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Schokolade und andere Katastrophen

Summary:

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Ein Mittwoch reicht. Ein einziger.
Und Jokos Körper entscheidet, dass es Zeit ist, sämtliche Gewissheiten neu zu verhandeln.

Er war sich immer sicher gewesen, zu wissen, wer er ist.
Bis Instinkt plötzlich lauter wird als Vernunft und Kontrolle nur noch ein hübsches Konzept ist.

Was ist passiert? Und viel wichtiger: Wann wird es endlich so wie es niemals war?

Notes:

Halli-Hallo (Ja auch hier xD),
ja ich komm dann einfach mal rein und fang an wa? Ich bin neu im Fandom und hab bisher nur ein bisschen gelesen, bis es mich vor ein paar Wochen gepackt hat und hier sind wir nun.

Vorweg ein paar "Warnhinweise": Das hier ist eine ABO - Story, von denen gibt es hier ja noch nicht so viele hihi. Hier werden Themen wie Hilflosigkeit, Machtmissbrauch, Diskriminierung und Sexualisierung, aber auch leichteres Material behandelt. Ich habe noch keine Beta (Pun not intended), also kann es passieren, dass kleinere Tippfehler auftauchen, bitte entschuldigt das.

So nun zum Disclaimer: Natürlich gehören alle hier dargestellten Personen sich selber, ich verdiene kein Geld mit dem Schreiben dieser Geschichte und alles hier entspricht meiner blühenden Fantasie.

Ja. Das war es erstmal. Ich freue mich über Reviews und bin Dankbar für Kritik. Jetzt viel Spaß beim Lesen.

Uff geht's!

Chapter 1: Die, in der Joko kein Beta ist

Chapter Text

Eigentlich war all das Klaas Schuld. Denn irgendjemand musste schuld sein an dieser Katastrophe.
Eine harmlose Kabbelei, die sich hochgeschaukelt hatte. An jedem anderen Tag wäre es nicht der Rede wert gewesen, an jedem anderen Tag war es Alltag. So waren sie nun mal: Joko und Klaas, das ungleiche Paar das Deutschlands Fernsehlandschaft aufgerüttelt hatte. Ein Alpha und ein Beta, die regelmäßig soziale Normen ignorierten und ihre Kleinkriege privat und in der Öffentlichkeit austrugen. Das war halt ihre Art von Freundschaft.

Zugegeben, eine merkwürdige Freundschaft die sie da zweifelsohne verband. Wahrscheinlich war es einzigartig, für einen Beta wie Joko sich mit einem Alpha anzulegen. Immer und immer wieder, mit so viel Nonchalance und quasi keinen Respekt vor Klaas objektiver Überlegenheit und seinem Status. Er machte einfach. Warum sollte er Klaas anders behandeln nur weil er ein Alpha war?

Es war das was die Zuschauer liebten, dieses draufgehen, immer und immer wieder mit der nächsten Gemeinheit, auch wenn es in jüngere Vergangenheit weniger geworden war. Sie sprengten Normen, Joko sprengte Normen so komplett ohne Angst vor den Konsequenzen.
Tja. Und nun bekam er die Rechnung, weil an diesem einen gottverfluchten Tag alles anders gewesen war.

Mittwoch, 14:32, der Anfang vom Ende.

Schwindelig, mit wackeligen Beinen und verschobener Sicht stolperte Joko aus dem Büro, in dem der Alpha ihn doch grade noch geschubst und gegen die Wand gedrängt hatte. Der Beta hatte, mal wieder, eine Grenze überschritten. Heute war Klaas schon den ganzen Tag so schön leicht zu Reizen und verdammt Dünnhäutig gewesen, wie hätte er da widerstehen können?

Fuck!

„Joko?“ Sabines Stimme hallte fragend von den kalten Fliesen der Herrentoilette wieder, als er sich an ihr vorbei ans Waschbecken drängte. Der Schwindel saß hinter seiner Stirn wie ein blinder Pilot und ein widerliches Kribbeln fraß sich durch seine Wirbelsäule. Mit zitternden Fingern öffnete er den Wasserhahn und hielt seine vom wilden Pulsschlag pochenden Handgelenke unter das laufende kalte Wasser.
Scheiße…was war das?
Da war dieses Kribbeln, das es durch seine Haut und die Knochen geschafft hatte und jetzt tief in seinem Inneren für ein heißes Brodeln sorgte. Es pochte in ihm, wie ein zweiter Herzschlag. Was passierte hier?!

Überfordert schloss Joko die Augen. Er musste ruhig bleiben, wahrscheinlich hatte er einfach nur zu wenig gegessen über den Tag und die kleine Auseinandersetzung mit Klaas war, keine Ahnung, zu viel gewesen?

„Joko ist alles juut? Du gefällst mir gar nich‘ jezze...“ Eine warme Hand legte sich um seine Schulter, Sabines. „Alles gut, mir dreht sich grade nur alles ein bisschen.“, beeilte sich Joko zu sagen, die Worte liegen schwer in seinem Mund, trocken und kompliziert sperrig. Dieses Prickeln war zu einem Gefühl geworden, dass sich seiner bemächtigte, wie Kohlensäure die im Magen aufstiegt durch einen hindurch trieb. Der Blonde konnte nur noch den Kopf ergeben gegen den Spiegel sinken lassen und sich mit der Hüfte gegen das kleine Waschbecken stützen. Er versuchte das Beben seiner Muskeln unter Kontrolle zu bringen, irgendwie, aber es gelang ihm so gar nicht.

„Na dann is‘ wohl nicht alles juut. Komm, setz dich mal für n Moment, ich hol dir was zu trinken, dann wird’s gleich wieder.“ Die Beta lotste ihn mit überraschend festem Griff vom Waschbecken weg und mit dem Rücken gegen die nächste Wand. Fest und sicher bot sie halt und Joko atmet erleichtert durch. Ein paar weitere tiefe Atemzüge, ein uns aus, ein und aus. Warum wurde es nicht besser?

Das Kochen in Jokos Brust breitete sich immer weiter aus, unnachgiebig und heiß. Doch dann war da plötzlich noch etwas. Zuerst war es nur ein leises Flackern in seiner Nase, nicht mehr als der Geruch von frischer Luft in den Bergen, so wie reiner Sauerstoff. Die Nase des Betas kribbelte, doch er musste nicht Niesen.
Jeder Atemzug machte dieses Gefühl und den damit einhergehenden Druck intensiver, überwältigender und auf einmal konnte er riechen. Es war kein „normales“ riechen, nicht so wie er es sein ganzes Leben gekannt hatte.
Es war…einfach mehr. Seine Nasenflügel flatterten wild, füllten sich mit immer mehr Luft und den neuen Gerüchen, die um ihn herum erwacht waren. Beißend saubere Zitrone, von Sabines Reiniger, die blumige Seife im Spender und das fließende Wasser - the fuck?! Seit wann hatte Wasser aus der Leitung bitte einen eigenen Geruch?

