurde süßlich. “Viel Erfolg.”

Adam sah sich hilfesuchend um, aber Pia betrachtete den Rest des Hörnchens in ihrer Hand mit unglaublichem Interesse, und Leo zuckte lediglich mit den Schultern.

“Du weißt schließlich genau, wo du die Teile deponiert hast. Das ist die effizienteste Lösung.”

Effizient. Klar.

Von Leo hatte er also keine Hilfe zu erwarten. Oh, da würden sie nochmal drüber reden müssen. Wenn sie alleine waren. Und vielleicht auch weniger an hatten. Adam war hier nicht der Einzige, der Wiedergutmachung leisten musste.

Nicht der Einzige, aber offenbar der Erste.

Mit einem dramatischen Seufzen schob Adam seinen Stuhl zurück und stand auf.

“Na gut, dann sammel ich die paar Bäumchen mal ein. Wie schlimm kann es schon sein?”

Baumanns lautes Lachen begleitete ihn, als er zum Büro rüber ging, noch einmal tief einatmete, und dann die Klinke runterdrückte. Die übertrieben doch alle maßlos.

Sicherheitshalber holte er einmal tief Luft und hielt den Atem an, dann betrat er das Büro und schloss die Tür hinter sich. Das wäre doch absolut gelacht, wenn er das nicht schnell und effizient erledigt hätte. Heute Abend, spätestens morgen früh würde man hier doch überhaupt nichts mehr davon bemerken.

Er schaffte es, vierzehn der Wunderbäume einzusammeln, bevor ihm die Luft ausging und er atmen musste.

Gar nicht so schlimm, dachte er sich, als sich das erste gereizte Husten den Weg aus seiner Kehle zwang. Die übertrieben doch alle fürchterlich. Ganz leicht und subtil roch es hier nach Zimt und Orange, mehr nicht.

Adam hustete in seine Ellenbeuge.

Und ein wenig stärker nach Tannenzweigen.

Weihnachtlich.

Wenn Weihnachten einer der Höllenkreise war. Adam konnte das inzwischen nicht mehr ausschließen.

Er versuchte, den nächsten Wunderbaum zu finden, was mit tränenden Augen überraschend schwierig war.

Vielleicht hatte er ein klein wenig übertrieben.

Ein klitzekleines Bisschen.

Aber wirklich, so schlimm war es gar nicht. Und so ein Tag draußen im Großraumbüro war ja auch gut für die Stimmung, das ging quasi als Teambuilding durch. Ganz besonders, wo er doch Hörnchen mitgebracht hatte.

Adam hustete erneut und versuchte, hinter dem Tränenschleier den Weg zur Tür zu finden.

Nächstes Jahr würde er nicht mehr so erbärmlich scheitern, sondern alle mit seiner Weihnachtsüberraschung komplett vom Hocker zu hauen. Er hatte ja jetzt 364 Tage Zeit, um sich einen neuen Plan zurechtzulegen.

Die würden alle noch Augen machen.



Notes:

Vielen Dank für's Lesen. Über Kudos und Kommentare freue ich mich immer, und auch auf tumblr (@rbchild) oder Discord (#rainbow_child) bin ich zu finden und immer für ein Gespräch zu haben.

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