Actions

Work Header

Arcadia

Summary:

we're all asleep, someone please wake us up

take me away from this Arcadia

I'm looking for the glitches to break out of this matrix

[German Version :)]

Notes:

Hey, if you stumbled across this, you might be interested in the English version, even though it's not my first language (obviously).
You can read it here.
Ansonsten, bitte gerne weiterlesen, danke!

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Sein Weg hatte Chris Adam an den Hafen geführt. Statt brackigem Wasser erstreckte sich dort ein Feld grauen Betons, umgeben von Türmen von Containern, umringt von Kränen und eingezäunt von Wolkenkratzern, so weit das Auge reichte, in deren Glasfassaden sich hektarweise grauer Himmel spiegelte.
Er sah sich aufmerksam um, eine Hand immerzu am Holster, den Chris Adam am Gürtel trug, als müsste er sich vergewissern, dass die Handfeuerwaffe, die er hatte mitgehen lassen, noch da war.

Allem Anschein nach war ihm niemand gefolgt. Er fand Zuflucht in einer der großen Lagerhallen, in denen die gewittrige Luft ebenso dick stand wie draußen auf den Straßen. Es war beinahe, als wäre sie geladen, ganz passend zu der Lage, in der Chris Adam sich befand.
Er warf einen Blick hinter dem Container hervor, durch das geöffnete Tor, das die Sicht auf den Umschlagplatz freigab. Massige Drohnen schwebten dort über dem Beton, um sich von mächtigen Roboterarmen, die ganze Frachtcontainer so groß wie Lastwagen heben konnten, beladen und entladen zu lassen.
Die Transportdrohnen waren zum Glück unbewaffnet und blind für Eindringlinge. Die kleineren, die rings um den Platz ihre Patrouillen flogen, waren da eine andere Sache. Doch jetzt gerade schien er sicher zu sein, und das ließ Chris Adam aufatmen.

Er verharrte in der Nähe des Containers. Wenn er den Sonnenuntergang abwartete, würde er vielleicht unbehelligt nach Hause zurückkehren können. Das ließ ihm genug Zeit bis zur Ausgangssperre. Allerdings …
Er horchte auf, als er das Surren einer Drohne vernahm. Sicherlich eine kleinere Transportdrohne, aber Chris Adam wollte lieber kein Risiko eingehen.
Er sah kurz hinter dem Container hervor und überbrückte dann rasch mit wenigen Schritten den Weg hinter den nächsten. Das Surren entfernte sich und Chris Adam atmete auf. Er ging noch einige Schritte weiter, um den Container zu umrunden.

Chris Adam fuhr merklich zusammen und auch sein Herz machte einen überraschten Satz, als er sich plötzlich wie aus dem Nichts einer schwarz gekleideten Gestalt gegenüber sah. Menschenähnlich, doch mit unmenschlichem Gesicht. Einen Androiden hatte Chris Adam hier nicht erwartet.
Instinktiv griff er zu seiner Waffe, doch da hob die Gestalt bereits in einer knappen, defensiven Geste die Hände, und Chris Adam hielt inne.
Er kannte dieses “Gesicht”. Es wirkte wie eine Maske, durch Dioden beleuchtet, ein bläuliches Licht, das die beginnende Dunkelheit durchbrach und das in seiner Anordnung ein Gesicht imitierte.

Er zog die Waffe nicht, da die Gestalt ebenso ruhig blieb und die blauen Dioden keine Aggression vermittelten. Die Gestalt schien ihn nicht angreifen zu wollen.
“Du bist der, den sie suchen”, stellte Chris Adam fest.
Die Gestalt neigte etwas den Kopf, und hob dann langsam die Hände noch etwas weiter. Chris Adam spannte sich an, die Hand weiterhin am Griff seiner Waffe, doch schließlich zog der mysteriöse Fremde lediglich ein Tablet aus seiner Kleidung, seinem Mantel, das einen weißen Bildschirm zeigte. Die Gestalt schien etwas darauf zu tippen, und Chris Adam runzelte die Stirn, doch er wartete.

Schließlich hielt der Fremde ihm den Bildschirm hin, sodass Chris Adam seine Nachricht lesen konnte. [Ich werde gesucht, weil ich die Wahrheit kenne. Genau wie du.]
Chris Adam sah auf die Buchstaben, dann suchte er den Blick des Fremden. “Was weißt du über mich?”, fragte er, durchaus angespannt. Immerhin konnte er sicher sein, dass der mysteriöse Fremde nicht für S4Y arbeitete, doch das bedeutete nicht, dass er keine Bedrohung war.

Der Fremde tippte eine Antwort, und es lag eine seltsam unerschütterliche Ruhe in seinen Bewegungen. [Du erkennst die Ungerechtigkeit. Etwas stimmt nicht in dieser Welt], stand auf dem Tablet geschrieben, als der Maskierte ihm das Display wieder zeigte.
Langsam verlagerte Chris Adam sein Gewicht von einem Bein auf das andere. Das war sehr vage formuliert, aber im Grunde hatte der Fremde Recht. “Also ist das hier kein Zufall”, kombinierte Chris Adam. “Hast du mich gesucht?”

Der Maskierte neigte als einzige Antwort scheinbar nachdenklich den Kopf, die Lichter seiner Maske ein Leuchtfeuer im Dunkel der Lagerhalle.
Leise seufzte Chris Adam auf und rieb sich dann mit einer Hand über sein Gesicht. Eigentlich war er noch immer auf der Flucht, aber noch schien alles friedlich zu sein und er wollte es lieber dabei belassen. “Also schön. Wer bist du und was willst du von mir?”

Nun nahm der Maskierte wieder sein Tablet und tippte eine Antwort. Er hielt einen Moment inne und schien zu überlegen, und ein violettes Leuchten unterbrach flüssig das blaue Licht seiner Maske, bevor das Blau wieder eine feste Form annahm und er seine Nachricht beendete. Dann nickte er und drehte das Display wieder Chris Adam zu.
[Nenn mich Apoc. Ich bin hier, um dir und allen anderen einen Weg aus der Tyrannei zu zeigen.]

Chris Adam hatte die Stirn noch immer in Falten gelegt, unschlüssig, was er sagen sollte. Stattdessen nickte er kaum merklich, um zu signalisieren, dass er weitere Ausführungen erwartete.

Der Maskierte, Apoc, schien zu verstehen und ersetzte rasch die letzte Nachricht durch eine neue.
[Du weißt, dass diese Welt nicht real ist.] Apoc musterte Chris Adam aufmerksam, und durch die Lichter seiner Maske ging ein rhythmisches Pulsieren, beinahe als wollte er den Impuls widerspiegeln, mit dem Chris Adam die Stirn runzelte. Apoc tippte rasch eine weitere Nachricht. [Oder?]
Chris Adam sah erst auf die Nachricht, dann zu Apoc. “Was meinst du?”, fragte er verwundert. “Was soll das heißen, ‘nicht real’?”

Beinahe wie in einem Seufzen ließ Apoc die Schultern sinken, während er selbst stumm blieb. Er gab keinen Laut von sich, nur der schwarze Stoff seiner Kleidung raschelte leise. Er drehte das Tablet wieder zu sich und schrieb eine neue Nachricht. [Diese Welt ist eine Simulation], stand auf dem Tablet geschrieben, als Apoc dieses Chris Adam mit einem nachdrücklichen Nicken wieder hinhielt.
Chris Adam jedoch schüttelte nur leicht den Kopf, ohne das Geschriebene überhaupt richtig zu begreifen. “Ich brauche mehr als das. Was bedeutet das? Dass … wir nicht real sind?”, fragte er zurückhaltend, und was als sarkastische Nachfrage begann, endete in unsicherem Tonfall. “Oder alles um uns herum?”

Apoc neigte kurz den Kopf. [Ich erkläre alles], ließ er Chris Adam dann wissen, bevor er begann, eine längere Nachricht zu tippen. Chris Adam ließ ihn dabei keinen Moment aus den Augen, während er über die wenigen Worte nachsann, die er mit der mysteriösen Gestalt gewechselt hatte.
S4Y, die künstliche Intelligenz, die von den Einwohnern von Arcadia mit der Wahrung von Sicherheit, Ordnung und Gerechtigkeit betraut worden war, hatte zwar kürzlich einige fragwürdige Neuerungen angekündigt, die Chris Adam zu radikal vorgekommen waren, doch an eine Simulation hatte er nicht gedacht.

Nervös ballte er die Hände zu Fäusten und ließ sie dann wieder locker. Als er sicher war, dass Apoc eine Zeit lang brauchen würde, um seine Nachricht zu formulieren, ließ er den Blick etwas schweifen. Es war nicht ganz einfach, dem maskierten Fremden zu trauen, aber vor einigen Tagen hatte S4Y auf sämtlichen Anzeigetafeln und Projektionsflächen der Stadt vor ihm gewarnt und um Mithilfe bei seiner Ergreifung gebeten. Das System hatte ihn also offenbar zum Feind erklärt, also vielleicht wusste er wirklich etwas, das S4Y lieber unter Verschluss halten wollte.

