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“Das kann nicht dein Ernst sein, Just.” Peter Shaw war fassungslos und ausnahmsweise ging es nicht um etwas, das er, Peter, tun sollte, sondern um etwas, das Justus vorhatte.
Justus’ Schweigen war nun eine stille Bestätigung dafür, dass er es durchaus ernst meinte.
“Wir waren immer gegen Gewalt und gegen Waffen. Du ganz besonders! Du hast immer gesagt, der Verstand sei die stärkste Waffe.”
Peter guckte triumphierend. Justus lächelte leicht. Etwas mitleidig, etwas von oben herab, wie früher, wenn Peter von Geistern angefangen hatte.
“Es geht hier nicht darum, was die stärkste Waffe ist, das ist ganz eindeutig der Verstand, sondern schlicht und ergreifend um Geld.”
Frustriert sah Peter zu Bob. “Sag doch auch mal was.”, forderte er ihn auf.
Bob sah von seinem Handy auf und es war offensichtlich, dass er die letzten Minuten nicht zugehört hatte.
“Was du vorhast ist sehr gefährlich, Justus.”, sagte er schwach.
Justus explodierte: “Natürlich ist es gefährlich! Natürlich ist es nicht das, was ich will! Glaubst du, ich will unter die hirnverbrannten Idioten gehen, die in fremde Länder geschickt werden, um wirtschaftliche Interessen unserer Regierung durchzusetzen? Meinst du, ich will jemanden töten?”
Seine Augen schienen vor Wut zu funkeln, als er seine beiden Kindheitsfreude ansah. Bob schielte immer wieder auf sein Handy, traute sich aber nicht ganz, den Blickkontakt abzubrechen.
“Niemand will das oder besser, wer es will, sollte sich besser untersuchen lassen, aber ich habe keine Wahl. Ich habe keinen reichen Vater, der mein Studium finanziert und jedes Problem lösen kann in dem Geld darauf geschmissen wird!”
“Keine unserer Familien ist reich, Justus.”, warf Bob ein.
“Für meine Verhältnisse schon, aber meinetwegen, nennen wir es wohlhabend. Es reicht jedenfalls, um Schicksalsschläge abzufangen und Rücklagen für das Alter zu haben. Titus und Mathilda haben das nicht. Ja, der Schrottplatz gehört ihnen und auch das Haus, aber meinst du, der Umsatz war so gut, den Unterhalt zu bezahlen und genug für die Rente zurückzulegen? Geschweige denn für die Eventualität einer Krankheit? Titus ist schon lange herzkrank, das wisst ihr. Jetzt ist auch noch meine Tante krank!
Jemand muss sich um die beiden kümmern, jemand muss den Laden hier führen, jemand muss sicherstellen, dass sie ein Dach über dem Kopf haben.”
“Und wie willst du dich um den Laden kümmern, wenn du irgendwo im nahen Osten mit einer Waffe herumläufst und dein Leben riskierst?”, unterbrach Peter Justus’ Redefluss.
“Es geht nicht darum, was ich mache, sondern wie viel ich dafür bezahlt bekomme. Davon lässt sich hier eine Pflegekraft einstellen und eine Aushilfe, die Titus mit dem Gebrauchtwarenhandel hilft.”
Justus’ Stimme war kalt und ruhig geworden.
“Ihr versteht das nicht und ihr müsst das auch nicht verstehen, aber ich habe niemanden. Keinen Großvater, der noch im hohen Alter gesund und munter ist und über seine Patente noch immer ein gutes Einkommen hat. Oder einen Vater, der inzwischen geradezu regelmäßig für oscarprämierte Filme die Requisite macht.” Er deutete auf Peter.
“Keine Mutter, die, sobald das Kind aus dem Haus war, noch einmal beruflich aufgeblüht ist und ihrem Sohn jetzt ein Studium an einer Eliteuni nur von den Maklercourtagen von Häusern in Hollywood bezahlen kann.” Bob guckte schon wieder auf sein Handy.
“Aber Justus, wir können dir doch helfen. Wir können dir Geld leihen, vielleicht sogar schenken. Mein Vater ist handwerklich sehr geschickt, er könnte Titus gelegentlich bei der Reparatur helfen.”, sagte Peter verzweifelt.
Justus winkte ab. “Danke, aber nein danke. Ich brauchte nicht auch noch Schulden bei euch. Ich habe meine Entscheidung getroffen.” Er schnaubte abfällig. “Und Bob interessiert es sowieso nicht.”
Als er seinen Namen hörte, blickte Bob kurz auf. “Ich habe hier auch wichtige Entscheidungen zu treffen, Justus.”, sagte er aggressiv.
“Welche Farbe das neue Sofa haben soll?”, fragte Justus kalt.
“Nicht bei jeder Entscheidung geht es um Leben und Tod.”, erwiderte Bob nicht weniger eisig.
Peter wirkte, als habe man die Luft aus ihm gelassen. “Jungs, wir sind doch Freunde.”, murmelte er kopfschüttelnd. Weder Bob noch Justus hörten ihn.