Panisch griff Joko nach der glatten Wand hinter sich, ein verzweifelter Versuch sich festzuhalten. Zu viel! Viel zu viel!

„Joko jetzt kipp mir hier nicht um.“ Ja, ja das war sein Plan, aber das war leichter gesagt als getan! Die Zeit schien still zu stehen, er wagte nicht zu Atmen, nicht noch mehr Reizüberflutung. Joko konnte nichts tun, als ein plötzlich schmerzhaftes Zucken durch seinen Bauch schoss und er sich lediglich hilflos zusammenkrümmen konnte. „Nrgh! Ahh!“ Der Schrei des Blonden ging unter in hilflosen Hecheln, er kam auf die Schmerzen keine Sekunde länger klar.

Sabine redete auf ihn ein, sie versuchte wirklich zu helfen, aber sie konnte ja nicht Ahnen, dass keines ihrer Worte bei Joko ankam.

„Hilfe! Wir brauchen Hilfe!“ Brüllte die Beta aus voller Lunge, so dass es vermutlich das ganze Haus mitbekam, umso besser! Joko überragte sie um mehrere Köpfe und wenn er wirklich ohnmächtig werden würde, so könnte sie ihn keine Sekunde halten.

Doch so weit kam es nicht.

Lakritz, etwas, das roch wie das Meer, salzig, nach Freiheit und noch etwas Tieferes das Joko nicht greifen oder beschreiben konnte flutete das kleine Bad. Überrascht zog der Beta die Luft in seine Lungen und mit einem Schlag war es nicht mehr einfach nur zu viel, sondern perfekt. Betörend füllte der Duft seinen Kopf, nahm ihn auf eine total neue Art die er nicht kannte ein und war der Auslöser für ein viel zu hohes Keuchen, das eigentlich gar nicht von ihm kommen konnte.

„Was zum…fuck!“ Klaas hatte den Schrei wohl als erster gehört und war ihm gefolgt, er hatte mit allem gerechnet: Sabine die beim Putzen von der Leiter gefallen war, irgendein kleiner Haushaltsunfall, aber nicht diesen unglaublich schokoladen süßen Geruch von einem ihm unbekannten Omega, offensichtlich kurz davor in Hitze zu gehen.
Suchend sah er sich nach der Quelle des verlockenden Geruchs um, aber da war nur Joko.

Joko, der an der Wand lehnte, schwer atmete und sich kaum auf den Füßen halten konnte. Joko, der grade so verzweifelt gestöhnt hatte und mit den Fingern an den Fliesen hinter sich entlang kratze, auf der Suche nach halt.

Joko, das war Joko!

Es war als würde der Countdown einer Zeitbombe losgehen, als er das begriff, wäre die Zeit fast abgelaufen gewesen.
Grade noch so rechtzeigt schlug sich Klaas die Ellenbeuge vors Gesicht um diesen verlockenden Geruch irgendwie aus seinem System zu halten, auch wenn es nichts bringen würde. Das war ein Spiel gegen die Zeit, das wusste er, für alles andere war er schon zu lange in Brunft.

Es hatte heute Morgen angefangen, klar hätte er zuhause bleiben können, aber mit welchem Grund? Heute war schließlich keine Aufnahme angesetzt und der einzige mit dem er sich regelmäßig im Büro herumschlug war Joko.
Joko, ein fucking Beta, der grade so verdammt gut roch, dass sein triebgesteuertes Hirn nichts weiter wollte, als seine Zähne in dessen weicher Haut zu vergraben.

Es ergab keinen Sinn. Grade noch hatte er Joko in seinem Büro gegen die Wand gedrängt und ihn angeknurrt, weil dieser mal wieder seine Grenzen nicht gekannt hatte, da war noch nichts von diesem süßen Geruch zu wittern gewesen.
Er hätte was gerochen, Klaas war sich sicher, dass er Joko eigentlich schon den ganzen Tag hätte riechen müssen, das wäre das einzig natürliche gewesen. Was zur Hölle ging hier ab?!

Joko kauerte sich ein weiteres mal unter Schmerzen zusammen und schlug mit der flachen Hand gegen die Wand. In seinem Inneren war Chaos, heiß und nicht weg zu atmen. Er zwang seine Augen auf, doch trotz seiner Brille sah er so verschwommen und schwammig, dass er sie ganz schnell wieder schloss.

„Sabine?!“ Das war Schmitti. Seine Stimme und Schritte auf dem Flur hallten durch die vor Anspannung flirrende Luft.
Als er den Raum betrat, brauchte er kaum einen Moment um die Situation zu überblicken. Er machte den Job schließlich lange genug. Seine Nase hatte schon als er Sabine schreien gehört und seine Bürotür geöffnet hatte den Geruch wahrgenommen. Zum Glück waren seine Instinkte so gar nicht an diesem Omega interessiert und seine Alpha Hormone drehten nicht durch. Nicht so wie Klaas.
Thomas warf nur einen Blick auf Joko, stellte keine Fragen, er hatte in den letzten Jahren gelernt, dass es manchmal besser war einfach nicht zu hinterfragen und ergriff noch im selben Augenblick das Wort:

„Ok, wir bewahren alle die Ruhe, ich will keine Diskussionen jetzt. Klaas, du musst hier raus. Sofort. Sabine du…“ Grade als gute Chancen bestanden die Situation zu neutralisieren ohne in einem Kompletten Desaster zu enden waren da wieder hektische Schritte auf dem Flur. Der Geruch von frisch gemahlenem Kaffee, Karamell und nassem Beton in der Sonne mischte sich unter den Geruch von Klaas und den schwarzen Tee und die leichte Zedernholz Note von Thomas.

Jakob kam ins Bad gestolpert.
„Leute, wir haben ein Problem. Der ganze Flur stinkt nach Omega und Klaas ist…“, Jacob kam ins Badezimmer gestolpert, seine Stimme überschlug sich vor Aufregung, bevor er ein leiseres „in Brunft.“ hinterher schob.