Chris Adam’ Blick huschte zurück zu Apoc, als dieser ihm schließlich das Tablet wieder hinhielt. Er hatte einen recht langen Text verfasst. Kurz suchte Chris Adam Apocs Blick, dann nahm er vorsichtig das Tablet entgegen, um die Nachricht zu lesen.
[Du und alle Menschen hier sind real], lautete der erste Satz, der Chris Adam ehrlich gesagt ein wenig erleichterte. [Doch ihr gehört nicht hierher. Diese Welt, Arcadia, ist virtuell. Alle, die sie betreten haben, sind ein Teil von ihr geworden und S4Y wird sie nicht kampflos gehen lassen.]
Chris Adam hielt einen Moment inne und sah auf die Buchstaben, als würden diese ihre Bedeutung verändern, wenn er die Worte nur oft genug las.

Schließlich sah er auf. “Aber wir wüssten es doch, wenn das alles hier nicht echt wäre! Wenn wir davor ein anderes Leben hatten.”
Apoc erwiderte Chris Adam’ Blick ruhig und trat dann etwas näher. Als er die Hand hob, spannte Chris Adam sich ein wenig an und wich einen halben Schritt zurück, doch Apoc deutete nur nachdrücklich auf das Tablet in seiner Hand.
Chris Adam zögerte, doch dann atmete er angespannt aus und las weiter, was Apoc bereits geschrieben hatte.

[Die Menschen hier sind Gefangene, und niemand, nicht einmal du, begreift, wie komplex euer Gefängnis ist. Die Technologie, mit der ihr euch mit Arcadia verbunden habt, muss die Erinnerungen jedes einzelnen Users unterdrückt oder sogar überschrieben haben, sodass niemand überhaupt begreift, dass Arcadia nicht real ist.]
Chris Adam presste die Kiefer aufeinander und rang mit sich, doch er las weiter.
[Die gute Nachricht ist, dass nach meiner Kenntnis in eurer Welt kaum Zeit vergangen ist, selbst wenn die Menschen bereits ein ganzes Leben in Arcadia erlebt haben. S4Y hat kein Interesse daran, dass die Menschen in der realen Welt Schaden nehmen. Es gibt also noch Hoffnung für jeden Einzelnen von euch.]

Erneut runzelte Chris Adam die Stirn. “Nach deiner Kenntnis?”, wiederholte er dann skeptisch.
Apoc neigte den Kopf etwas zur Seite und hob dann in einer ratlosen Geste die Hände.
Leicht biss Chris Adam sich auf die Unterlippe und gab ihm dann das Tablet zurück. “Dir muss doch klar sein, wie vage das klingt”, sagte er dann ehrlich, doch andererseits … Apoc sprach von den Menschen, als sei er selbst Teil dieser Welt, daher war es nur verständlich, dass er nicht viele Informationen über die angebliche “echte” Welt hatte. Das warf allerdings neue Fragen auf. “Also gut”, sagte Chris Adam darum und verschränkte die Arme vor dem Oberkörper. “Warum solltest du uns helfen? Du bist doch einer von denen, oder nicht?”

Die Lichter, die Apocs Gesicht darstellten, leuchteten rhythmisch auf, und für einen kurzen Moment mischte sich in das Blau ein warmgelber Ton, während Apoc auf dem Tablet eine Antwort tippte und das Gerät dann wieder umdrehte.

[Die Menschen wollen frei sein], stand dort auf dem Display. Apoc drehte das Tablet wieder zu sich und fügte einige Worte hinzu. [Sie haben einen freien Willen. Ghostis will ihn zerstören.]
Chris Adam sah ihn zweifelnd an, doch schließlich rieb er sich mit der Hand über das Gesicht und seufzte schwer. “Das ist deine Motivation? Dass du … was? Das ‘Richtige’ tun willst?”

Apoc schien einen Augenblick zu überlegen, doch dann nickte er geradezu enthusiastisch und hob einen Daumen.
Chris Adam schnaufte, fast ein wenig belustigt. “Ich komme mir lebensmüde vor”, gab er dann ehrlich zu und seufzte leise. “Aber gut”, entschied er dann. “Dann scheinen wir dasselbe Ziel zu haben. Wie geht es weiter?”

Apocs Maske leuchtete in einem helleren Türkis auf, während er eine neue Nachricht tippte. [Es gibt andere wie dich. Komm.]

\T/

Mit jedem Schritt, den Chris Adam Apoc in die Dunkelheit folgte, mit jeder schweren Tür, die sich hinter ihm schloss, fragte er sich mehr und mehr, ob es eine gute Idee gewesen war, dem maskierten Fremden zu folgen. Jemandem, nach dem S4Y fahndete, um den Frieden zu wahren. Ein Teil von Chris Adam hatte vermutlich wirklich auf einen Verbündeten gehofft, und tat es noch immer. Es durfte so nicht weitergehen, doch allein konnte er nichts ausrichten.
Chris Adam hoffte, dass es Apoc ernst war, und dass er tatsächlich gute Intentionen hatte.

Er hatte Chris Adam in einen unterirdischen Versorgungstunnel geführt, oder vielmehr in den Schacht, der zur Wartung des besagten Tunnels diente, ein schmalerer Gang, gerade groß genug für einen Menschen. Der Gang war dunkel, die Lichter aus, doch durch die rechteckigen Glasscheiben konnte Chris Adam einen Blick in den eigentlichen Versorgungstunnel werfen, in dem sich große Transportdrohnen und Lastwagen bewegten, das Blinken ihrer roten und weißen Lichter wie ein unheilvoller Sternenhimmel.

Apoc ging mit schnellen, kräftigen Schritten voraus, den Kopf leicht gesenkt unter der niedrigen Decke. Ab und zu warf er einen Blick über seine Schulter, das Leuchten seiner Maske die einzige wahre Lichtquelle für Chris Adam.
Schließlich betrat Apoc einen weiteren Gang durch eine Seitentür. Chris Adam folgte stumm, legte eine Hand an die Tür, die Apoc ihm aufhielt, und nahm einen tiefen Atemzug.
Sie hatten nicht mehr gesprochen, auch weil keine Zeit war, um Nachrichten zu schreiben, doch nun fixierte Apoc Chris Adam und nickte ihm langsam zu, als wollte er ihm Zuspruch geben.

Chris Adam sagte nichts, auch weil er nicht wusste, wie sicher es war, die Stille zu durchbrechen, doch er neigte leicht den Kopf und bedeutete Apoc mit einer Hand, weiter voranzugehen.
Mit einem kurzen Nicken setzte Apoc sich wieder in Bewegung und Chris Adam folgte ihm. Dieser Tunnel war weniger gut in Stand gesetzt, aus nacktem Beton geformt, doch er war breiter und von der Decke hüllten Leuchtstoffröhren den Tunnel in ein kaltes Licht.

“Also …”, begann Chris Adam nun und machte eine Pause, doch da Apoc keine Anstalten machte, ihn zum Schweigen anzuhalten, sprach er weiter. “Wohin genau bringst du mich?”

Apoc reagierte zunächst nicht. Stattdessen wandte er sich einer weiteren Tür zu, die aussah, als wäre sie aus massivem Stahl.
Chris Adam hielt ebenfalls inne und suchte Apocs Blick. Der Maskierte wiederum deutete nur stumm auf die Tür. Chris Adam schnaufte nur leise und sah zu, wie Apoc die Hände an das altmodische Schloss legte. Es gab ein zustimmendes Piepen von sich und ein leises Klack ertönte.
Chris Adam sah Apoc verwundert an. Hatte er nur mit seinen Händen …?

Apoc öffnete die Tür und gedimmtes, warmes Licht traf auf die harsche Beleuchtung des Tunnels. Apoc hielt die Tür auf und Chris Adam warf einen ersten Blick in den Raum, der dahinter lag. Es wirkte … wie eine völlig andere Welt. Nicht nur das Licht war warm, der Raum selbst wirkte ganz anders als die kargen Tunnel. Er war angefüllt mit Kartons und Stahlregalen voller Behälter und Vorräte, dazwischen fanden sich ein abgenutztes schwarzes Sofa, ein niedriger Kaffeetisch und zur Rechten eine beengte Kochnische. Der Raum wirkte chaotisch, und völlig anders als die geräumigen, modernen Stadtwohnungen an der Oberfläche, aber er war dadurch auch … gemütlich. Bewohnt.

“Ah, du bist zurück”, begrüßte sie eine warme Stimme, und von dem Sofa erhob sich ein Mann, ein Mensch, und das ließ Chris Adam ein wenig aufatmen, auch wenn er noch immer angespannt war. Der Blick des Fremden fiel sogleich auf Chris Adam. “Und du hast jemanden mitgebracht”, sagte er zu Apoc, und dann hielt er Chris Adam bereits seine Hand hin.

“Ich bin Benjamin. Ben oder auch Banjo, wenn du willst. Wie du willst”, stellte er sich vor, und als Chris Adam seine Hand nahm, legte Benjamin ihm kurz die andere Hand auf die Schulter und drückte sie.
“Chris Adam”, antwortete dieser beinahe ein wenig überrumpelt. Er hatte nicht mit einer solch herzlichen Begrüßung gerechnet.

