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Gedächtnisverlust

Summary:

Skinny bekommt einen Schlag auf den Kopf und vergisst die letzten paar Monate. Einschließlich der Tatsache, dass er und Bob sich nach der Sache in Seven Pines zunehmend näher gekommen sind. Sehr viel näher. Bob macht sich Sorgen um seinen bewusstlosen Freund, als er aufwacht, während Skinny sich fragt, warum sein Erzfeind (in den er seit Ewigkeiten verzweifelt und völlig unerwidert verknallt ist) so nett zu ihm ist.

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

Benommen blinzelte Skinny gen Himmel. Ein vage vertrauter Schemen lehnte über ihm, er fühlte Berührungen an seinem Oberkörper. Instinktiv wich er zurück, was einen dumpfen Schmerz durch seinen Kopf schickte.
„Skinny! Du bist wach!“
Skinny dachte kurz darüber nach. Er war Skinny. Er war wach. Das stimmte.
Ächzend hievte er sich in eine sitzende Position. Die Person neben ihm richtete sich ebenfalls auf, war aber immer noch sehr dicht in seinem Personal Space.
„Hab mir schon kurz Sorgen gemacht. Du hast ganz schön was abbekommen.“
Der Typ hörte nicht auf, zu reden. Oder Skinny anzufassen. Seine Hand ruhte auf Skinnys Unterarm, der Daumen massierte kleine Kreise in seinen Muskel.
„Mit Schlägen auf den Kopf ist nicht zu spaßen. Ich bin da sozusagen Experte …“
Er lachte leise.
Skinny rieb sich durchs Gesicht. Ein Schlag auf den Kopf? Das würde die Kopfschmerzen erklären. Und die latente Verwirrung. Ausdruckslos musterte er Andrews, der neben ihm hockte und nun ebenfalls seine Hände zu Skinnys Kopf hob.
„Lass mich mal kurz schauen. Ich seh zwar kein Blut, aber sicher ist sicher.“
Fachmännisch begannen seine Finger, durch Skinnys Haare zu kämmen und seine Kopfhaut nach Verletzungen abzutasten. Moment mal. Bob Andrews? Der sich augenscheinlich um Skinny sorgte? Skinny war so verdutzt, dass er ihn gewähren ließ. Hatte Bob etwas mit seinem Sturz zu tun? Skinny vermutete jedenfalls, dass er gestürzt war – neben dem Kopf taten auch seine Knie weh, wie von einem harten Aufprall. Außerdem schmerzte seine Schulter. Hm. Eigentlich tat ihm so ziemlich alles weh. Sein Nacken knackte, als sein Kopf sanft hin und her gedreht wurde. Er hatte gar nicht bemerkt, dass Bobs Finger sein Gesicht erreicht hatten. Diese andauernde Aufmerksamkeit, überhaupt seine Anwesenheit, waren sehr ungewöhnlich und ließen eigentlich nur einen Schluss zu. Andrews musste für Skinnys verletzliche Situation verantwortlich sein. Skinnys Inneres krampfte sich zusammen. Deswegen war das Fragezeichen so nett zu ihm. Er hatte Angst, dass er Skinny bleibenden Schaden zugefügt hatte. Das wäre natürlich gar nicht gut für seinen ach-so-tadellosen Ruf. Bobs Finger strichen inzwischen über seine Wangen und sein Kinn. Brüsk schob Skinny seine Hände zur Seite.
Was immer genau passiert war, Skinny war sich sicher, dass es nicht Bobs Absicht gewesen war, ihn zu verletzen – das passte nicht zu Rocky Beachs Golden Boy. Und er war zu anständig, um einfach abzuhauen und jemanden bewusstlos liegen zu lassen, selbst wenn es sich dabei um seinen Erzfeind handelte. Er war doch bewusstlos gewesen? Doch, ja. Auf jeden Fall. Aber davor war alles dunkel. Was war überhaupt passiert? Er konnte sich nicht erinnern. Hm. Aber das konnte Andrews ja nicht wissen. Vielleicht hatte es weniger mit Anstand zu tun, dass er noch hier war, und mehr mit Schadensbegrenzung. Sich entschuldigen und vergewissern, dass es ihm gut ging, damit Skinny ihm später keinen Ärger machte, wenn er wieder fit war. Eine Hand an seinem Kragen. Skinny zuckte zurück ins Hier und Jetzt. Andrews redete schon wieder. Seit wann das denn? Worum ging es diesmal? Skinny hatte Mühe, sich zu konzentrieren.
„… nichts sehen. Am besten solltest du trotzdem einmal ins Krankenhaus, obwohl ich weiß, dass du das nicht magst. Wie fühlst du dich?“