Großartig. Nein wirklich, ganz großes Kino! Noch ein Alpha, in dieser Situation die ohnehin schon zu entgleiten drohte!
Thomas breitete die Arme aus und trat zwischen die beiden Alphas die wie paralysiert Joko, der noch immer an der Wand lehnte, anstarrten. „Ihr beide, raus! Sabine, du gehst runter ins Großraumbüro, ich habe keine Ahnung was hier läuft. Wir brauchen hier Omega Unterstützung.“ Schmitti behielt die beiden anderen Alphas streng im Auge, Klaas wie er sich noch immer die Nase zuhielt, aber keinerlei Anstalten machte auch nur einen Muskel zu bewegen und Jakob, der mit offenem Mund wie angewurzelt mitten in der Tür stand.

„Soll ich n RTW rufen?“ Fragte Sabine, als sie den mittlerweile zitternden Joko los lies, sobald Schmitt seine Hand an dessen Schulter gelegt hatte, bedacht darauf bloß nicht zu nah an den Blonden heran zu kommen. Die beiden Alphas machten noch immer keine Anstalten das kleine Bad zu verlassen, ganz im Gegenteil, Klaas knurrte Thomas sogar an, als dieser Joko an der Wand hielt. Entnervt fletschte Schmitti die Zähne in Richtung des kleineren.
„Nein, niemand ruft hier irgendwen, wenn es nicht wirklich notwendig ist. Die Schlagzeile ist das Letzte was wir grade brauchen.“, wies er Sabine an welche nur nickte und im Gegensatz zu den anderen beiden regelrecht erleichtert war die Szenerie fluchtartig verlassen zu dürfen.

Um Ruhe bemüht atmete Thomas einmal und dann noch einmal durch. Jokos Geruch war so nah noch viel stärker, was seinen Kopf unangenehm zum schwimmen brachte. Kopfschmerzen waren die postwendende Folge. „So und nun zu euch beiden: Ihr müsst hier raus. Klaas, geh bitte Nachhause, wir kümmern uns um Joko, das verspreche ich dir. Jakob du gehst runter vom Gelände. Mach, keine Ahnung, einen Spaziergang und komm erst wieder, wenn ich Entwarnung gebe. Ich will nicht das du außerplanmäßig in Brunft gehst, die reguläre da drüben reicht mir!“ Jakobs Mund klappte zu und wieder auf „Wie ist das möglich?“ Fragte er stumpf in die Runde, doch niemand kannte eine Antwort.
„Mal ernsthaft, Joko ist doch viel zu alt um zu präsentieren? Das passiert hier doch oder?“ Jakob quasselte drauf los, aus Überforderung und um nicht in der süß schmelzenden Schokolade und Petrichor; dem Duft von Regen auf warmer Haut, zu ertrinken. Der Geruch war noch nicht ganz ausgereift, doch mit jedem Moment wurde er klare und greifbarer.
Joko schluchzte verzweifelt auf, als er die Worte hörte. Das…nein. Das konnte nicht sein! Er war ein Beta, sein ganzes Leben. Das musste ein Irrtum sein, ja genau! Jakob hatte vollkommen recht, er war viel zu alt. Es musste eine andere Erklärung geben.

…und was wenn nicht?

Das heiße brennen breitete sich immer weiter aus, riss an seinen Eingeweiden wie ein wütender Hund. Was wenn es das wirklich war? Dieser Schmerz…das…es…nein…bitte nicht.
Das war keine Panik mehr, das war pure Angst und sie alle rochen es: bitter und matschig.
„Jakob halt die Klappe! Ihr beide macht jetzt endlich, dass ihr verschwindet!“, fuhr der Schmitt den jüngeren an, bevor er vorsichtig Jokos Aufmerksamkeit auf sich zog. Mit ganz leiser Stimme und einer bestärkenden Berührung an der Schulter fragte er „Hey…Joko, hörst du mich? Sabine ist Hilfe holen, wir finden raus was mit dir ist und dann wird alles gut. Ich bleibe bei dir, du musst keine Angst haben ok?“ Joko brauchte einen Moment um sich kurz zu beruhigen. Er nickte schließlich kaum merklich, als ein weiteres Knurren von Klaas die Luft zerriss, doch Thomas hatte keine Kapazitäten um darauf einzugehen, dass Heufer-Umlauf auf seine Hormonen nicht klarkam.

Klaas konnte wirklich nicht mehr. Es war einfach zu viel, Joko, die Rangelei vorhin, dieser Duft, seine Brunft die seit heute Morgen durch seinen Körper peitschte und die damit einhergehende Erektion, die sich unangenehm gegen seine Jeans drückte. Er kämpfte dagegen, es wurde nur mit jedem Atemzug schwerer.

Zu viele Dinge passierten auf einmal, als der wilde Mix aus Gerüchen im Raum von Klaas‘ Duft dominant überdeckt wurde. Joko der die Veränderung gewittert hatte, was sein eh schon fragiles Nervensystem in einen regelrechten schock schickte, riss sich mit einem leisen „Oh fuck!“ von Thomas los. Koordinationslos taumelte er zur nächsten Toilette, in welche er sich umgehend laut würgend übergab.

Sofort war Thomas bei Joko, ließ ihm Raum und beließ es dabei dem anderen Mann beruhigend eine Hand auf den Rücken zu legen, während dieser sich heftig erbrach.
„Danke Klaas, wirklich danke!“ Fluchte Thomas und hätte er Joko nicht versprochen bei ihm zu bleiben, so hätte er die beiden anderen längst eigenhändig rausgeworfen.
„Das ist doch nicht normal.“ Diese Aussage von Jakob brachte das Fass nun endgültig zum überlaufen. „Jakob, ohne Mist, du hilfst hier kein Stück! Du hast keine Ahnung was für Omegas normal ist, also halt dich raus. Und jetzt geht endlich, bitte!“ Joko jammerte leise. Es war zu laut. Zu fremd. Zu viel. Die Hand auf seinem Rücken, der harte Boden unter seinen Knien und der reißende Schmerz in seinem Bauch: es waren die einzigen Dinge die ihn noch in der Realität hielten. In seinem Kopf herrschte gleichzeitig Chaos und Leere, es war absurd. Sein Magen rebellierte ein weiteres mal.

Jakob schnaubte ungehalten. „Ach, jetzt gibst du mir recht, dass er ein Omega ist? Warum sollten wir dich mit Joko alleine lassen, hm, Herr Schmitt?“ Der Kaffee Geruch in der Luft wurde bitter-verbrannt. Wut, die man wittern konnte.