Benjamin wich zurück und bedeutete Chris Adam, ihm in den beengten Raum zu folgen. “Es ist nicht viel. Aber es ist sicher, und wir haben hier alles, was wir brauchen”, erklärte Benjamin dabei wie selbstverständlich.
Chris Adam trat langsam ein, doch er begann sich bereits sicherer zu fühlen, auch wenn noch immer viele Fragen offen waren. Apoc folgte ihm und schloss die Tür. “Hast du mich erwartet?”, fragte Chris Adam halb im Scherz, während er sich ein wenig umsah. Viel gab es nicht zu sehen, der Raum umfasste nur wenige Quadratmeter.

“Dich vielleicht nicht, aber irgendwen auf jeden Fall”, erwiderte Benjamin mit amüsiertem Unterton, während er einen kleineren Karton vom Boden in eines der metallenen Regale im hinteren Bereich des Raumes hievte. “Apoc meinte, er will noch andere finden, die sich gegen S4Y auflehnen wollen”, erklärte Benjamin dann, während er zu überlegen schien, ob er noch mehr Kisten in dem Regal unterbringen konnte. “Und ich schätze, da kommst du ins Spiel”, schloss er dann und sah zu Chris Adam.

Chris Adam nickte langsam. “Ich schätze ja”, antwortete er vage und sah sich dann noch einmal vielsagend um. “Lebst du hier? Und andere?”, fragte er dann und suchte wieder den Blick des anderen Mannes.
Benjamin gab ein kleines Lachen von sich. “Ich schätze, ich lebe jetzt hier, ja,” antwortete er und legte die Hände an die Hüften. “Apoc hat mir den Bunker hier gezeigt und wohl auch die ganzen Vorräte hergebracht. Und bisher sind es nur wir zwei. Oder … drei, wenn du dich uns wirklich anschließen willst”, erklärte Benjamin mit einem ehrlichen Lächeln auf den Lippen.

Chris Adam warf einen Blick über seine Schulter, zu Apoc, der neben der Tür lehnte und sie stumm beobachtete, wie ein Schatten in dem warm beleuchteten Raum. Chris Adam wandte sich wieder Benjamin zu und rieb sich über den Nacken. “Na ja, es fühlt sich nicht so an, als hätte ich eine Wahl”, gestand er. “Nicht nach allem, was ich jetzt weiß.” Es lag noch immer eine gewisse Unsicherheit in seiner Stimme.

Benjamin nickte nachdenklich und musterte Chris Adam einen Moment lang. “Dann hat Apoc dir schon alles erzählt?”, fragte er und ging zum Sofa, um sich dort niederzulassen, die Ellenbogen auf den Knien aufgestützt. Mit einer beiläufigen Geste bedeutete er Chris Adam, sich ebenfalls zu setzen.
Chris Adam zögerte einen Moment, doch dann folgte er der stummen Einladung und setzte sich ans andere Ende des Sofas. “Du meinst das mit der virtuellen Welt und so?”, fragte Chris Adam. “Ja, hat er. Auch wenn es mir schwerfällt, es zu glauben.”

“Hmh”, machte Benjamin nur zustimmend und nickte. “Für mich war das auch nicht leicht. Ist auch ziemlich verstörend, oder?”
Chris Adam schnaubte kurz belustigt auf. “Das kann man wohl sagen”, erwiderte er. “Du wirkst allerdings nicht sehr verstört.”
“Na ja”, erwiderte Benjamin mit einem Seufzen. “Immerhin ist, wenn Arcadia wirklich virtuell ist, alles nur ein Programm, und relativ klein. S4Y kontrolliert nicht die ganze Welt. Das wollen sie uns nur glauben lassen.”
Chris Adam sah kurz zu Apoc und dann wieder zu Benjamin. “Aber gibt es denn einen Beweis dafür, dass das alles nur virtuell ist? Oder kannst du dich an etwas anderes erinnern? Ich bin hier, solange ich denken kann.”

Benjamin schüttelte den Kopf. “Nein, geht mir auch so. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Genau wie du, oder nicht?”
Chris Adam hielt einen Moment inne und neigte dann leicht den Kopf. “Ehrlich gesagt waren es diese Sirene und diese … Chips, die sie uns einsetzen wollten. Ich dachte einfach, das geht zu weit.”

Benjamin nickte zustimmend und deutete dann vage in Apocs Richtung. Er stand noch immer neben der Tür, der dunkle Blick auf den beiden Menschen ruhend. “Ich habe ein paar kritische Posts geschrieben und geteilt. Nichts Wildes, aber S4Y hat das nicht gefallen. Ich hab Warnungen bekommen, und natürlich wurden meine Posts gesperrt. Apoc hat mich dann kontaktiert, und mir diesen Bunker hier gezeigt, mir von Arcadia erzählt.”
Chris Adam senkte den Kopf ein wenig, suchte dabei aber Benjamins Blick. “Von der virtuellen Realität.”
Benjamin nickte. “Genau.”

Man musste Chris Adam wohl ansehen, dass er sich damit schwer tat, diese wahnwitzige Geschichte zu glauben. Der Gedanke, von Androiden und künstlicher Intelligenz kontrolliert zu werden, war bereits unheimlich genug, doch dass dann auch noch ihre Welt nicht einmal echt sein sollte …

Apoc trat vor und hielt das Tablet vor sich, auf dem in großen Buchstaben geschrieben stand: [Lass mich dir eine simple Frage stellen.]
Während er das Tablet wieder zu sich drehte, um eine neue Nachricht zu verfassen, richteten sowohl Chris Adam als auch Benjamin sich aufmerksam auf. Als Chris Adam zu Benjamin sah, ruhte auf dessen Lippen allerdings ein wissendes Lächeln, während Chris Adam unentschlossen wieder zu Apoc sah.
Dieser schien einen Hang zum Dramatischen zu haben, denn auch dieses Mal zeigte das Display nur wenige Worte.

[Hast du diese Stadt jemals verlassen?]
Chris Adam runzelte die Stirn. “Nein.”
Apoc nickte und verfasste die nächste Nachricht, die er ebenfalls kurz und prägnant hielt.
[Hast du jemals darüber nachgedacht? Was dahinter liegt?]
Chris Adam senkte kurz den Blick, dachte einen Moment länger darüber nach. “Nein, aber …” Warum sollte ich?, fragte ein Teil von ihm, doch es regte sich auch ein anderer. Warum eigentlich nicht?
Was lag außerhalb von Arcadia? Es gab doch Dokumentationen über andere Städte, andere Regionen … Es gab Menschen, die außerhalb lebten.
Oder etwa nicht?
Warum konnte er sich dann nicht an einen einzigen Post, an kein Foto, kein Video erinnern?

Er schreckte auf, als Benjamin ihm eine Hand auf die Schulter legte. “Genau so hab ich auch reagiert”, sagte er mitfühlend und drückte kurz Chris Adam’ Schulter, bevor er wieder von ihm abließ. “Du hast keine Erinnerungen an alles außerhalb von Arcadia, weil es keine gibt.” Er nickte kurz zu Apoc hin, der das Tablet wieder zu sich gedreht hatte und ruhig abzuwarten schien. “Apoc sagt, es liegt daran, dass S4Y keine programmiert hat. Zumindest nicht im Detail, richtig?”
Apoc nickte zustimmend.
“Nur eine Art kollektive Erinnerung. Sie dachten wohl, das würde genügen, um uns zu täuschen. Aber ein paar von uns sind wohl … durch das Raster gerutscht, oder so.”

Chris Adam atmete langsam ein und massierte sich dabei die Nasenwurzel. Er war nicht sicher, ob das ein Beweis für eine virtuelle Realität war, aber in jedem Fall fühlte es sich falsch an, genauso falsch wie die Überwachung und die Chips, die Regeln, die neuen Gesetze, gegen die er sich ausgesprochen hatte.

“Das ist viel auf einmal, ich weiß”, sagte Benjamin ruhig und erhob sich wieder vom Sofa. “Denk darüber nach. Aber, Chris Adam”, sagte er und wandte sich zu Chris Adam um. “Wir könnten jemanden wie dich wirklich gebrauchen. Ehrlich.” Er schenkte Chris Adam ein aufrichtiges Lächeln, bevor er sich wieder den Vorräten zuwandte und einen der herumstehenden Kartons öffnete, um den Inhalt zu inspizieren. Er nahm zwei Konservendosen heraus und betrachtete sie kurz, bevor er sie zurück stellte und dann den Karton anhob, um ihn in eines der Regale zu schieben.

Chris Adam beobachtete ihn dabei einen Augenblick, die Ellenbogen auf den Knien abgestützt. Sein Blick wanderte zu Apoc, der daraufhin leicht den Kopf neigte, und dann wieder zurück zu Benjamin.
“Na ja”, sagte er dann, während er sich erhob. “Ich kann ja jetzt nicht einfach so tun, als wäre nichts gewesen.”
Benjamin hielt inne und sah Chris Adam einen Moment lang einfach nur an, doch seine Lippen umspielte noch immer ein ehrliches Lächeln, das sich vertiefte.
Chris Adam deutete auf die weiteren Kartons. “Kann ich bei irgendetwas helfen?”

