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Normalerweise war Ivo nicht wegen Franz traurig. Glücklich, genervt, wütend, das waren Reaktionen, die er oft wegen Franz hatte. Aber traurig, traurig war er nur in ganz bestimmten Momenten.
Das erste Mal, dass es passierte, war bei einer Zeugenbefragung. Sie waren beim Ex-Mann der Toten zuhause. "Und nach der Trennung sind se jetzt schwul gwordn?" fragte Franz herausfordernd. Der zweite Mann in der Wohnung war wohl kaum zu übersehen. "Ähm, nein. Geschlecht war mir immer egal." Franz nickte nur und ging zum nächsten Thema über. Aber dieses kurze Gespräch hatte schon gereicht, dass Ivo traurig wurde.
Wie konnte Franz es bei anderen Menschen einfach so akzeptieren, dass sie keine Geschlechter Präferenz hatten, aber bei sich selber nicht. Das war doch nicht fair. Nicht fair Ivo gegenüber, der seit Jahren in den Franz verliebt war, aber besonders nicht fair dem Franz gegenüber. Ivo wusste, dass Franz dieselben Gefühle für ihn hatte, die er selbst für seinen besten Freund hegte. Nur Franz konnte sich das nicht eingestehen. Immerhin war er ja schonmal in Frauen verliebt, also war bewiesen, dass er hetero ist.
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Ivo hatte Franz mit zum Einkaufen geschleppt. Er mochte es lieber in Gesellschaft einkaufen zu gehen und wenn er schon für den Franz mit kochen würde, war das ja das Wenigste, was dieser für ihn tun konnte.
Ivo war gerade damit beschäftigt die Auberginen zu begutachten, um die schönste in den Einkaufswagen zu legen, als Franz ein überraschtes, "Laura" ausstieß. Und tatsächlich, dort stand Franz wunderschöne Exfreundin Laura Hand in Hand mit einer ebenso schönen Frau.
"Franz, das ist aber eine Überraschung dich hier zu sehen, das ist übrigens meine Partnerin Marie." Franz unterhielt sich noch ein paar Minuten mit Laura und Marie, wobei er nicht mal andeutete, dass es für ihn seltsam sein könnte seine Exfreundin nun mit einer Frau liiert zu sehen.
Natürlich wollte Ivo nicht, dass Franz so etwas komisch fand, sonst hätte er ihn sicher nicht so lieb, aber die Tatsache, dass Franz sowas bei anderen ganz normal fand und bei sich selber nicht versetzte Ivo mal wieder einen Stich durchs Herz.
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Das nächste Mal war in der Gerichtsmedizin. Sie hatten einen Fall zur Weihnachtszeit bekommen und der Steinbrecher war alles andere als glücklich darüber. "Das passt mit hier gar nicht mit der Leich, ich muss morgen pünktlich am Flughafen sein. Ich flieg mit meiner Frau nach Fuerteventura." Franz schaute daraufhin Ivo verwirrt an. "Deine Frau?"
Ivo war genauso überrascht, immerhin arbeiteten sie schon eine Weile zusammen und Matthias hatte noch nie erwähnt, dass er verheiratet war. "Also wirklich, von dir hätte ich besseres erwartet, Franz. Bist du so Vorurteils behaftet, dass du dir nicht vorstellen kannst, dass ich mit einer Frau mein Leben verbringe. Nur weil ich gerne in die Oper gehe. Nicht jeder Mann, der sich für Kultur interessiert ist direkt schwul, wenn dus genau wissen möchtest bin ich bisexuell."
So aufbrausend erlebte man den Steinbrecher selten, sodass sich Franz erst kurz sammeln musste, bevor er sich verteidigen konnte. "Ich hab nur nicht gewusst das du verheiratet bist, hast du nir erwähnt, wollt dich jetzt nicht zu nem outing nötigen."
Das nahm Matthias offenbar den Wind aus den Segen, aber bei Ivo hinterließ es nur ein Stechen im Herzen. Er wollte den Franz ja auch nicht zu einem outing nötigen, aber schön wärs schon, wenn der sich endlich die Gefühle für seinen besten Freund eingestehen würde.
