Actions

Work Header

zwischen blumen und sudoku

Summary:

Nach der Explosion dauert es zwei Monate bis Leo wieder in den Dienst darf. Zwei Monate in denen Adam sich nicht ein einziges Mal blicken lässt.
Aber dann steht er plötzlich vor seiner Wohnungstür, bewaffnet mit einem Blumenstrauß und einer guten Erklärung seiner Abwesenheit.

Notes:

ich hab lowkey noch nie so viel dialog am stück geschrieben, wollte aber unbedingt adam eine chance geben sich zu entschuldigen und leo eine chance geben verletzt zu sein und zu vergeben.

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Adam starrt auf die hölzerne Tür vor ihm, sieht sein Spiegelbild im oberen, gläsernen Teil der Tür. Irgendwie sieht er seltsam aus, so im Dunkeln. Seine blonden Strähnen fallen ihm ins Gesicht und am liebsten würde er sich wieder umdrehen und gehen aber geklingelt hat er schon und jetzt wartet er nur noch.

Auf Leo.

Und eigentlich war das nichts ungewöhnliches, in den letzten Jahren hatte er sich schon oft vor der Tür von ihm wiedergefunden. Wartend, hoffend, ab und an auch mal zitternd.

Heute war es allerdings anders. Denn an jedem anderen Tag wüsste er genau wie Leo reagieren würde. Aber jetzt hatte er ihn schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen da er sich ja mehr oder weniger geweigert hatte ihn im Krankenhaus zu besuchen. Morgen um acht Uhr würden sie sich wieder im Büro sehen und um irgendeine unangenehme Konfrontation zu vermeiden wollte er heute schon mal vorbeischauen.

Es war ja auch gar nicht so als hätte er sich nicht um ihn gesorgt. Immer wieder hatte er sich bei ihm gemeldet, ihm geschrieben, hier und da hatten sie sogar telefoniert. Und über Pia und Esther konnte er immer aus zweiter Quelle informieren inwiefern sich sein Zustand geändert hatte.

Wirklich gut hatte nur er das gefunden. Sonst hatte wirklich jeder versucht ihn dazu zu bringen mal vorbei zuschauen aber er hatte es nie geschafft diesen Schritt wirklich zu gehen. Leo in dem Krankenhaus zu sehen in dem er die ersten Tage seiner Bewusstlosigkeit um sein Leben gebangt hatte, das ging einfach nicht. Und jeder Tag der danach vergangen war hatte die Hemmschwelle nur noch erhöht.

Die Tür knarrte, Adams Kopf schnellte nach oben, dann ein bisschen nach unten. Um Leo in die Augen schauen zu können.

Seine Finger klammerten sich um den Blumenstrauß den er hinter seinem Rücken hielt, er spürte die Dornen in sein Fleisch eindringen.

"Hi", sagte er schließlich und merkte wie trocken seine Kehle war. Dass er hier vor noch die ein oder andere Zigarette geraucht hatte half wahrscheinlich auch nicht.

Leo rieb sich die Augen, seine Haare waren verwuschelt, das graue Shirt was er trug wurde bei dieser Bewegung hoch gehoben wodurch er ungewollt Haut zeigte. Seine karierte Schlafhose hing locker an seinen Hüftknochen. Es benötigte jeglichen Anstand in Adam nicht zu starren.

"Adam. Was machst du hier?", fragte er, seine Stimme dabei so rau wie sie oft klang wenn er nach Stunden des Schweigens wieder sprach.

Ihm blieben jegliche Erklärungen im Hals stecken. Denn um wirklich ehrlich zu sein wusste er selber nicht was er hier tat. Es war siebzehn Uhr, die Sonne war schon untergegangen, er stand nur im gedämmten Licht der Lampe über Leo's Wohnung hier und… wollte rein? Wollte reden? Wollte ihm Blumen vorbeibringen?

"Dachte ich schau mal vorbei. Du hast ja ziemlich viel Arbeit geschwänzt", erwiderte er, lächelte.