Augenblicklich geriet Benjamin wieder in Bewegung und nickte, deutete dabei auf eine Reihe von Kisten und Kartons, die entlang einer schmaleren Nische standen. “Klar. Ich bin noch dabei, die Vorräte zu sortieren, ähm … und überhaupt einen Überblick zu bekommen, womit wir arbeiten. Ich dachte, ich räume die Kartons vielleicht lieber aus, dann haben wir etwas mehr Platz. Die Konserven können wir aber in den Kartons in die Regale stellen.”
Chris Adam nickte verstehend und ging dann vor dem nächsten Karton in die Hocke. “Und was ist jetzt euer Plan?”, fragte Chris Adam beiläufig, und er sah erneut zu der maskierten Gestalt, die sich nicht vom Fleck bewegt hatte, jedoch erneut den Kopf neigte, als Chris Adam ihn ansah. Einen Moment lang erwiderte Chris Adam diesen augenlosen Blick, dann wandte er sich wieder dem Karton zu.

“Apoc will noch andere finden, die bemerkt haben, dass etwas nicht stimmt”, antwortete Benjamin, während er offenbar einen weiteren Karton mit Vorräten in das Stahlregal hievte. “Systemfehler. Wie dich.”
In dem Karton vor sich fand Chris Adam zahlreiche Pakete abgepackten Kaffees und er musste ein wenig schmunzeln.
“Er durchkämmt das Netz nach kritischen Posts und durchleuchtet die Personen dahinter”, erklärte Benjamin weiter, während Chris Adam den Karton zu den anderen Vorräten ins Regal stellte.

“Und was habt ihr dann vor?”, wollte Chris Adam wissen, während er sich der nächsten Kiste widmete, einer schwarzen Kunststoffkiste. Als er sie öffnete, hielt er überrascht inne und beäugte den Inhalt, ehe er vorsichtig nach einer der Waffen griff, die darin lagen. Vier handliche Pistolen, die sicher keine Attrappen waren.

Benjamin hatte Chris Adam’ verblüffte Stille bemerkt und nickte ihm nun zufrieden zu. “Ah, gut. Apoc sagte schon, dass er auch Waffen aufgetrieben hat, aber nicht, wo sie sind.” Er deutete auf den Kaffeetisch. “Stell sie mal da rüber, damit wir drüberschauen können.”
Chris Adam hob die Kiste an und stellte sie vorsichtig auf den kleinen Tisch. “Kannst du damit umgehen?”
Benjamin neigte kurz den Kopf hin und her. “Schwer zu sagen. Nicht so wie du, schätze ich.”

Chris Adam sah kurz auf seinen eigenen Waffengurt und legte instinktiv eine Hand an den Holster. “Ich komme nur aus dem Security-Bereich. Die Waffe hab ich sicher nicht legal bekommen.”
Benjamin schnaubte kurz belustigt. “S4Y wäre auch schön blöd, die Menschen mit Waffen auszustatten. Dafür sind ja jetzt die Androiden und die Drohnen da.” Er schüttelte kurz den Kopf. “Apoc hat gesagt, er bildet uns aus. Und weil es eine virtuelle Welt ist, wird es auch viel schneller gehen als in der echten Welt.”

Sie sahen beide zu Apoc, als dieser näher kam und eine der Waffen zur Hand nahm. Instinktiv wich Chris Adam etwas zurück, doch Apoc hielt den Lauf nach unten gerichtet und löste auch nicht die Sicherung, während er die Waffe inspizierte. Er prüfte das Magazin, und seine Handgriffe wirkten geübt. Soweit Chris Adam erkennen konnte, war die Waffe geladen.
Mit einem Klicken ließ Apoc die Waffe wieder einrasten und trat dann zu Benjamin, um sie ihm zu reichen.
Dieser zögerte einen Augenblick, nahm sie dann aber mit einem kleinen Lachen entgegen. “Meinst du nicht, du solltest mir zuerst beibringen, wie man die benutzt?”, fragte er ein wenig verunsichert.

Apoc deutete auf die Waffe und legte danach die Hände aneinander, führte die Zeigefinger aneinander vorbei und deutete danach auf sich selbst.
Chris Adam sah hilfesuchend zu Benjamin, der ebenfalls innegehalten hatte, aber zu verstehen schien.
In einer weiteren Geste zeigte Apoc ihnen seine Handflächen, neigte sie zur Seite und legte dabei die Fingerspitzen der rechten Hand an den Handballen der linken.

“Er sagt, er zeigt es uns. Später”, übersetzte Benjamin an Chris Adam gewandt, woraufhin Apoc bekräftigend nickte.
“Du verstehst ihn?”, fragte Chris Adam.
“Gebärdensprache, jap”, antwortete Benjamin mit einem verschmitzten Lächeln. “Keine Sorge. Es ist nicht so schwer, wie man denkt. Und für alle größeren Botschaften nimmt er das Tablet.” Benjamin nahm sich einen Holster aus der Box und schnallte sich diesen um, damit er die Waffe verstauen konnte.

Wie um Benjamins Worte zu unterstreichen, nahm Apoc das Tablet wieder zur Hand und tippte eine Nachricht, ehe er ihnen das Display wieder hinhielt. [Es gibt noch jemanden, der sich uns anschließen könnte], ließ er Benjamin und Chris Adam wissen.
Benjamin hob kurz die Hände und ließ sie dann mit einem Schmunzeln wieder fallen. “Das ist gut. Willst du ihn auch suchen gehen?”
Apoc schüttelte den Kopf und tippte eine neue Nachricht, und in seinen Bewegungen lag ein neuer Enthusiasmus, der die sonst so dramatische Bedächtigkeit in den Schatten stellte. [Er plant, einen Drohnen-Hub in der Nähe zu manipulieren. Ich habe ihn bereits kontaktiert.]

Benjamin legte die Hände an seine Hüften. “Ein Hacker?”, fragte er, und als Apoc nickte, nachdrücklich auf das Tablet deutete und es Benjamin hinhielt, nahm dieser das Gerät entgegen.
Chris Adam warf ebenfalls einen Blick auf das Display, während Benjamin eine Art Messenger aufrief, den er allerdings nicht kannte. Es war wohl naheliegend, dass Apoc nicht über offizielle Netzwerke kommunizierte, sodass er für S4Y gut sichtbare digitale Brotkrumen hinterließ.
Chris Adam verschränkte locker die Arme vor dem Oberkörper.
Es war nur eine Nachricht zu sehen. [Wir sehen dich. Du bist in Gefahr.]

Benjamin sah skeptisch auf. “Hättest du ihn nicht etwas weniger bedrohlich kontaktieren können?”, fragte er Apoc trocken.
Auch Chris Adam sah zu dem Maskierten, der scheinbar fragend den Kopf neigte.
“Jetzt wird er doch denken, dass ihn jemand verfolgt. S4Y zum Beispiel”, gab Benjamin zu bedenken. Er sah wieder auf das Tablet. “Schreiben wir ihm, wer wir sind und was unser Plan ist. Und ob er sich uns anschließen möchte.”
Apoc hob eine Schulter und deutete erst auf das Tablet, dann auf sich, und Benjamin gab es ihm nach kurzem Zögern zurück.

Apoc stellte sich zu ihnen, sodass sie alle einen Blick auf das Display werfen konnten, und er rief ein neues Programm auf, eine dreidimensionale Karte, die eindeutig die Stadt zeigte.
Benjamin legte zwei Finger auf das Display und drehte die Karte, zoomte weiter hinein, wo sich ein rot leuchtender Punkt bewegte. “Ist er das?”

Chris Adam hob kurz eine Hand. “Du beschattest ihn?”, fragte er an Apoc gewandt.
Dieser hob erst eine Hand und bildete mit Daumen und Zeigefinger einen Halbkreis, während er auf Chris Adam deutete, und nahm dann die zweite Hand dazu, bewegte beide auf und ab, bevor er erneut auf Chris Adam deutete.
Dieser wiederum suchte Benjamins Blick, der seinerseits aufsah. “Er sagt, dich hat er auch beschattet”, übersetzte Benjamin beinahe beiläufig.
Chris Adam rieb sich flüchtig über die Nasenwurzel. “Das war nicht, was ich wissen wollte.”

Benjamin hatte sich unterdessen die Karte genauer angesehen. “Das ist nicht weit von hier. Und er ist schon im Drohnen-Hub, oder?”, fragte er. “Wir können direkt die Tunnel von hier nehmen, richtig?”
Apoc nickte enthusiastisch.
“Was dann?”, wollte Benjamin aufmerksam wissen.
Apoc führte eine ganze Reihe von Gesten und Gebärden aus, und es lag eine unerschütterliche Entschlossenheit darin. Dann sah er selbst auf das Tablet und zoomte das Gebäude näher heran, sodass die Etagen und die Infrastruktur sich in einen Plan aus blauen und roten Linien wandelte, der das genaue Innenleben der Struktur wiederzugeben schien.

