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„Vielleicht ein Gutschein?“, sagt Esther und Adam wirft ihr einen gequält-empörten Blick zu.
„Ich schenk Leo doch keinen Gutschein“, entgegnet er entrüstet. „Das ist doch total unpersönlich.“
Pia schließt resigniert ihre gerade gestartete Google-Suche („10 beste Gutschein-Ideen für Weihnachten“) und seufzt.
Sie haben eine Krisensitzung. Eigentlich war es mal eine „Warten, bis Leo mit der Bestellung vom Asia-Imbiss zurück ist“-Sitzung. Aber jetzt ist es eine „Warten, bis Leo mit der Bestellung vom Asia-Imbiss zurück ist“-Sitzung, die Adam kurzerhand zu einer Krisensitzung hat werden lassen. Weil Adam beim Abteilungs-Wichteln ausgerechnet Leo gezogen und auch nach zwei Wochen immer noch kein Geschenk hat.
„Na, dann nicht. Hast ja noch anderthalb Wochen, dir was besseres zu überlegen“, stellt Esther gelangweilt fest. Ihr ist das natürlich egal, ist ja nicht ihr Problem. Aber Pia kann Adam irgendwie verstehen. Sie würde auch ganz schön verzweifeln, wenn sie ein Geschenk für Leo finden müsste. Zum Glück hat sie Monika gezogen. Monika strickt gern und mag Gartenzwerge.
Andererseits. Gerade Adam sollte ja eigentlich wissen, worüber Leo sich freuen würde, oder nicht?
„Irgendetwas Selbstgemachtes?“, schlägt sie vor und jetzt wandert Adams entrüsteter Blick weiter zu ihr.
„Soll ich ihm was basteln, was er sich an den Kühlschrank hängen kann? Ich bin doch kein Grundschüler.“
Esther gähnt und tackert einen Stapel Zettel.
„Nee, ja, ach Mann, ich weiß doch nicht, was du kannst“, erklärt Pia eloquent. „Soll ja nichts Großes sein, ist ja nur Wichteln. Und ich glaube, Leo würde das gefallen. Wenn das von Herzen kommt, du da Zeit und Energie für ihn reingesteckt hast und so. Musst ja nichts basteln, kannst ja – keine Ahnung, vielleicht hast du ja ungeahnte Talente, von denen ich nichts weiß? Oder halt Plätzchen backen oder so.“
„Hm“, sagt Adam und macht einen nachdenklichen Gesichtsausdruck. „Ich hab noch nie Plätzchen gebacken.“
Und Pia hat mal wieder einen dieser Momente, in denen sich die Welt für einen Sekundenbruchteil in die falsche Richtung zu drehen scheint. Mit Adam hat sie das öfter. Könnte sie drauf verzichten.
Früher hat sie immer mit in der Küche gesessen und zugesehen, wenn ihre Oma in der Vorweihnachtszeit palettenweise Kekse gebacken hat. Als sie alt genug war, durfte sie auch helfen – und heimlich probieren. Daran hat sie schon lange nicht mehr gedacht, aber jetzt hat sie plötzlich wieder den Plätzchenduft in der Nase und Omas Lachen im Ohr. Auf dem Dachboden hat sie noch Omas altes Zimtwaffeleisen stehen. Vielleicht probiert sie dieses Jahr mal aus, ob das noch funktioniert.
Vielleicht dieses Wochenende.
„Was machst du am Samstag?“
„Öh, nichts?“, Adam sieht sie überrascht an.
„Jetzt schon. Du kommst zu mir, wir backen. Wieviel Uhr, elf?“
„Huh“, sagt Adam. „Elf, äh. Elf passt. Okay.“
Pia nickt zufrieden und wendet sich wieder ihrem Bericht zu. Heute Abend wird sie nicht nur das Zimtwaffeleisen vom Dachboden holen, sondern auch den Ordner mit all ihren Lieblingsrezepten hervorkramen.