Es eskalierte. Die Luft schwirrte vor Hormonen, aufgebracht, nicht länger zu bändigen. Jokos Angst mischte sich unter die überbordenden Emotionen und Hormone, keiner schien darauf einzugehen, nein, die Hand von seinem Rücken verschwand, als Thomas sich aufrichtete, bereit für einen Kampf. Klaas war der erste, der sich in seine Richtung bewegte, langsam wie ein Raubtier. Die Diskussion der anderen beiden war ihm egal. Er musste was tun, Joko hier rausholen, ihn in Sicherheit bringen. Seine Instinkte schrien ihn förmlich an. „Was genau willst du mir hier unterstellen, Jakob?“ Eine Antwort blieb aus.

Langsam, sanft, beruhigend, mischte sich Zitronenmelisse mit Wasserlilie und Kräutertee. Katha, Joko wusste wer es war, obwohl er sie noch nie gerochen hatte. Das war Katha. Erleichert lehnte er die Stirn gegen den Toilettensitz. Jetzt würde alles gut werden, Katha bekam alles hin. Immer.

Die Omega kam leise herein und weichte alleine durch ihre Anwesenheit die Anspannung in der Luft auf. Sie ignorierte die Alphas, auch wenn ihr Blick für kurzen Moment an Klaas hängen blieb. Sie hatten sich heute noch nicht gesehen, aber ihr war zu Ohren gekommen, dass er trotz seines Zustands auf Arbeit gekommen war. Die Gerüchte hatten gestimmt, sein Geruch war überwältigend stark.

Dann lagen ihre Augen auf Joko und ihre Züge wurden ganz weich, als er zu ihr zurücksah. Wie ein kleiner Junge, blickte ihr entgegen, offen verletzlich und so voller Überforderung und Orientierungslosigkeit. „Joko…“ ihre Stimme brach, war kaum zu hören, als Sabine sich ebenfalls wieder an Jakob vorbei in den Raum drängte.
„Bitte, hilf mir.“ Joko klang als würde er gleich anfangen zu weinen. Er war ganz blass und kalter Schweiß stand auf seiner Stirn, als sich die Frau langsam neben ihn auf den Boden kniete. Ihre Hand fand seine kurzen Haare und sie hätte am liebsten selbst angefangen zu weinen. Sie kannte die Antwort, die harte Wahrheit. Sie würde ihm nicht helfen können, nicht wie er sich das vorstellte, nicht ohne seine ganze Welt auf den Kopf zu stellen. Trotzdem nickte sie tapfer und schenkte ihm ein Lächeln, wollte es ihm nicht noch schwerer machen. Dann wandte sie sich an die drei Alphas, die noch immer eingefroren dastanden.

„Ihr müsst Rauli finden. Er ist der einzige andere männliche Omega hier.“ Stellte sie leise klar, während ihre Finger beruhigend durch die blonden Haare fuhren. Ihr Duft strahlte nichts als Fürsorge und Zuneigung aus, tat sie doch alles dafür ihre Ohnmacht zu verbergen. „Macht das wirklich einen Unterschied? Ich meine, du bist doch auch ein Omega, warum kannst du ihm nicht helfen?“ Jakob klang bockig, er sah es absolut nicht ein den Raum zu verlassen um nach Rauli zu suchen. Nicht wenn Klaas und Thomas noch hier waren mit einem Omega, dass so verlockend roch. Katha verdrehte die Augen „Ja, das macht einen Unterschied. Das letzte Mal als ich nachgeschaut habe hatte ich Brüste und eine Vagina und Joko nicht.“
Jakob plusterte die Wangen auf und zog eine Augenbraue nach oben, bevor er loskicherte „Sind wir uns da wirklich sicher? Also, damit dass er…naja keine Mumu hat?“. Das leise „Fuck you“ von Joko ging unter in Klaas‘ sehr lautem und direkten „Ja, sind wir.“ Und einem weiteren Schwall erbrochenem in der Schüssel.
„Jakob, es reicht wirklich. Wir suchen jetzt Rauli und Klaas du gehst endlich Nachhause. Ich kann dich hier so nicht gebrauchen.“ Schmitti packte Jakob am Arm und wollte dasselbe bei Klaas tun, welcher ihn mit entblößten, scharfen Zähnen ein weiteres Mal anknurrte. „Fass mich nicht an!“ und auch wenn Klaas ein ganzes Stück kleiner war, hob Schmitti die Hand besänftigend. Das war noch immer einer seiner besten Freunde, auch wenn er das nicht zugeben würde. „Klaas, ich will nur dein Bestes, das musst du mir bitte glauben. Joko ist in guten Händen und sobald wir Rauli gefunden haben, wird sich das alles hoffentlich ganz schnell klären. Wie lange willst du das noch durchhalten gegen deine Instinkte zu kämpfen? Hm?“ Wütend funkelte der Kleinere ihn mit so viel Entschlossenheit und Ernsthaftigkeit in den Augen an, dass Thomas tatsächlich Schlucken musste. „So lange, bis Joko in Sicherheit ist. Ich passe hier auf und lasse keinen rein, bis ihr Rauli gefunden habt.“ Das…war überraschenderweise die erste logische Handlung des Klaas Heufer-Umlauf an diesem Tag.

Auch wenn es Schmitti so gar nicht schmeckte. Er machte sich große Sorgen um Joko, aber auch um Klaas. Eine Brunft ignorierte man nicht einfach so, vor Allem nicht über einen längeren Zeitraum.

Thomas warf Klaas einen strengen Blick zu, nickte aber schlussendlich. Jakob ließ sich ohne weitere Spitzen und Kommentare mitziehen, als die beiden sich auf die Suche nach Rauli machten. Klaas, Sabine, Katha und Joko blieben zurück. Die Dynamik hatte sich mal wieder komplett gedreht.

„Sabine machst du mir mal ein paar nasse Tücher?“ Fragte die weibliche Omega, während sie den Kragen von Jokos Pullover nach unten schob und mit einem leisen Ausatmen die Augen schloss. Es stimmte wirklich. Da war eine kleine Drüse. Normalerweise würde man sie außerhalb der Hitze kaum erkennen, jetzt war sie wütend rot und der Geruch wurde noch einmal intensiver.

Schokolade, Orangenblüte, Regenduft auf warmer Haut. Es traf Klaas wie eine Wand aus Backsteinen, frontal, hart. Er konnte grade noch seine Fingernägel schmerzhaft in die Handflächen bohren, bevor er etwas sehr dummes tat. Ja, das war Joko und schon wieder ging er ihm unter die Haut.