“Okay, wir nehmen die Wartungs- und Lüftungsschächte. Das Erdgeschoss wird streng bewacht sein, aber Apoc geht davon aus, dass sie keine Unterwanderung aus dem Untergrund erwarten”, übersetzte Benjamin, während Apoc ihnen die Strukturen zeigte, scheinbar Tunnel innerhalb des Gebäudes. Chris Adam erkannte eingezeichnete Schächte und auch Leitern. “Und auf den oberen Etagen werden wir es vermutlich nur mit Drohnen und Kameras zu tun haben, die auf Körperwärme reagieren”, fügte Benjamin hinzu, während er weiter das Tablet auf seinem Unterarm hielt. “Denen können wir ausweichen.” Er neigte kurz den Kopf, als Apoc noch einige Worte ergänzte. “Vorausgesetzt, unser potentieller Mitstreiter löst nicht den Alarm aus. Aber ich schätze, das werden wir erst sehen, wenn wir dort sind.”

Apoc nickte abermals nachdrücklich und ballte die Hände zu Fäusten, bevor er sie kurz schüttelte.
“Er sagt, wir sollen uns beeilen”, übersetzte Benjamin knapp und wandte sich dann Apoc zu, der ihm das Tablet wieder aus der Hand nahm. Benjamin gab es nur widerwillig her. “Wir sollten ihm trotzdem schreiben. Und dann suchen wir ihn.”

Apoc deutete in einer geschwungenen Geste auf Benjamin, Chris Adam und sich selbst und neigte fragend den Kopf, während Benjamin ihm das Tablet schon wieder abluchste.
“Ja, wir”, bestätigte Benjamin entschieden. “Die Lagerhallen am Hafen sind eine Sache, aber der Hub ist doch bestimmt bewacht. Und je mehr wir sind, desto besser.”
Chris Adam presste die Kiefer aufeinander, doch er protestierte nicht. Er warf einen Blick auf das Display, während Benjamin die verschlüsselten Nachrichten wieder aufrief.

[Wir wollen S4Y auch bekämpfen. Tu nichts Unüberlegtes. Können wir uns treffen?], tippte Benjamin und sah kurz zu Chris Adam, der nach kurzem Innehalten zustimmend nickte.
Benjamin schickte die Nachricht ab, die sich gleich darauf rot färbte.
Apoc sah nur kurz auf das Tablet und warf dann kurz die Arme in die Luft.
“Hat er uns blockiert?”, fragte Benjamin verwirrt.
“Nicht ganz unverständlich”, kommentierte Chris Adam ehrlich.
Apoc nahm Benjamin das Tablet kommentarlos wieder ab, ließ es in seinem Mantel verschwinden und nahm sich eine der Waffen aus der Kiste, prüfte das Magazin und verstaute sie dann an seinem Gürtel.

Benjamin setzte sich ebenfalls in Bewegung. “Dann geht es jetzt wohl los. Kommst du mit uns?”, fragte er an Chris Adam gewandt.
Dieser nahm nur einen flachen Atemzug und nickte dann. “Klar.”
Benjamin lächelte zufrieden. “Dann komm”, sagte er und bedeutete Chris Adam, ihm in eine kleine Nische zu folgen.
Dort stellte Benjamin ihm feste schwarze Stiefel hin. “Festes Schuhwerk. Die sollten passen. Und hier”, fügte Benjamin hinzu und reichte Chris Adam eine schusssichere Weste. “Viel mehr haben wir noch nicht, aber es ist besser als nichts.”

Chris Adam neigte kurz mit einem schiefen Lächeln den Kopf und zog sich dann die Weste über, achtete darauf, dass sie sich nicht mit dem Holster verhakte, und schloss sie dann. “Was meintest du eigentlich mit ‘schwer zu sagen’?”, wollte Chris Adam dann wissen, während er sich aus seinen Straßenschuhen befreite und sich stattdessen die Stiefel anzog. ”Wegen den Waffen, meine ich.”
Benjamin gab einen vagen Laut von sich, während er in die Knie ging, um sich ebenfalls ein Paar Stiefel anzuziehen. “Wie ich gesagt habe. Schwer zu sagen. Ich … habe vage Erinnerungen daran, dass ich mal Soldat gewesen bin. Sanitäter im Militär, um genau zu sein.” Er sah kurz zu Chris Adam auf. “In der echten Welt. Fühlt sich an wie ein Traum von einem anderen Leben, aber es verblasst auch nicht. Apoc meint, das sind Lücken in der Gedankenkontrolle von S4Y, oder wer immer das alles hier lenkt.”

Apoc trat zu ihnen und führte in einer raschen Geste die Zeigefinger auseinander.
Benjamin schnaufte leise und erhob sich wieder. “Ja, wir sollten uns vermutlich beeilen”, pflichtete er Apoc bei, der sich bereits wieder umgewandt hatte und voraus ging, um den Bunker zu verlassen.
Benjamin und Chris Adam folgten ihm. Wieder nach draußen in den klammen Tunnel zu treten fühlte sich eigenartig an für Chris Adam. Am Morgen noch war er aufgestanden wie jeden anderen Tag auch, und plötzlich fand er sich im Untergrund wieder, mit Gefährten, die vorsichtig ausgedrückt fragwürdig erschienen.

Apoc führte sie zielstrebig weiter den Gang entlang, fort von den Versorgungstunneln. Immerhin war der Gang hier noch erleuchtet und wirkte dadurch weniger bedrohlich als die Wartungsschächte in der Nähe der Tunnel, aber es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sie dieses bisschen Komfort wieder gegen Sicherheit eintauschen mussten.

Am Ende des Tunnels erwartete sie ein schlichter Lastenaufzug, der verglichen mit denen in den Appartments der Stadt eher klapprig und eng wirkte.
Apoc trat an die Armatur heran, die eigentlich nach einem Schlüssel verlangte, doch er legte nur die Hände darauf und einen Augenblick später schoben sich die Aufzugtüren auf.

Chris Adam wechselte einen kurzen Blick mit Benjamin, der nur leicht mit einer Schulter zuckte und verschmitzt lächelte, bevor er nach Apoc in den Aufzug trat.
Während Chris Adam es ihnen gleich tat, orderte Apoc den Aufzug bereits, die Türen zu schließen, und gleich darauf bewegte er sich schon aufwärts.

Apoc nahm das Tablet hervor und öffnete erneut die Karte, zeigte ihnen, wo sie sich befanden und wo ihr Ziel sich aufhielt. Der rote Punkt hatte sich bewegt, aber weit war er nicht vorangekommen.
“Dort ist der Hub, nehme ich an?”, vergewisserte Chris Adam sich und deutete auf das Gebäude.
Apoc nickte zustimmend.
“Eine Verteilerstation, genau”, nickte auch Benjamin, während er die Arme vor dem Oberkörper verschränkte. “Dort werden die Drohnen des Sektors gewartet, repariert und die Patrouillen geplant und ausgeführt.”
Chris Adam nickte verstehend. “Und macht es überhaupt Sinn, den Hub anzugreifen?”, fragte er weiter.

Der Aufzug hielt und die Türen öffneten sich, offenbarten ihnen einen weiteren Gang, diesmal mit senkrechten Wänden statt eines abgerundeten Tunnels. An der Decke befanden sich ebenfalls weiße Leuchtstoffröhren, die ihren Weg erhellten. Dieser Gang führte nun zu beiden Seiten links und rechts vom Aufzug weg.

Benjamin sah zu Apoc, und Chris Adam folgte seinem Blick. Apoc wiederum gab eine Vielzahl von Zeichen zur Antwort, die zu schnell und zu komplex waren, als dass Chris Adam sich ihre Bedeutung selbst hätte erschließen können.
“Apoc meint, es kommt darauf an, wie man es anstellt”, erklärte Benjamin, während Apoc bereits voraus ging. “Wenn man es aussehen lässt wie einen internen Fehler, ohne das Sicherheitssystem zu alarmieren, kann man damit wohl zum einen die Drohnen auf Patrouille dezimieren und zum anderen S4Y mit der Fehleranalyse und den Reparaturen beschäftigen”, übersetzte Benjamin weiter, während sie Apoc den Gang entlang folgten.
Chris Adam neigte kurz anerkennend den Kopf. “Alles unter der Voraussetzung, dass man weiß was man tut, nehme ich an”, kommentierte er.
Auch Benjamin neigte zustimmend den Kopf. “Mit Sicherheit.”

Sie kamen vor einer schweren Stahltür zum Stehen, die Apoc für sie öffnete. Er führte sie nur noch weiter in die Eingeweide der Stadt, ein Labyrinth aus kaltfeuchten Tunneln, bis sie schließlich einen Wartungsschacht erreichten, einen vertikalen, metallenen Tunnel am Ende des Gangs, gerade breit genug für einen Menschen, um die gelb gestrichene Leiter hinaufzuklettern.
Apoc hielt davor inne und nickte seinen menschlichen Begleitern bedeutungsschwanger zu, bevor er eine Reihe von Gebärden ausführte, die Benjamin sogleich übersetzte.