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Sie waren gerade dabei zur Feiert des gelösten Falls was trinken zu gehen. Kalli war kurz auf die Toilette gegangen und ließ Franz und Ivo zu zweit am Tisch zurück, da sagte Franz es. "Der Kalli hat sich da aber ganz schön verguckt" Ivo konnte ihn nur verwirrt anschauen "Na in den Kenny, du weißt schon, den Fitnesstypen"
Ehrlich gesagt wusste Ivo nicht, was für ein Fitnesstyp. Als er Franz nur verwirrt anschaute, schob der noch hinterher. "Der fesche Bursche aus dem Fitnessstudio, der Kalli hat den Befragt und jetzt schaut er sich immer, wenn der denkt er ist unbeobachtet dessen Videos an." Ivo grinst jetzt auch zu Franz, aber innerlich macht ihn das ein wenig traurig.
Er ist natürlich froh für den Kollegen, auch wenn er bisher nicht mitbekommen hatte das dieser sich auch für Männer interessierte. Aber warum konnte es für den Kalli so einfach sein und für den Franz so schwer. Als Kalli wieder von der Toilette zurückkam konnten es sich beide Männer natürlich nicht verkneifen ihn ein wenig aufzuziehen, wodurch Ivo seine Traurigkeit schnell vergaß.
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Als sie verkündet hatten, dass sie bald in den Ruhestand gehen würden, hatte das einige Leute überrascht. So sehr, dass einige alte Kollegen, mit denen sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatten, sie darauf angesprochen hatten. Und so saßen sie jetzt beim Markus im Garten. Den Markus kannten sie noch aus ihrer Anfangszeit bei der Polizei, der hatte sich aber nach Augsburg versetzen lassen, weil da seine Frau herkam und sie hatten Kontakt verloren. Zu seinem 70. hatte er sie nun aber wieder eingeladen und daher saßen sie nun seiner Tochter gegenüber und warteten bis der Grill so weit war.
"Als wir dich das letzte Mal gesehen haben, warst du noch in Windeln, und jetzt bist du was, 25?" Mehr den alten Mann hätte Franz wohl gar nicht raushängen lassen können. "27" korrigierte ihn Lisa. "27, das ist ein gutes Alter, damals war ich jedes Wochenende in einem anderen Bett." Das manche dieser Betten zu Männern gehört hatten, hatte Franz in seiner Erzählung mal wieder absichtlich verschwiegen.
"Ach so einer waren Sie? Ich bin mit meinen beiden Partnerpersonen eigentlich ganz zufrieden." Sie zeigte auf den Mann und die Frau, die bei ihrem Vater am Grill standen. "Da brauch ich niemanden anderen." Franz blickte kurz rüber zum Grill, dann lächelte er die junge Frau an. "Das ist ja auch schön, im eigenen Bett ist es ja eh meistens am bequemsten." Lisa wirkte kurz überrascht. Sie hatte wohl nicht damit gerechnet, dass der alte Kollege ihres Vaters so tolerant war. Aber an Toleranz für andere hatte es Franz noch nie gemangelt, nur an Toleranz für sich selbst. Ivo konnte es nicht verhindern, dass er traurig zu Franz rüber schaute und dachte "Checks doch endlich, du Depp!"
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Ivo hatte sich inzwischen damit abgefunden, dass seine Beziehung zum Franz wohl für immer platonischer Art sein würde. Damit war ja auch nichts verkehrt. Zumindest nicht, seit sie begriffen hatten, dass sie nicht ohne einander konnten und ihren Ruhestand daher gemeinsam in Kroatien verbrachten. Wenn er jeden Morgen mit Franz Frühstücken konnte, war es auch aushaltbar sich zum Schlafen in unterschiedliche Räume zu verabschieden.
Eines Tages saßen sie also auf ihrem Balkon und tranken gemütlich ihren Kaffee als Franz sich zu ihm umdrehte mit einem viel zu ernsten Ausdruck auf dem Gesicht. "Es tut mir leid" Ivo war so verwirrt von dieser Wendung des Morgens, dass er erst gar nicht antworten konnte. "Es tut mir leid, dass ich mir nie eingestehen konnte wie verliebt ich in dich war, in dich bin. Ich hatte solche Angst."
Ivo hatte nicht damit gerechnet, dass es jemals noch geschehen würde, er war über glücklich. So viele Jahre hatte er darauf gewartet das endlich von Franz zu hören. Also beugte er sich zur Liebe seines Lebens hinüber und küsste ihn. Diesen Abend und die restlichen Abende ihres Lebens musste er sich vor dem Schlafengehen nicht mehr von Franz verabschieden.