Es wurde erst wieder erträglicher, als Sabine die nassen Papierhandtücher in Jokos Nacken legte. Und endlich hatte jemand den seit Ewigkeiten laufenden Wasserhahn abgestellt. Die folgende Stille war fast unerträglich.
„Ich glaube, ich sterbe.“, flüsterte Joko schließlich um das Schweigen nicht noch schwerer zu machen. Es war die Wahrheit. Grade fühlte es sich wirklich so an, als müsste er sterben. „Unsinn. Das lässt Sabine nicht zu, nicht wahr?“ machte Katha gute Mine zum verlorenen Spiel. Rauli. Wie lange sollten sie noch warten? Die Situation wurde mit jedem Moment schlimmer. Jokos Geruch war inzwischen voll Entwickelt, wenn auch komplett unreif, wie bei einem Teeanger.
Es war nur eine Frage der Zeit, bis er…ja. Bis was? Wie würde das bei ihm Ablaufen? Katha hatte genau so wenig Ahnung wie die anderen beiden. Aber auf Sabine war verlass. „Worauf du Gift nehmen kannst. Hier stirbt niemand, solange ich Dienst hab.“

Es vergingen Momente, die sich anfühlten wie Stunden, zumindest für Klaas taten sie das. Joko hatte sich noch zweimal übergeben müssen. Mit jedem würgen und jedem Schluchzen wurden die Instinkte des Alphas schärfer. Er wollte Joko in den Arm nehmen, hier raus tragen, zu sich Nachhause. Da könnte er sich um ihn kümmern, das taten beste Freunde schließlich. Er könnte das. Bestimmt könnte er das. Auf ein Omega aufpassen, es beschützen, versorgen, alles was er brauchte tun. Vielleicht wäre es das Beste.

Hektische Schritte auf dem Flur kündigten Besuch an. Endlich. Klaas warf einen Blick nach draußen. Schmitti und Jakob, aber kein Rauli. „Wir konnten ihn nicht finden.“ Japste der jüngere und beugte sich schwer Atmend vorneüber. „Wir haben sogar die Herrentoiletten unten abgesucht aber da ist er auch nicht.“ Fügte Thomas hinzu und hielt sich nach seinem kleinen Sprint an der Wand fest.

Das ‚und jetzt?‘ lag schon greifbar in der Luft, als sich leise die Tür der Damentoiletten gegenüber öffnete.
Ein verwirrtes Blinzeln, über die Versammlung im Flur, ein das Schlimmste befürchtender Blick und das aufflammen von Honig, Holz und Vanille in der Luft.

„Was geht denn hier ab?“ Fragte Rauli, mit der bereits wohlbekannten Panik in der Stimme, dann sah er sich bereits nach einer potenziellen Kamera um. „Was machst du stundenlang im Frauen Klo?“, konterte Jakob sofort.
„Schluss jetzt! Wir haben wichtigere Probleme!“ raunzte Schmitti dazwischen, noch immer kein Wort von Klaas. Dessen Augen lagen wieder auf Joko und beobachten jede seiner Bewegungen ganz genau. Die Triebe in ihm wurden immer lauter. Seine Brunft forderte mit jeder weiteren Minute mehr Konzentration ein. Das Häufchen Elend, welches da vor der Toilette kniete sah immer mehr nach etwas aus, dass er haben wollte. Nur für sich alleine.

Klaas bekam nicht mit wie Rauli die Augenbrauen nach oben zog und fragend zwischen Thomas und Jakob hin und her sah. „Ich mach’s kurz: Joko ist n Omega, er riecht wie Willy Wonkas feuchter Traum und kotzt sich da drinnen grade die Seele aus dem Leib. Ach und Katha sagt du musst helfen, weil Joko keine Mumu hat, also noch nicht.“ So fasste Jakob die Geschehnisse zusammen und jetzt brach Klaas doch aus. „Wenn ich noch einmal das Wort Mumu aus deinem Mund höre, reiß ich dir die Eier ab, Lundt, ich schwör‘s dir!“ Etwas an dieser Situation war so absurd, dass es Joko doch tatsächlich schaffte zu lachen, nur um direkt wieder erbrechen zu müssen.

„Jaja, verarschen kann ich mich selber. Ist das für einen neuen Beitrag? Wo ist Maria mit der Kamera? Thomas, du weißt ich mach vieles mit, aber das geht…das geht zu weit! Lasst mal das einzige männliche Omega der Firma bloßstellen, vielleicht hofft Rauli ja wirklich, für einen kleinen Moment, nicht mehr der Sonderfall zu sein, haha was haben wir da gelacht!“ Rauli der die Hände zu Fäusten ballte und sich immer mehr in Rage redete, hatte schon zum Abgang angesetzt doch soweit kam es nicht.

„Rauli das ist kein Witz. Du kommst jetzt rein und hilfst Joko oder ich vergess‘ mich.“ Klaas‘ Alphastimme hallte durch den Flur und noch im selben Moment spürte Rauli seine Knie weich werden und auf der Stelle kehrt machen. Er ging an den drei Alphas vorbei in die Toiletten, nicht ohne Klaas im Vorbeigehen leise zuzufauchen, dass er ihn hasste. Klaas funkelte ihn nur an und als der Omega von dem potenzierten Brunft-Duft umgeben war, knickten ihm doch glatt noch ein zweites mal fast die Beine weg.
Raulis Omega reagierte eindeutig auf den Befehl und auch auf Klaas‘ Zustand. Er wand seine Aufmerksamkeit lieber ganz schnell Joko, der noch immer vor der Toilette kniete, zu. Unter all dem brünftigen und aufgebrachten Alphageruch versteckt lag etwas Süßes. Ein fremder Geruch, doch er kam nicht von Katha und erst recht nicht von Sabine. Das war Joko.

„Raus.“ Rauli musste schlucken, seine Stimme war so belegt, besser wurde es dadurch nicht, er konnte seinen Blick nicht lösen. „Ich kann hier keine Alphas gebrauchen.“ Der Omega wusste nicht was er denken sollte. Joko machte wirklich eine Präsentation durch, er erkannte sein dreizehnjähriges Ich in ihm wieder. Damals, bei ihm war es im Gästezimmer seiner Großeltern auf den Philippinen gewesen. Ein geschütztes Zimmer, Tee, kühle Wickel, jemand der seine Hand hielt in seinem ersten selbstgebauten Nest. Kein kaltes, unpersönliches Herren WC. Das war so falsch alles.