“Oberhalb des Schachts ist schon der Hub”, erklärte er und sah dabei selbst kurz nach oben, wo sie nur das Metall im Beton verschwinden sahen. “Wir müssen vorsichtig sein. So wenig Lärm wie möglich. Aber wir müssen uns vor allem vor den Sensoren in Acht nehmen. Die Drohnen und Kameras reagieren in erster Linie auf menschliche Körperwärme. Am besten, wir halten uns einfach an Apoc.”
Chris Adam nickte knapp. “Alles klar.”

Apoc ging ihnen erneut voraus, er erklomm die Leiter in dem engen Schacht flink und beinahe lautlos, seine Bewegungen koordiniert und makellos wie die eines Androiden, der zu genau diesem Zweck geschaffen war.

Benjamin nickte Chris Adam zu, der daraufhin als nächstes folgte. Auch er versuchte möglichst keinen Lärm zu verursachen, nicht unnötig an die Leiter oder den Schacht zu stoßen.
Der enge Tunnel war klaustrophobisch. Bald fühlte es sich an, als würde das Geräusch des eigenen Atems in dem engen Schacht vibrieren, und selbst das Geräusch der menschlichen Hände auf dem Metall schien zu laut zu sein, ganz zu schweigen von dem Geräusch der Stiefel, wann immer sie eine weitere Sprosse erklommen.

Chris Adam und Benjamin hielten auf der Leiter inne, als Apoc das obere Ende des Schachts erreichte. Auch Apoc schien sich kurz umzusehen, bevor er sich in einer fließenden Bewegung vom Rand des Schachts nach oben drückte und in einer geduckten Haltung verharrte. Mit einem Wink bedeutete er Chris Adam, ihm zu folgen.
Chris Adam stieg am oberen Ende der Leitung angekommen ebenfalls aus dem Schacht und stellte fest, dass sie sich nun direkt im Inneren einer Wand oder in einer Art Lüftungsschacht befinden mussten. Die Luft war warm und stickig und roch nach Staub und Metall. Nur spärlich fiel kaltes Licht durch die Spalte in der Wand und ein Lüftungsgitter. Es war so dunkel, dass Apocs Maske praktisch ihre einzige Lichtquelle war.

Apoc wartete nicht lange. Kaum dass Benjamin aus dem Schacht gestiegen war, wandte er sich schon einer weiteren Leiter zu, die in schwindelerregende Höhen führte, unterbrochen nur von Plattformen, wann immer ein neues Stockwerk erreicht wurde.
Für Fragen war keine Zeit, und Apoc bedeutete ihnen, leise zu sein, bevor er rasch die Leiter erklomm. Chris Adam folgte ihm, doch schon beim dritten Stockwerk musste er ernsthaft innehalten und lehnte die Stirn kurz an die Sprosse vor sich, bevor er den Blick hob. Apoc war deutlich schneller und schien keine Erschöpfung zu kennen.

Kurz sah Chris Adam nach unten zu Benjamin, der mit etwas Abstand innegehalten hatte. Er nickte Chris Adam nur mit einem aufmunternden Lächeln zu, doch keiner von beiden sagte etwas.
Chris Adam atmete tief durch und stieg dann weiter in die Höhe, achtete darauf, weiterhin leise zu sein. Bis auf das gelegentliche Schnaufen der Lüftungsrohre und das unidentifizierbare Summen der Technik um sie herum war es gespenstisch still. Hin und wieder glaubte Chris Adam, das Surren einer Drohne wahrzunehmen, wenn sie hinter der Polymerwand um eine Ecke bog, und immer dann hielt er auch kurz inne.

Es war ein langer Aufstieg, und Chris Adam hätte nicht erwartet, dass ihn das Erklimmen einer Leiter so erschöpfen könnte. Als er schließlich auf dem Stockwerk ankam, in dem Apoc auf sie wartete, schmerzten seine Hände und fühlten sich verkrampft an.
Apoc hatte sich aufgerichtet, soweit es der beengte Raum zuließ, doch nun beugte er sich zu Chris Adam herunter. Im Schein seiner Maske konnte Chris Adam die Umrisse von Apocs Hand erkennen, die dieser ihm hinhielt.
Chris Adam zögerte nicht lange und ergriff sie. Er spürte warmes Kunstleder und zweifelsohne Finger unter den Handschuhen, und dennoch fühlte sich die Hand nicht menschlich an.

Apoc half ihm mit einem kleinen Ruck aus dem Schacht und hielt noch im selben Moment die andere Hand zwischen Chris Adam’ Kopf und die niedrige Decke des Schachts, damit er sich nicht stieß und damit möglicherweise das Metall zum Klingen brachte.
Gleich darauf bot er auch Benjamin seine Hand an, die dieser bereitwillig ergriff.

Einen Moment lang mussten beide Menschen wieder zu Atem kommen, und sie überließen es einmal mehr ihrem geheimnisvollen Begleiter, den weiteren Weg zu bereiten.
Im bläulichen Schein seiner Maske nahm Apoc einen Schraubenzieher aus der Tasche an seinem Gürtel und begann die Befestigung eines Polymergitters zu lösen, vorsichtig und leise. Schließlich streckte er die Hand aus und Benjamin nahm rasch die ersten beiden Schrauben entgegen und ließ sie in seiner Tasche verschwinden, und als dann Apoc nachdrücklich auf das Gitter deutete, war Benjamin rasch an seiner Seite, um das Gitter zu halten, damit es nicht auf den Boden fiel, sobald Apoc es ganz löste.

Chris Adam folgte seinem Beispiel rasch und hielt die andere Ecke fest. Apoc löste die letzten beiden Schrauben und vorsichtig stellten Benjamin und Chris Adam das Gitter zur Seite, ohne einen Laut zu verursachen, während Apoc sich ebenso lautlos wieder erhob und die verbliebenen Schrauben einsteckte, ebenso wie sein Werkzeug. Das Leuchten seiner Maske nahm dabei ab, wurde gedimmter, auch wenn es im Dunkel noch immer gut zu erkennen war.
Im nächsten Moment bedeutete Apoc ihnen, zu warten, während er selbst sich duckte und aus dem Schacht hinaus auf den Gang stieg.

Chris Adam und Benjamin verharrten und tauschten einen flüchtigen Blick miteinander, ehe sie sich bereit hielten. Gleich darauf streckte Apoc seine Hand in den Schacht und bedeutete ihnen, ihm zu folgen, und das taten sie.
Sie traten auf einen steril wirkenden, mit gedimmtem, rötlichen Licht erhellten Flur. Bis auf das stete Brummen der leblosen Maschinen herrschte Totenstille.
Apoc hob eine Hand und deutete zur nächsten Ecke, wo eine kugelförmige Kamera hing, die allem Anschein nach die nächste Kreuzung der Gänge überwachte.

Apoc bedeutete Chris Adam und Benjamin, einen Moment abzuwarten, bevor er zielstrebig auf die Kamera zu trat und dann die Hände hob, bevor er sie wieder absenkte, als würde er etwas Schweres nach unten drücken. Gleichzeitig senkte die Kamera ihren Sensor in Richtung des Bodens. Apoc neigte sie weiter, bis die Linse beinahe auf die Wand gerichtet war.
Dann bedeutete er Benjamin und Chris Adam, sich entlang der gegenüberliegenden Wand zu bewegen.

Einen Moment zögerten sie, doch dann nickten Chris Adam und Benjamin gleichzeitig und setzten sich in Bewegung. Nacheinander drängten sie sich an der Wand entlang, um auch ja nicht in den Radius des Sensors zu geraten.
Sie alle drei sahen sich dabei aufmerksam nach weiteren Überwachungsgeräten um, aber wie erwartet waren die Sicherheitssysteme auf dieser Ebene bereits deutlich rarer gesät, und das obwohl sie sich dem Herzstück des Hubs näherten.

Apoc ließ von der Kamera ab und schloss sich seinen menschlichen Kameraden wieder an. Sie erreichten ein mächtiges Tor aus glänzendem Edelstahl, dessen gezackte Flügel geradezu makellos ineinander griffen.
Apoc vollführte eine kurze Abfolge von Gesten, bevor er sich an der Konsole, die das Tor bediente, zu schaffen machte.

“Wir sind da”, sagte Benjamin unterdessen mit gesenkter Stimme und legte eine Hand an seine Waffe. “Und wir werden wohl nicht die ersten sein.” Er warf Chris Adam einen vielsagenden Blick zu und zog ihn dann mit sich ein wenig zur Seite.
Chris Adam folgte ihm in Deckung. Dieser Hacker war, wenn er es bis hierhin geschafft hatte, sicherlich nicht unbewaffnet hergekommen.

Als die Flügel des Tors sich mit einem leisen Zischen zur Seite schoben, erhaschten sie sogleich einen Blick auf eine menschliche Gestalt, die sich über ein Schaltpult in der Mitte des Raums beugte, und keinen Herzschlag später war bereits eine Waffe auf Apoc gerichtet, der keine Deckung gesucht hatte, sondern vielmehr geradezu in Schusslinie stand. Noch während Apoc ruhig die Hände hob, trat Benjamin hervor und tat dasselbe.