Er schaute Skinny erwartungsvoll an. Große blaue Augen viel zu dicht vor Skinnys Gesicht, erfüllt mit offenbar aufrichtiger Sorge. So ein guter Schauspieler.
„…“
Skinnys Hals war trocken. Er räusperte sich und versuchte es erneut.
„Scheiße. Aber okay.“
Andrews lachte. Unaufgefordert zuckten Skinnys Mundwinkel ebenfalls.
„Hast du Schmerzen?“
Das würdigte Skinny keiner Antwort. Er bedachte Bob lediglich mit einem finsteren was-denkst-du-denn?-Blick. Der verdrehte die Augen. Die Geste sandte einen neuen Schauer von Verwirrung durch Skinny. Leute verdrehten ständig die Augen, wenn sie mit ihm sprachen. Das war nichts Neues. Auch von Andrews und den anderen Satzzeichen hatte er das schon häufig gesehen. Aber irgendetwas hieran … da war ein Funkeln in Bobs Augen, ein geisterhaftes Schmunzeln, das über seine Lippen huschte … unter anderen Umständen würde Skinny es fast als amüsierte Zuneigung deuten. Das war natürlich Schwachsinn. Andrews konnte ihn nicht ausstehen. Das einzige Mal, dass er Skinny nicht mit Verachtung begegnet war, war bei den Campern auf dem Freeman-Gelände gewesen. Als er nicht Bob Andrews gewesen war. Ein Schmerz schloss sich um sein Herz, der nichts mit Skinnys körperlicher Verfassung zu tun hatte. Er zwang seine immer wieder abschweifenden Gedanken zurück in die Gegenwart. Vage realisierte er, dass Bobs Hand auf seiner Brust ruhte, direkt über Skinnys Herzen. Wie ironisch. Er schaute schon wieder so erwartungsvoll. Hatte er etwas gesagt? Skinny spulte mental ein bisschen zurück. Sein Gedächtnis war heute wirklich unkooperativ, alles war so verschwommen und durcheinander und lückenhaft. Doch, da. Klar. Augenrollen, halbes Grinsen und dann wieder diese unerklärliche Wärme in Bobs Stimme, als er sich korrigierte: „Okay, blöde Frage. Wo hast du Schmerzen?“
Je schneller er Andrews loswurde, desto eher hatte er Zeit, in Ruhe nachzudenken und das Chaos in seinem Kopf zu ordnen. Also antwortete er: „Eigentlich überall. Aber ist nicht so schlimm, nichts gebrochen oder so. Nur ein Haufen blauer Flecken.“
Auf Bobs skeptischen Blick setzte er hinzu: „Vertrau mir, ich kenn das Gefühl. Hatte schon deutlich Schlimmeres. Mein Kopf tut echt weh, wenn ich mich bewege, aber sonst ist’s okay.“
Und weil er den Detektiv endlich loswerden wollte, fügte er nachdrücklich an: „Wird schon wieder.“ Er brachte sogar ein kleines Lächeln zustande, das Andrews ihm hoffentlich abkaufte.
Auf Bobs Gesicht breitete sich Erleichterung aus, obwohl eine kleine Falte zwischen seinen Augenbrauen davon zeugte, dass er wusste, dass Skinny seine Beschwerden ein bisschen schönredete.
„Na gut. Dann mal hoch mit dir.“ Bob verlagerte sein Gewicht. Sein Lächeln war so unerklärlich aufrichtig. Und so nah. Zu nah. Auf Skinnys Lippen.
Er richtete sich auf und streckte Skinny auffordernd die Hände entgegen. Skinny starrte ihn nur benommen an. Sein Gehirn brauchte eine Sekunde, um das Geschehene zu verarbeiten. Dann noch eine, weil es sich geirrt haben musste. Und eine dritte, weil es einfach keinen Sinn ergab. Doch mit jedem neuen Anlauf kam es zu demselben Schluss: Bob hatte ihn geküsst.
Bob Andrews hatte ihn geküsst.
Er stand jetzt vor ihm, die Arme einladend ausgestreckt, noch immer ein Lächeln auf den Lippen. Und eben diese Lippen hatten sich nur Augenblicke zuvor auf Skinnys Mund gedrückt.
„Was zur Hölle?!“

Notes:

Eigentlich hatte ich große Pläne hierfür - ein bisschen die Dynamik zwischen den beiden erforschen; Rückblenden dazu, wie sie überhaupt zusammengekommen sind; Gastauftritte von Peter & Justus, die von der Situation nicht maximal angetan sind; und natürlich ein happy end.... aber meine Inspiration ist überraschend in Urlaub gefahren und bisher nicht zurück. Das Ficlet liegt seit Monaten unverändert in meinen Drafts, also entlasse ich es jetzt in die freie Wildbahn und komme vielleicht irgendwann später darauf zurück ^^'