„Ich lass Joko nicht alleine.“ Kam es kühl und sachlich vom kleinsten Alpha der Runde, während die anderen beiden bereits den Rückzug antraten. Die waren wohl froh die Verantwortung endlich los zu sein, aber Klaas nicht. Das war sein bester Freund, sein Joko, er würde ihn nicht alleine lassen, vor allem nicht, wenn er so gut roch. „Du hast zehn Sekunden, sonst vergesse ich mich.“ Ließ Rauli ihn seine eigene Medizin schmecken. „Das hier ist privat und geht keinen was an, am allerwenigsten dich! Du hast ja nicht mal genug Respekt vor mir und jedem anderen Omega das hier arbeitet um zuhause zu bleiben wenn du in Brunft bist!“ Klaas zog nur eine Augenbraue nach oben und grinste schief, ganz als wollte er mit seinem Blick sagen: ‚Stört es dich?‘ Rauli schnaubte wütend. „Wenn Katha oder ich hier hitzig auftauchen würden, wäre das dann das selbe oder wäre es dann unsere Schuld wenn was passiert, wenn irgendeiner von euch Idioten uns betatscht, markiert, bespringt oder noch schlimmer, beißt?!“ Diese Doppelmoral kotze ihn so, so sehr an. Das Klaas noch hier war, sagte eigentlich alles und überhaupt, wer dachte bei der ganzen Sache an Joko?!
„Äpfel und Birnen, Daniel. Joko ist mein bester Freund!“…und ein Omega dass ihn brauchte. Aber das sagte er lieber nicht.
„Ist ok Klausi. Bitte geh.“ Wimmerte es leise. In Klaas zerriss es etwas. In seinen blauen Augen funkelte für einen Moment noch Kampfgeist, eigentlich sträubte sich alles in ihm zu gehen, doch letztendlich ließ er sich von Schmitti nach draußen ziehen. „Ich bin hier draußen, ok Joko?“ Die Tür schloss sich ohne Platz für eine Antwort.

Das Klack hallte scheinbar ewig nach.
„Und jezze?“ Sabine war kurz davor sich einfach auf die zweite Toilette zu setzen. Das hier lag so dermaßen außerhalb ihrer Komfortzone und ihres Wissensbereichs, warum war sie nicht mit raus gegangen?
„Jetzt müssen wir zusammenarbeiten.“ Rauli kratze sich am Kopf, bevor er neben Katha in die Knie ging und Jokos Kopf vorsichtig zur Seite neigte, was diesen leise zum Fluchen brachte. „Was ist passiert Joko?“ Fragte der Omega und wechselte einen besorgten Blick mit Katha als er die geschwollene Drüse an Jokos Hals erblickte. „Keine Ahnung! Klaas und ich haben gerauft und dann hat sich alles plötzlich gedreht.“ Natürlich hatte dieser idiotische Alpha was damit zutun, irgendwann, da würde er Klaas noch eigenhändig umbringen. Es war klar, dass früher oder später was passieren musste, wenn er immer und immer wieder so fucking leichtsinnig handelte! In Brunft auf Arbeit kommen, wirklich, super Idee!

Doch das spielte jetzt keine Rolle. Joko war jetzt die top Priorität. Er war ein Wunder, im negativen Sinne. Nicht nur das männliche Omegas super selten waren, nein, so spät zu präsentieren war noch ungewöhnlicher. Umstände die ihm Sorge bereiteten. „Wie lange ist das her?“ Joko zuckte hilflos mit den Schultern und begann wieder zu würgen. „Lass es zehn Minuten sein, vielleicht 15, aber nicht länger. Der kam hier reingestolpert, sah aus wie der Tod und wär fast aus den Latschen gekippt.“ Sagte Sabine abgeklärt.

Erschrocken riss Rauli die Augen auf und starrte Katha an, als er Jokos überhitzte Haut berührte. Joko fieberte auf. Das ging viel zu schnell. „Er ist schon die ganze Zeit so warm. Ich war mir nicht sicher ob...also wie das normalerweise bei Männern ist.“ Katha sah beschämt weg. Das war viel zu intim alles, immerhin war das hier noch immer ihr Chef.

„Ist es. Das geht nur viel zu schnell, wenn er so weiter macht dann ist er in spätestens dreißig Minuten in voller Hitze und kann nicht mehr klar denken.“ Joko lachte hysterisch auf. Das war doch ein schlechter Scherz! Das konnte jetzt nicht wirklich passieren, sein ganzes Leben war er ein Beta gewesen und außerdem er war über 40, verdammte Scheiße!

„Das ist doch jetzt nicht wahr. Fuck me!“ Verzweiflung machte sich in Joko breit und braute sich mit der Angst und den reißenden Bauchschmerzen zu einem Orkan zusammen. „Das wirst du dir bald wünschen, ja. Deswegen müssen wir Vorkehrungen treffen, solange du noch voll bei uns bist. Gibt es jemandem dem du vertraust, der dich durch die Präsentations-Hitze bringen kann?“, fragte Rauli. Der blonde Schopf schüttelte sich ohne Zögern. „Die lachen mich alle aus, selbst du dachtest das ist ein dummer Scherz.“ Das stimmte leider, ihm viel auch niemand ein, den man fragen könnte, das war einfach zu awkward. „Was ist mit Elyas? Der ist ein Alpha und würde dich nie wegschicken.“ Rauli versuchte positiv zu bleiben, er versuchte es wirklich. Nur der Erfolg blieb leider aus. „Nur über meine Leiche. Würdest du mit deinem Bruder schlafen? Außerdem ist er ein Mann und ich bin nicht schwul.“ Alleine der Gedanke Elyas und er würden miteinander schlafen brachte ihn wieder zum Kotzen.
„Dann fragen wir Palina, die ist eine Frau und ein Alpha, ihr kennt euch ewig, bestimmt hilft sie dir gerne.“ Gab die Omega nicht auf und sah Rauli hoffnungsvoll an, doch selbst der schüttelte mit dem Kopf.
„Das wird nicht funktionieren. Sein Körper wird einen Knoten verlagen und den haben halt nur männliche Alphas.“ Erklärte der andere Omega. In Jokos Kopf herrschte Stille. Die Worte kamen zu ihm durch, aber sie ergaben keinen Sinn. Nichts hier ergab Sinn. Er verstand es nicht, wollte es nicht verstehen, wie auch? Sein Körper hatte doch längst entschieden! „Oh Gott, ich glaube mir wird schlecht.“ War Jokos einziger Kommentar. Er wollte, nein, er konnte gar nicht darüber nachdenken! Er konnte doch mit keinem Mann schlafen, erst recht keinem Alpha.
„Beruhig dich, du bekommst ein Toy.“ Das machte die Situation in Jokos Augen jetzt nicht wirklich besser. Die Aussicht bald mit einem Sexspielzeug im Hintern irgendwo zu liegen und nicht mehr klar denken zu können machte ihm noch mehr Angst, als er ohnehin schon hatte, von der Entwürdigung mal ganz abgesehen.