Der Geist eines Lächelns huschte über Leo's Gesicht. Er konnte anerkennen dass Adam es versuchte, aber er wollte ihn scheinbar nicht so einfach davon kommen lassen.

"Ist das so? Soweit ich weiß hast du viel mehr Krankenhaus geschwänzt." Leo verschränkte seine Arme vor seiner Brust. Wessen Pyjama bestand aus einem engen, grauen Shirt?

Adam räusperte sich verlegen.

"Kann ich reinkommen? Wir müssen das hier nicht im Flur klären", schlug er vor, hinter seinem Rücken drehte er den Strauß schon zum dritten Mal. Zum Glück verloren sie keine Blüten.

Leo schloss seine Augen. Offensichtlich genervt. Dann zuckte er mit den Schultern, trat einen Schritt zurück, drehte sich um und verschwand in Richtung Wohnzimmer. Die Tür blieb offen und Adam ergriff seine Chance. Er trat ein, schloss die Tür hinter sich, streifte seine Schuhe ab und folgte Leo.

Für einen Moment starrte er auf den Blumenstrauß in seiner Hand. Noch konnte er ihn wieder raus werfen, er konnte sogar einfach wieder verschwinden, aber das wollte er nicht. Nicht dieses Mal.

Er folgte Leo schließlich in sein Wohnzimmer, welches irgendwie immer nach frisch gebackenen Süßwaren roch. Was überhaupt keinen Sinn ergab. Es gab niemanden den Adam kannte der sich gesünder ernährte als Leo. Dieser hatte sich schon wieder auf die Couch gesetzt, mit seiner Nase tief in einem Sudoku Heft vertieft, im Fernsehen lief irgendeine Tier Doku, allerdings ohne Ton.

Adam legte den Blumenstrauß auf die Küchentheke, unsicher darüber wie es jetzt weiter gehen sollte.

"Eine Vase würde denen bestimmt nicht schaden. Mittiger Schrank, oben", meinte Leo plötzlich ohne sich überhaupt um zudrehen. Also wusste er jetzt von den Blumen, wollte sie aber nicht ansprechen.

Gut. Das Spiel konnte er auch spielen.

Still holte er eine Vase aus dem Schrank, füllte sie mit Wasser. Er nahm die Blumen aus dem Papier, schnitt mit einem kleinen Küchenmesser die unteren Enden ab und stellte sie ins Wasser. Hier und da verrückte er noch eine Blume, so, dass der Strauß auch in der Vase so perfekt aussah wie er es getan hatte als er ihn gekauft hatte.

Und dann stellte er die Vase auf den Essenstisch. Er hatte noch nie Blumen gekauft. Aber er kannte Leo so gut dass es ihm nicht wirklich schwer gefallen war hier die richtige Wahl zu treffen.

"Freust du dich auf morgen?", fragte er schließlich und setzte sich auf das andere Ende des Sofas. Viel weiter auseinander konnten sie nicht sitzen.

Dieses Mal gewann er eine Reaktion von Leo. Er lugte über sein Heft zu ihm hinüber, als würde er ihn dafür verurteilen es gewagt zu haben sich zu setzen. "Ist das dein Ernst?", fragte er schließlich und legte das Sudoku Heft auf seinen Bauch.

Adam runzelte die Stirn. "Meine Frage? Ja, die war schon ernst gemeint."

Leo verdrehte die Augen, machte einen 'tsk' Laut, drehte sich so hin, dass er zu Adam hin gewandt saß. "Nicht deine Frage Adam, dein Auftauchen hier."

"Mein Auftauchen? Hätte ich mich anmelden sollen?"

"Jetzt stell' dich nicht dumm Adam, du weißt genau was ich meine. Du warst kein einziges Mal da, nicht im Krankenhaus, nicht als ich wieder entlassen wurde. Und am letzten Tag meines Friedens tauchst du hier abends auf mit einem Blumenstrauß und sonst nichts. Keiner Entschuldigung, nicht einmal mit einer Erklärung", erwiderte er ein wenig forscher als Adam es von ihm gewohnt war.