“Hey, schon gut”, sagte er dabei mit ruhiger Stimme.
Der Hacker, den sie offenbar gerade bei seiner Arbeit gestört hatten, ließ den Lauf der Handfeuerwaffe zu Benjamin und Chris Adam schweifen, doch sein Finger lag nicht auf dem Abzug.
“Ihr bleibt schön da, wo ihr seid”, warnte er sie mit ernstem Blick.
“Hey, wir sind Menschen wie du”, beschwichtigte Benjamin ihn.
“Das hat nichts zu heißen”, erwiderte der Unbekannte trocken, mit einem kleinen sarkastischen Lächeln auf den Lippen, doch er ließ langsam die Waffe sinken, bevor er mit einem Kopfnicken zu Apoc deutete. “Und was ist mit ihm?”
“Er gehört zu uns”, antwortete Benjamin entschieden, ohne sich näher zu bewegen.

“Ihr wart das mit der Nachricht, hm?”, fragte der Fremde nach einem kurzen Moment der Stille.
“Richtig. Und du bist wohl an den Sicherheitssystemen vorbeigekommen, wie es aussieht”, stellte Benjamin fest.
“Ja”, schnaubte der Unbekannte mit düsterer Belustigung in der Stimme und fuhr sich dann unruhig durch die Haare. “Und ihr habt ja keine Ahnung, wie wenig ich gerade Publikum gebrauchen kann.”

Apoc wandte sich um und brachte das Tor wieder dazu, sich zu schließen.
“Kann ich mir vorstellen”, räumte Benjamin diplomatisch ein. “Aber wir wollten sichergehen, dass sie dich nicht erwischen. Man hackt nicht mal eben einen Drohnen-Hub, nehme ich an.”
Der Fremde neigte kurz den Kopf. “Ich schätze nicht”, gab er zu.
Benjamin sah kurz zu seinen Mitstreitern. “Das sind Apoc und Chris Adam. Ich bin Benjamin.”
Der Hacker nickte kurz. “Per. Können wir das Kennenlernen noch ein bisschen aufschieben?”
Benjamin nickte zustimmend. “Klar”, sagte er schlicht.

Per musterte sie noch kurz sichtlich misstrauisch, doch dann steckte er die Waffe langsam weg. “Wie seid ihr hier hochgekommen?", wollte er dann wissen, während er sich wieder der Konsole widmete.
“Die Lüftungs- und Wartungsschächte”, antwortete Benjamin.
“Clever.”
“Du?”
“Hab eine Transportdrohne gehackt. Hat mich bis zum Lager gebracht. Und von dort aus auch die Lüftungsschächte.”
Benjamin verschränkte die Arme vor dem Oberkörper, und sie blieben still, wie Per sie gebeten hatte.

Apoc schien sich im Kontrollraum umzuschauen, insbesondere nach weiteren Sicherheitsvorkehrungen.
Chris Adam entdeckte auch weitere Kameras, doch da Apoc nicht besorgt schien, nahm Chris Adam an, dass Per sich darum bereits gekümmert hatte.
“Wenn alles läuft, wie ich es mir gedacht habe, dann kann ich die Kommunikation innerhalb des Hubs stören und dann einen Systemkollaps herbeiführen. Ähm … Keine Sorge, das bringt uns nicht so sehr in Gefahr wie es sich anhört.”

Chris Adam sah zu Per hinüber und erinnerte sich an Apocs Theorie. “Weil das System aufgrund der gestörten Kommunikation keine Fremdeinwirkung wahrnehmen wird”, kombinierte er.
Per sah kurz auf und lächelte dann ein wenig schief. “Ja, genau. Verdammt, und ich kam mir schon schlau vor.”
“War nicht meine Idee”, gab Chris Adam sogleich zu und nickte zu Apoc hin, der noch immer im Raum umherstreifte wie ein Raubtier auf der Pirsch. “Apoc meinte, das wäre der sicherste Weg, etwas zu bewegen. Die Systeme abzulenken.”

Per sah auf und beobachtete Apoc ebenfalls einen Moment lang, merklich skeptisch, bis Apoc den Blick zu bemerken schien und innehielt, den Blick ruhig erwiderte und fragend den Kopf neigte.
“Bist du der Typ, nach dem S4Y fahndet?”, wollte Per dann wissen, woraufhin Apoc zustimmend nickte und die Finger vor seinem Körper zusammenführte, ohne sich weiter zu regen.

Per seufzte leise und schüttelte leicht den Kopf. “Also gut”, meinte er dann und sah wieder auf das Steuerungspult und die Bildschirme. “Ich hab sämtliche Überwachungskameras und Sensoren überladen. Das Gebäude ist jetzt blind. Und …” Er drückte eine letzte Schaltfläche und wich dann zurück. “Jetzt sind auch alle Signale gestört.”
Benjamin hob kurz den Blick und lauschte, aber da war nichts zu hören. “Huh”, machte er dann. “Das hätte ich mir spektakulärer vorgestellt.”
“Spektakulär wird es, wenn es schiefgeht”, erwiderte Per belustigt.

“Warte”, schaltete Chris Adam sich ein und hob eine Hand. “Alle Signale?”
Er sah zu Apoc, durch dessen Maske ein unruhiges weißes Flackern ging, bevor er den Kopf schüttelte und sich wieder fing. Er deutete kurz auf sich und zeigte dann kurz seine Rückhand.
“Es geht ihm gut”, übersetzte Benjamin rasch, während Apoc fortfuhr. “Aber er kann die Tür nicht mehr öffnen. Wir brauchen einen anderen Ausweg”, ergänzte Benjamin.

Per deutete knapp hinter sich zur Fensterfront. “Die Feuertreppe. Auch wenn ich mich lieber nicht so sehr auf dem Silbertablett präsentieren würde.” Seiner Worte zum Trotz wandte er sich um und öffnete die gläserne Tür, die auf die Stahltreppe führte, die entlang des Gebäudes hinab führte. “Also dann”, murmelte Per und sah sich noch kurz um, bevor er bereits den Abstieg begann, die anderen ihm dicht auf den Fersen.
“Es sollte ja niemand überhaupt bemerken, dass wir hier waren”, meinte Benjamin währenddessen. “Haltet einfach die Augen nach Patrouillen offen.”

Sie brachten auf der Feuertreppe zwei Stockwerke hinter sich, bevor Per die Arme ausstreckte, um sie zu stoppen. Dann deutete er nach unten in die Tiefe, wo große bewaffnete Drohnen über den wie leer gefegten Straßen ihre Bahnen zogen. Es waren sicherlich noch weitere hundert Meter zwischen ihnen und den Drohnen, aber es war sicher besser, kein Risiko einzugehen.
Dank der deaktivierten Sicherheitssysteme konnten sie das Gebäude über die nächste Feuerschutztür wieder betreten, und sie fanden sich auf einem weiteren in gedimmtes rötliches Licht getauchten Gang wieder.

“Wie lange wird es dauern, bis die Störung auffällt?”, fragte Chris Adam mit gesenkter Stimme, obwohl eigentlich nichts und niemand hier sein sollte, der ihn hören konnte.
“Mit etwas Glück sogar ein paar Stunden”, antwortete Per, während er zielstrebig vorausging. Die Gänge sahen alle identisch aus. “Wenn die nächste Patrouille zur Wartung zurückkehrt oder eine neue Lieferung eingeht. Aber eigentlich wollte ich in der Zeit schon den nächsten Hub lahmlegen.”

“Klingt als hättest du einen Plan”, kombinierte Benjamin.
Per warf ihm einen beinahe entrüsteten Blick zu. “Was dachtet ihr denn? Ich bin nicht hier, um das Biest nur zu pieksen.”
“Gut!”, erwiderte Benjamin belustigt.

Per seufzte kurz auf. “Die Hubs aller Sektoren versorgen sich gegenseitig mit Informationen und beziehen auch Reparaturdrohnen voneinander. Ihr wisst schon, Sektor 1 versorgt Sektor 2, Sektor 2 versorgt Sektor 3 … Der Gedanke war, wenn ich alle nacheinander überlade, kann schon der zweite Hub nicht wiederhergestellt werden und es gelangen auch keine Informationen über die Störungen an das System. Keine Hubs bedeuten keine Reparaturen, keine Reparaturen bedeuten keinen Algorithmus, und keine Algorithmen bedeuten weniger Drohnen auf den Straßen.” Per blieb einen Moment stehen und sah dann auf ein Gerät, das er am Handgelenk trug, und das man im ersten Moment für eine Uhr hätte halten können, doch stattdessen war darauf eine kleine Karte zu erkennen, ganz ähnlich wie die, auf die Apoc Zugriff hatte.