„Wir müssen uns beeilen. Wenn wir wirklich keine halbe Stunde haben, müssen wir so schnell wie möglich alles was Joko braucht besorgen. Ich habe keine Ahnung von männlichen Omegas, aber ich schwöre dir, ich treib alles auf, wenn du mir sagst was.“ Katha hatte sich aufgerappelt, das Handy gezückt, bereit für Raulis Liste.

Natürlich war jeder anders und Bedürfnisse konnten abweichen, aber manche Dinge waren bei jedem Omega gleich, mit einigen geschlechtsspezifischen Anpassungen versteht sich. „Wir. Ich sage dir was wir brauchen. Ich bleibe bei Joko, bis es vorbei ist, keiner sollte das alleine durchmachen müssen.“ Katha nickte verständnisvoll. Sie war damals auch nicht alleine gewesen, damals war ihre beste Freundin in den ersten Tagen bei ihr geblieben. Obwohl diese ein Beta war und eigentlich nicht wissen konnte was passierte, war sie nicht von ihrer Seite gewichen, etwas wofür sie bis zum heutigen Tag dankbar war.
Das Rauli jetzt Joko helfen wollte beruhigte sie. Alleine sollte das wirklich keiner durstehen. „Bitte versprich mir, dass du mir nicht irgendwas in den Arsch schieben wirst.“ Es war vielleicht als Witz formuliert, doch man hörte die Tränen aus Jokos Stimme. Das war alle so erniedrigend. „Nein. Das wirst du selber machen müssen. Ich bin zwischen den Wellen bei dir und pass auf, dass du nicht dehydrierst oder sonst wie in die Bredouille gerätst.“ Beruhigend strich Rauli ihm über den Rücken. Das zittrige „Danke“ zwischen den Tränen ging unter in einem weiteren Würgen.

„Also dann: schieß los. Was braucht ihr?“ Katha öffnete eine Notes Datei und Tippte fleißig mit. „Eigentlich ist das glaube ich recht ähnlich wie bei dir. Das wichtigste ist natürlich ein Spielzeug für Männer, mit Knoten sollte klar sein aber bitte achte darauf, dass du eins das speziell für männliche Omegas ist bekommst, ganz wichtig. Außerdem brauchen wir Frucht Quetischis, diese Dinger die man kleinen Kindern gibt und Pudding, was anderes wird er nicht runterbekommen. Hydrationdrinks, eine Wärmflasche und Wickelunterlagen.“ Das klang bis auf das Sextoy eher nach einer Geburtsvorbereitungstasche oder einem Einkauf für ein Kleinkind. Beim letzten Wunsch zog Katha fragend die Augenbraue hoch. „Als Mann macht man immer doppelt so viel Sauerei und ich werde nicht zig mal das Bett abziehen.“ Sabine wurde etwas rot um die Nase, doch sie hängte sich sofort an, als Katha nickte und sich auf den Weg machte alles zu besorgen. „Wir treffen uns bei Joko Zuhause. Ach und Katha? Bring ihm was von dir mit für sein Nest.“ Nest? Oh hell no! War das endlich der Boden des Eisbergs? Ja? Gut, weil Joko hatte wirklich keine Ahnung wie er noch einen weiteren Schlag ertragen sollte. Wirklich, Alabama serious, das war viel zu viel.

Klack. Dann war die Tür wieder zu und die beiden Männer waren alleine. Absurd. Männliche Omegas waren so selten, wirklich, eher eine Laune der Natur, ein Bug im System und dennoch saßen sie hier irgendwo in Berlin auf einem Badezimmerboden. Rauli konnte nicht anders als über das Geschick des Schicksals trocken aufzulachen. Er hatte in seinem ganzen Leben bisher drei andere Omegas die Männer waren kennengelernt, in all den Jahren waren es nicht mehr gewesen und jetzt war da Joko. Joko den er seit Jahren kannte und nie auch nur ein Anzeichen gezeigt hatte.

…naja, vielleicht seine Anhänglichkeit an Klaas, die Art ihn mit Berührungen zu provozieren, generell die Eigenart jeden den er kannte und mochte umarmen und knuddeln zu müssen. Dann war da noch seine Emotionalität, Joko war schon immer nah am Wasser gebaut gewesen. Ach und dann noch die Vorliebe für weiche Pullis und alles aus Kaschmir, die in den letzten Jahren zugenommen hatte. Das waren Klischees, vielleicht waren ein paar Signale dabei, aber wer hätte das bitte erahnen sollen?

„Und jetzt?“ Fragte Joko schließlich und richtet sich auf. Er hatte sich ausgekotzt, im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Magen war längst leer und hatte sich in einen einzigen schmerzenden Knoten verwandelt. Er würde nicht mehr brechen, da kannte er seinen Körper zu gut in dem Belangen. Mit dem Rücken an die Kabine gelehnt sah er Rauli fragend an. Ja, was jetzt? Joko hatte doch keine Ahnung und grade wurde ihm so richtig bewusst wie Dankbar er Rauli war, dass er bei ihm bleiben würde, so peinlich und erniedrigend das mit Sicherheit werden würde: Er war nicht alleine. „Jetzt bringen wir dich Nachhause, lassen dir ein kaltes Bad ein und warten darauf, dass es los geht.“ Rauli stand auf und hielt Joko seine beiden Hände hin um ihm auf die Beine zu helfen.
„Was genau geht denn los? Sorry, aber ich habe wirklich keinen Plan was mich erwartet.“ Er kam sich dumm vor. So richtig dumm, weil er keinen Plan hatte was nun passieren würde. In Biologie Unterricht hatte das einfach nach kompletter hornyness und Sexsucht geklungen, aber das war auch schon Jahre her und der Lehrer war ein Wichser gewesen also...