Fair.

Aber Adam wusste nicht was er sagen sollte. Das hatte er die letzten Wochen nicht gewusst als er jede Nachricht an ihn zehnmal umgeschrieben hatte, nicht als Esther und Pia ihn gefragt hatten warum er nie mit ihnen ins Krankenhaus kam, ob es irgend etwas gab was sie Leo ausrichten sollten.

Denn was sollte er schon sagen? Sollte er fragen wie es ihm ging? Das wusste er doch sowieso. Wie sollte es ihm schon gehen nachdem er bei einer Explosion beinahe ums Leben gekommen war? Oder sollte er fragen ob Leo ihn gehört hatte als er ihn angebettelt hatte wieder aufzuwachen, zu atmen?

"Ich weiß nicht was du von mir hören willst Leo", log er.

"Adam ich war jetzt zwei Monate nicht auf der Arbeit und zwei Wochen davon hab' ich im Krankenhaus gelegen. Jeder war da, Pia, Esther, jegliche andere Kollegen. Sogar meine Schwester ist aus Hamburg angereist um wenigstens ein paar Tage bei mir verbringen zu können. Die ersten Wochen Zuhause musste ich kein einziges Mal selber kochen weil jeder sich irgendwie den Arsch aufgerissen hat um mir Essen zuzubereiten. Damit ich mich so gut wie möglich ausruhen kann. Und jeden Tag hab ich auch dich gewartet Adam. Im Krankenhaus dachte ich mir noch: Okay, vielleicht hat er's nicht so mit Krankenhäusern, wer weiß. Aber als hier dann wirklich jeder und niemand aufgekreuzt ist wusste ich, dass irgendwas nicht stimmt. Du hast nicht einmal angerufen, das meiste was ich von dir bekommen habe waren Nachrichten. Und <em>jetzt</em> tauchst du hier mit diesen Blumen auf und tust so als wäre nichts passiert? Als hätte ich die letzten Monate der Arbeit mit böser Absicht verpasst?" In Leo's Stimme schwingt nicht nur Wut mit sondern auch Enttäuschung. Sie könnte nicht klarer sein, und auch das traurige Gesicht das ihm jetzt entgegen sah unterstrich dieses Gefühl nochmal.

"Ich war da", sagte er schließlich, nach einer viel zu langen Pause. "Ich war da Leo. Als die Bombe explodiert ist, als du aufgehört hast zu atmen. Als ich mein- als ich <em>dein</em> Leben an mir vorbeiziehen sehen habe. Und auch als du ins Krankenhaus gekommen bist war ich da, sogar als du aufgewacht bist. Aber mehr konnte ich nicht." Er schluckte, unsicher darüber wie seine Worte bei seinem Gegenüber ankamen.

Diese Denkens weise war egoistisch, das wusste er auch. Und er wusste auch, dass es nicht anders funktioniert hätte. Wäre er da geblieben, hätte er sich immer weiter an Leo gehangen dann wäre das nicht gut ausgegangen. Nicht für ihre Freundschaft, nicht für was auch immer da zwischen ihnen war. Nicht für ihn.

"Ich wollte vorbeischauen, wirklich. Jeden Tag hab ich darüber nachgedacht, nach jeder Schicht vor deinem Haus angehalten, ich stand sogar schon mehrere Male vor deiner Tür. Aber nachdem ich erfahren habe dass du das alles überlebt hast und ohne Probleme genesen wirst konnte ich einfach nicht mehr da sein. Und das war egoistisch von mir und das tut mir leid. Ich hätte einfach nicht gewusst wie ich mich hätte verhalten sollen, normalerweise-", er unterbrach sich selber. <em>Normalerweise war er nicht derjenige der sich kümmern musste. Normalerweise war er derjenige der sich nach so einer Sache eine neue Wohnung gesucht hätte.</em>

Und Leo verstand sofort womit der Satz hätte enden sollen. Irgendwann während des Gespräches war er näher zu ihm gerutscht, saß jetzt so nah neben ihm dass Adam seine trockene Kehle wieder spürte.

"Adam das einzige was ich von dir gebraucht hätte wärst du gewesen. Niemals hätte ich erwartet dass du mich bekochst oder mir irgendwelche Gute-Nacht Geschichten vorliest. Aber wenn du einfach mal da gewesen wärst, wenn du einfach hier gesessen hättest, die Tier Dokus beschimpft hättest, dich über die Sudokus beschwert hättest. Es war eine gruselige Situation aber sie war eben gruselig für uns alle. Und ich hätte dich wirklich gebrauchen können."

Dieses Mal klang er nicht enttäuscht sondern verletzt und ehrlich und offen. So ehrlich und so offen, dass Adam mal wieder die Worte im Hals stecken blieben. Denn es war genau das was er hatte hören wollen. Dabei hatte er gar nicht gewusst, dass er genau das hatte hören wollen. Er hatte Angst gehabt zu versagen, dabei hatte er nicht wissen können, dass er für Leo nie performen musste.

"Hab' ich wenigstens die richtigen Blumen rausgesucht?", fragte er schließlich und kriegte endlich ein Lachen aus Leo raus.

"Ja, die Blumen sind perfekt", erwiderte er und nickte, drehte sich endlich um um sie zu betrachten. "Zu schade dass ich sie morgen schon wieder nicht sehen kann", fuhr er fort und drehte sich wieder zurück.

Auch Adam lächelte jetzt.

"Ich kann dir auch einfach noch einen schenken", schlug er vor und lehnte sich ein wenig zurück.

Leo zog eine Augenbraue hoch und musterte ihn mit seinen etwas müden Augen. Und dem noch immer viel zu engen Shirt.

"Seit wann weiß Adam Schürk wo man Blumen kauft? Und warum wusstest du welche ich mag? Und seit wann schenken wir uns Blumen?", fragte Leo und sprach dabei bedacht klar und deutlich.

"Ein Gentleman schweigt und genießt", erwiderte er mit einem schelmischen Lächeln und richtete sich wieder auf.

"Ich wünschte der Gentleman würde endlich mal reden."

Adams Blick fiel auf seine Hände die bis vor ein paar Minuten noch wie verrückt einen stachligen Blumenstrauß herumgedreht hatten. Jetzt lagen sie in seinem Schoß und suchten verzweifelt nach einer neuen Beschäftigung. Also fing er an an seinem Ärmel herum zu zupfen, als wäre dies Antwort genug für Leo der seit Jahrzehnten auf Antworten wartete, die er wahrscheinlich niemals bekommen würde.

Er hatte gehofft dieser Unterhaltung aus dem Weg gehen zu können. Mal wieder.

"Seit wann schenken wir uns Blumen Adam?", wiederholte Leo schließlich seine Frage und suchte aufrichtig nach seinem Blick, der noch immer nach unten gerichtet war.

Adam atmete tief ein und dann hielt er seinen Atem an und dann atmete er wieder tief aus.

Ein.

Halten.

Aus.

So wie die eine Schultherapeutin ihm das beigebracht hatte als noch davon ausgegangen war, dass er nur ein Aggressionsproblem hatte. So wie er es immer tat wenn er seine Gefühle unter Kontrolle kriegen musste, wenn er seine Gedanken sortieren musste.

"Ich dachte wenn ich mich hier blicken lasse dann kann ich dir auch was mitbringen. Und weil ich sowieso wusste welche Blumen deine liebsten sind dachte ich, dass ich dir eine kleine Freude mache, weißt du? Außerdem wird man ja wohl noch seinen männlichen Freunden Blumen mitbringen dürfen."

Leo's Augen verengten sich. Er legte seinen Kopf schief, sah aus als wüsste er nicht was er sagen sollte. Adam schaute wieder auf, direkt in seine Augen.