„Und ich habe keinen Plan wie ich das erklären soll. Du wirst halt heiß, fängst an zu schwitzen und zu fiebern und das denken wird schwerer. Ab einem Punkt bist du halt einfach nur noch geil und fühlst dich leer. Wenn du nichts dagegen machst wird tut es weh.“ Mit einem sanften Ruck half Rauli dem andere hoch und Jokos Geruch wurde mit einem mal noch viel Intensiver. Beschämt kniff der Blonde die Beine zusammen. „Und wann kommt nochmal der Teil an dem ich feucht werde?“ Fragte er überfordert, krallte sich an Raulis Händen fest, während etwas nasses, warmes sich den Weg aus seinem Körper suchte und dabei zweifelsohne seine Unterwäsche durchnässte. Fuck. Das passierte wirklich, ob er wollte oder nicht. Die Erkenntnis traf ihn kalt und unnachgiebig, wie ein Sprung ins eisige Wasser. „Wenn wir eigentlich schon längst zuhause sein sollten! Alter, wie schnell bist du denn?!“ Ungläubig und mit einem lesbaren fuck im Gesicht zog Rauli den Blonden aus der Kabine. „Sorry, ich weiß es doch auch nicht man!“

Ein lauter Knall, die Tür schlug gegen die Wand, sodass der Griff abbrach, weil die Wucht so groß war. „Oh fuck!“ Jap. Sie waren wortwörtlich gefickt und Joko gleich im wahrsten Sinne des Wortes. Da stand Klaas im Eingang, seine Augen nicht mehr wirklich blau, sondern fast komplett schwarz von seinen geweiteten Pupillen. Die Atmung des Alphas ging abgehackt und stoßweise und er versuchte nicht mehr den Duft aus seiner Nase zu halten. Sein Instinkt hatte übernommen, endgültig.

„Du kannst vergessen, dass ich dich auch nur noch einen Moment mit Rauli lasse, du kommst jetzt mit mir Nachhause. Ich kann besser für dich sorgen als sonst jemand.“, forderte Klaas bestimmend ein, jedoch ohne seine Stimme zu nutzen, zum Glück. Joko rutschte das Herz auch so in die Hose, zusammen mit noch einem schwall feuchter Hitze. ‚Sorgen‘. Das Wort fühlte sich plötzlich gefährlich an.
„Also ich glaube jetzt geht’s los. Was bildest du dir eigentlich ein? Denkst du wirklich ich oder sonst jemand hier würde ihn einfach mit dir gehen lassen, so? Das alles hier ist verdammt nochmal deine Schuld!“ baute sich Rauli drohend zwischen Joko und Klaas auf, einen guten Kopf größer als der Alpha. „Du gehst jetzt besser zur Seite. Wir beide wissen, dass ich mich besser um Joko kümmern kann als du es je könntest.“ Knurrte der kleinere, machte noch einen Schritt auf die beiden Omegas zu, die Hände erhoben, bereit Rauli wegzustoßen und sich seinen besten Freund zu krallen. Tief in sich drinne wusste er, dass es falsch war. Er sollte Jokos Geruch nicht so gut finden, nicht so darauf anspringen was mit ihm passierte, doch der logische Teil in seinem Gehirn hatte ausgesetzt. Er war endgültig von seiner Brunft ausgeschaltet worden und so witterte er nicht mehr ‚nur‘ seinen besten Freund, sondern ein Omega das bereit für ihn war. So, so bereit. Es war nicht die Frage ob, sondern wann Joko sich ihm hingeben würde.

„Klaas, das reicht. Du wirst die beiden jetzt gehen lassen und Joko nicht anrühren, haben wir uns verstanden?“ donnerte Schmittis Alphastimme durch die Luft und boxte Joko selbige aus den Lungen. Heilige…war das krass! Ein merkwürdiges winseln brach aus ihm heraus und ein unbekannter Instinkt ließ ihn den Kopf senken. Peinlich berührt versuchte er irgendwie auf seinen wackeligen Beinen zu stehen und sich nicht in die Hose zu machen.
Noch peinlicher war das Ganze, weil Rauli nicht wimmerte, das Kinn stolz nach vorne reckte anstatt es zu senken und sich noch ein ganzes stück größer machte, als er ohnehin schon war. Klaas hingegen kämpfte mit sich, knurrten Thomas wütend an als dieser sich zwischen ihn und Rauli schob und die beiden Omegas endlich aus dem Bad entließ. Er griff nicht an. Versuchte nicht das ganze eskalieren zu lassen obwohl er seiner Meinung nach alles recht dazu hatte. Das war noch immer Thomas, sie waren doch Freunde. Aber er würde ihn Joko nicht haben lassen. „Nur wenn du deine Finger von ihm lässt, Schmitt.“, brachte er aufgebracht hervor. Schmitti verdrehte genervt die Augen. „Keine Sorge Klaas, ich beabsichtige in keinster Weise dir deinen Joko wegzunehmen.“ Das belustigte Schmunzeln auf Schmittis Gesicht lies Klaas dann aber doch nochmal die Zähne fletschen, auf ein Wortgefecht lies er sich aber nicht mehr ein.

„Ihr nehmt den Hinterausgang. Mein Auto steht auf meinem Parkplatz gleich neben der Tür. Redet mit keinem, geht nicht durch die Büros und beeilt euch. Ich regle hier alles, keiner erfährt was passiert ist, das verspreche ich dir Joko.“ Schwor Thomas mit todernster Stimme und drückte Rauli seinen Schlüssel in die Hand. Zum Glück war Schmitti immer schon drei Schritte voraus. Jokos Auto stand vor dem Haupteingang der ohne weitere Aufmerksamkeit praktisch unerreichbar war und Rauli hatte zurzeit nicht mal einen PKW.
„Danke ich…“, flüsterte Joko verunsichert und bekam es nur schwer hin dem Alpha in die Augen zu sehen. Die donnernde Alphastimme stecke ihm noch immer in den Knochen. „Bedank dich nicht, du bist noch nicht in Sicherheit. Ruh dich aus und lass mich wissen, wenn ich was tun kann. Bitte beeilt euch.“ Ab diesem Moment übernahm Rauli schließlich das Ruder. In seinem Kopf ratterte bereits eine Liste mit dingen ab, die sie noch erledigen mussten bevor Joko an nichts anderes mehr denken konnte, als an die Alles verzehrende Leere. Sie mussten sich wirklich beeilen.

Draußen auf dem Flur sah Jakob das etwas anders. Er hatte noch nie ein Omega in Hitze gerochen und die süße Schokolade von Joko knallte ihm grade alle Sicherungen raus. „Untersteh dich!“, fauchte Rauli, als er den hungrigen Blick in Jakobs Augen sah und schob Joko schnell weiter was auch bitter nötig war. Joko wusste nicht, was passiert wäre hätte er ihn nicht weiter gezogen. Wahrscheinlich wäre alles schief gegangen. Vielleicht wäre er stehen geblieben oder seine Beine hätten einfach nachgegen. Oder er wäre zu jemandem zurück gegangen obwohl er wusste wie falsch das war. Aber Rauli hatte ihn nicht losgelassen.
„Wir beeilen uns jetzt. Da sind noch drei Stockwerke, eine Autofahrt und noch mehr Kandidaten von der Krone der Schöpfung da zwischen uns und deinem Bett. Du bist schon jetzt viel zu weit, ich will nicht herausfinden wie lange du braucht bis es dich komplett wegschallert.“