"Nicht einmal meine Schwester hat mir Blumen mitgebracht. Nicht meine Eltern, weder Pia noch Esther. Aber du Adam, du hast mir Blumen mitgebracht und zwar nicht irgendwelche sondern genau die, die ich am liebsten hab. Also nochmal, seit wann schenken wir uns Blumen?"

"Du bist mein bester Freund Leo, wenn ich gewusst hätte, dass du dich über eine Tafel Schokolade gefreut hättest, dann hätte ich sie dir besorgt. Aber da ich weiß, dass du keine Schokolade isst…", er zuckte mit den Schultern. Als wäre es das normalste der Welt.

Aber eigentlich hatte er sich schon ziemlich dämlich gefühlt als er gestern Abend die Bestellung in dem kleinen Blumenladen aufgegeben hatte. Noch viel dämlicher hatte er sich dann gefühlt als er sie nach der Arbeit abgeholt hatte und die freundliche Verkäuferin gefragt hatte welcher schönen Frau er diese Freude bereiten wollte.

Und zum Höhepunkt hatte er dann getrieben mit seiner Antwort.

<em>"Die sind für meinen Freund."</em>

Jetzt saß der besagte Freund neben ihm und wusste nicht dass Adam ihn überhaupt seinen Freund genannt hatte und wollte unbedingt wissen was diese Blumen zu bedeuten hatten. Denn Leo war nicht blöd, war er noch nie gewesen. Die lausige Ausrede mit 'eine Freude machen' zog hier nicht. Blumen bedeuteten etwas. Adam hatte davor noch nie Blumen für jemanden gekauft, nur ab und an mal wenn in Berlin der Haus Segen schief gehangen hatte und er ein bisschen Freude in die dunklen vier Wände hatte bringen wollen.

"Wenn ich schon zu feige war dir dabei zuzusehen wie du dich zurück ins Leben kämpfst dann wollte ich nicht, dass du zurück auf die Wache kommst und dir denkst, dass ich nicht an dich gedacht habe. Denn das habe ich, das tue ich. Und es tut mir leid dass ich das nicht so zeigen kann wie alle anderen." Nachdem er das gesagt hatte war er von seinen Worten selber ein wenig überrascht. In keiner Welt hätte er jemals damit gerechnet so etwas zu sagen, so etwas von sich selber zu hören. Denn es war ehrlich, ehrlicher als er es je gewesen war.

"Hm", sagt Leo, muss sich sichtlich zurückhalten nicht auf dieses ehrliche Geständnis zu reagieren. "Du hast Recht."

Adam schaute auf, jetzt ebenfalls überrascht über seine Wortwahl.

"Naja, du konntest es nicht zeigen wie alle anderen weil du eben nicht wie alle anderen bist. Du bist Adam, nicht irgendjemand", fuhr er fort und seine Stimme klang genau so ehrlich und aufrichtig wie seine zuvor geklungen hatte.

Er benutzte es nicht als Vorwurf, Adams Dasein, sein Anderssein war kein Vorwurf, keine Schwäche, es war eine Anmerkung.

Diese Worte lösten etwas in ihm aus was er nicht ganz begreifen konnte. Es war wie eine Umarmung, wie ein leises Flüstern in seinem Ohr welches ihm versprach dass alles gut werden würde, dass er Adam war, dass er besonders war. Und diese Stimme die flüsterte war nicht irgendeine, es war die Stimme seines besten Freundes.

"Ich könnte mich an Blumen von dir gewöhnen", sagte Leo schließlich und stand schwungvoll auf, schritt endlich zu der Vase hinüber um die Blumen aus nächster Nahe selber zu betrachten. Adam folgte ihm mit seinem Blick, immer derselbe vorsichtige, bewundernde Blick.

"Zu einem Date sollte man ja niemals ohne leere Hände auftauchen, hm?", fuhr er fort, lehnte sich in den Strauß hinein und schaute dann zu Adam. Mit einem unschuldigen Blick auf dem Gesicht den Adam sofort durchschaute.

"Date?", fragte Adam, merkte wieder das trockene Gefühl in seiner Kehle, dieses Mal aus einem ganz anderen Grund.

"Naja, wieso nicht? Die Blumen hast du ja schon vorbeigebracht und morgen Abend hast du nichts vor, oder?" Leo ging in langsamen Schritten wieder zur Couch bis er hinter Adam stand und dieser seinen Kopf ganz weit in den Nacken gelegt hatte um ihn anschauen zu können während er sprach.

"Bittet Leo Hölzer mich gerade um ein Date?", fragte er schmunzelnd und schaute zufrieden dabei zu wie sich auch auf Leo's Gesicht ein Lächeln ausbreitete.

"Aber nur weil Adam Schürk an einem dunklen Abend vor meiner Tür stand, nervös einen Blumenstrauß hinter seinem Rücken versteckt hat und sich dann auf meinem Sofa breit gemacht hat. Und dabei so unsicher und fast schon niedlich ausgesehen hat." Leo legte eine Hand auf Adams Schulter, drückte leicht.

Adam wusste nicht wirklich was hier gerade passierte, ob er sich das alles nur einbildete, ob Leo das hier für witzig hielt, ob er noch träumte. Ob er alles geträumt hatte?

"Und dann willst du wieder Blumen haben? Oder lieber… was anderes?", fragte er, seine Augen noch immer auf die von Leo fixiert. Würde dieser sich jetzt auch nur ein bisschen nach unten lehnen, dann würden sie sich küssen. Und etwas in ihm wollte nichts mehr als es endlich zu tun, genau das über was er schon so lange nachgedacht hatte. Aber es lag nicht in seiner Hand.

"Blumen sind ein schöner Anfang", erwiderte Leo, lehnte sich minimal nach unten, als würde er Adam provozieren wollen. Denn so schnell er die Nähe aufgebaut hatte, genauso schnell entfernte er sich wieder von ihm. "Wer weiß was danach passiert."

Leo drückte seine Schulter noch einmal, dann ließ er los, ging den langen Weg um die Couch herum und setzte sich wieder an sein Ende, nahm sein Sudoku Heft in die Hand und verschwand wieder darin.

Adam schaute ihm dabei zu wie er grübelte, ab und an am oberen Ende seines Stift kaute. Fast so als würde er sich darauf konzentrieren ihn nicht zu beachten. Und irgendetwas hieran gefiel ihm besonders gut. Vielleicht war es das gedämmte, indirekte, warme Licht welches diesen Raum erfüllte. Oder der Geruch des mysteriösen Gebäcks welcher sich mittlerweile mit dem Duft der Blumen mischte.

Oder Leo. Der in seiner blau karierten Stoffhose neben ihm lag, sein hautenges graues Shirt immer wieder am verrutschen, sein einziger Fokus allerdings auf dem Heft in seiner Hand lag.

"Du kannst ruhig lauter machen, ist um einiges spannender als mir dabei zuzuschauen wie ich an Sudoku verzweifle", meinte Leo schließlich ohne auf zuschauen, gestikulierte aber in Richtung der Fernbedienung die auf dem Couchtisch zwischen ihnen lag.

Adam musste wieder schmunzeln und dann griff er sich die Fernbedienung, machte wirklich ein wenig lauter. Und dann schaute er den Zoo Pflegern dabei zu wie sie sich um ihre Eisbären und Hyänen kümmerten. Dabei fiel es ihm sehr schwer nicht zu bemerken wie kribbelig er sich fühlte und wie viel schneller sein Herz schlug wenn Leo sich über sein Sudoku beschwerte.

Wer hätte gedacht, dass ein Blumenstrauß und ein Moment der Ehrlichkeit so viel zwischen ihnen ändern konnte.

Notes:

das am ende noch ein bisschen domestic!hörk dabei rumgekommen ist, das war nicht geplant, ist allerdings selten im fandom weswegen ich mich kurzerhand dafür entschieden habe.
wie immer ohne beta-read, wenn es euch gefällt lasst gerne einen kudo und einen kommentar da :)