Apoc hob die Hände und seine Gesten ließen Per wieder aufsehen.
“Er sagt, damit dein Plan aufgeht, muss man sehr schnell sein”, übersetzte Benjamin an Per gewandt.
Per neigte kurz den Kopf. “Ich bin schnell”, erwiderte er und bedeutete ihnen dann, ihm zu folgen. Er führte sie an einen der Wartungsschächte heran. “Hier, der führt direkt bis in den Untergrund. Dort sind wir für die Sensoren praktisch unsichtbar”, erklärte Per.
Benjamin gab einen belustigen Laut von sich. “Perfekt. Genau da wollen wir hin.”
“Na dann.” Per öffnete die Tür, hinter der die Leiter lag, und stieg dann ohne Zögern auf die Sprossen, um zügig nach unten zu klettern.
Mit einem kleinen aufmunternden Schmunzeln ließ Benjamin Chris Adam den Vortritt, der diesen Blick wiederum gequält erwiderte, doch dann kletterte er rasch Per hinterher.

Dieser Tunnel gehörte nicht zu den Lüftungssystemen, war aber genauso eng und dunkel. Die Leiter war rostig unter ihren Fingern und die Luft roch nach feuchtem Eisen.
Der Abstieg war nicht ganz so anstrengend wie der Aufstieg, aber trotzdem war Chris Adam froh, als sie wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Einer nach dem anderen traten sie zur Seite, als sie das Ende der Leiter erreichten und sich diesmal in einem dunklen, nasskalten Tunnel wiederfanden.

Per atmete tief durch und nickte dann, während er die Hände an seine Seiten legte. “Okay. Also, wie gesagt, ich muss mich beeilen.”
Apoc trat vor und hob eine Hand, um ihn zum Warten anzuhalten. Dann fuhr er mit komplexeren Gesten fort, die im Schein seiner Maske nur zu erahnen waren.
“Er sagt, es ist riskant”, erklärte Benjamin, während er Apocs Gesten mit seinem Blick verfolgte.
Chris Adam sah von Apoc zu Per, dem man deutlich die Irritation ansah, aber er schien abzuwarten, was Apoc zu sagen hatte.
“Wir alle haben S4Y schon auf uns aufmerksam gemacht”, fuhr Benjamin mit der Übersetzung fort. “Wir haben jeder getan, was wir für richtig gehalten haben, aber wir waren unvorsichtig.” Er neigte leicht den Kopf. “Da hat er nicht Unrecht”, warf er selbst ein, bevor er wieder auf Apocs Hände achtete. “Er meint, wir sollten erstmal untertauchen und unser weiteres Vorgehen planen.”

Per runzelte die Stirn. “Ich hab doch diesen Hub nicht umsonst lahmgelegt.”
“Aber es ist vielleicht wirklich zu gefährlich”, warf Chris Adam ein. Er verschränkte locker die Arme vor dem Oberkörper. “Ganz sicher sogar. Und wenn wir S4Y erst richtig verärgert haben, werden sie es uns nicht einfacher machen, dagegen vorzugehen.”
Sowohl Benjamin als auch Apoc nickten zustimmend. “Richtig. Wir sollten uns sammeln, und überlegen, wie wir weiter vorgehen”, pflichtete Benjamin Chris Adam bei.
Per seufzte leise und fuhr sich dann über die Haare. “Also schön”, sagte er und sah dann wieder auf. “Ich gehe davon aus, ihr habt eine Basis oder so?”
Benjamin schmunzelte ein wenig. “So etwas Ähnliches. Aber sie liegt unterirdisch und wir haben ein paar Vorräte.”
Per schnaubte belustigt. “Also gut. Dann, nach euch.” Er wies sie mit einer Hand an, vorauszugehen, und diesmal übernahm Apoc wieder die Führung.

Er schien ganz genau zu wissen, wohin der dunkle Tunnel führte. Das Licht seiner Maske reflektierte sich gespenstisch blau an den feuchten Steinwänden.
Die anderen folgten ihm auf dem Fuß, um ihn nicht zu verlieren. Sie schwiegen dabei. Obwohl sie keinen Alarm ausgelöst hatten und ihnen keine Drohnen oder Androiden auf den Fersen waren, saß ihnen der Einbruch in den Hub und der darauffolgende Rückzug ganz schön in den Knochen.
Apoc fand einen weiteren Durchgang, der zurück in die bekannteren Gänge aus Beton führte, von deren Decken weiße Leuchtstoffröhren ihr hohles kaltes Licht an die grauen Wände warfen.

“Gleich sind wir da”, ließ Benjamin sie wissen und klang deutlich erleichtert.
Chris Adam war froh, dass er das so eindeutig sagen konnte. Für ihn sahen all diese Tunnel vollkommen gleich aus, und es gab keine Anhaltspunkte, wo sie sich überhaupt befanden.
“Habt ihr keine Karte?”, erkundigte sich Per passenderweise.
Benjamin deutete kurz nach vorne. “Apoc hat eine. Aber er findet sich auch so zurecht.”

Apoc streckte vor ihnen eine Hand aus, bevor er um eine weitere Ecke bog, und diesmal kam Chris Adam der Tunnel vage bekannt vor. Als Apoc ihnen endlich die Tür zu der kleinen Basis öffnete, die ihnen Zuflucht versprach, entwich Benjamin und Chris Adam gleichzeitig ein erleichtertes Seufzen.
“Wir sind noch nicht lange hier”, erklärte Benjamin, als sie eintraten, und er schob mit dem Fuß einen Karton etwas mehr in Richtung der Kochnische, damit sie nicht darüber stolperten. Er räusperte sich kurz mit einem verschmitzten Grinsen auf den Lippen. “Deshalb sieht es hier aus, wie es aussieht.”

“Ehrlich gesagt, ein sicherer Ort ist schon die halbe Miete”, sagte Per ehrlich und sah sich kurz um. Viel gab es ja nicht zu sehen. Der Raum war beengt, vor allem für vier Personen, aber er hatte Recht. Wenn sie sich zur Zielscheibe für S4Y machten, war ein Versteck tief unter der Erde, umgeben von dicken Betonwänden, Gold wert.
“Zugegeben, die Versorgungstunnel sind nicht weit von hier”, räumte Benjamin ein, während er sich von der schusssicheren Weste befreite.
Chris Adam tat es ihm gleich, und auch Per begann nach kurzem Zögern, seine Ausrüstung abzulegen.

“Na ja, solange wir nicht eine Horde Androiden direkt hierher locken, werden sie es nicht merken, dass wir direkt an ihrer Hauptstraße leben”, meinte Per trocken und folgte Benjamin und Chris Adam zum Sofa, auf das sie sich nacheinander sinken ließen.
Apoc hatte die Tür hinter ihnen verschlossen und schritt nun langsam durch den Raum, während er scheinbar nachdenklich die Hände aneinander rieb.

“Das ist das Schöne an künstlicher Intelligenz”, fuhr Per fort, ohne Apoc aus den Augen zu lassen. Er wandte nur kurz den Kopf zu Benjamin und Chris Adam. “Sie ‘denkt’ nicht über ihren eigenen Zweck und ihren Algorithmus hinaus.”
Apoc kam vor ihnen zum Stehen, während Benjamin zu Per hinüber sah. “Kennst du dich mit künstlicher Intelligenz aus?”, wollte er wissen.
“Mit Algorithmen und Codes”, antwortete Per und nickte zustimmend. “Ihr nicht?”
“Überhaupt nicht”, gab Benjamin belustigt zurück.
“Kaum”, schloss Chris Adam sich an.
Per schnaubte belustigt. “Oh Mann”, murmelte er. “Und wie seid ihr auf die Idee gekommen, mal eben in einen Drohnen-Hub einzubrechen?”
“Wie gesagt. Apoc hatte dich schon aufgespürt, und wir wollten Kontakt mit dir aufnehmen.” Benjamin neigte kurz den Kopf. “Und weil wir noch jemanden gebrauchen könnten, der sich damit auskennt”, fügte er belustigt hinzu.

Per hob nur kurz die Augenbrauen. “Okay, klar”, sagte er ein wenig sarkastisch. “Eigentlich arbeite ich eher alleine, aber was soll schon schiefgehen?”
Benjamin erlaubte sich ein kleines Lachen. “Es ist verrückt, ich weiß. Und wir haben keine Qualifikationen. Aber niemand sonst scheint zu begreifen, dass etwas nicht stimmt.”
Per schnaufte leise. “Wem sagst du das. Die Überwachungskameras waren schlimm genug. Aber die Chips? Keine Chance. Das ist krank”, sagte er entschieden.
Chris Adam nickte langsam.
“Und niemand nimmt das ernst”, fuhr Per fort. “Ich weiß wirklich nicht, wie man so … blind sein kann.”

Benjamin neigte nachdenklich den Kopf und suchte Pers Blick. “Vielleicht können sie gar nichts dafür”, begann er dann vorsichtig. “Wir …” Er hielt kurz inne und sah erst zu Apoc, dann zu Chris Adam. “Wir gehen davon aus, dass wir in einer Simulation leben.”
Per stockte etwas und hob dann leicht eine Augenbraue. “Wirklich?”, fragte er dann skeptisch.

In diesem Moment kam wieder Leben in Apoc, der sie die ganze Zeit über nur beobachtet hatte und dessen Anwesenheit sie fast vergessen hatten. Er nahm sein Tablet hervor und begann zu tippen.
Benjamin neigte unterdessen erneut den Kopf und hob dabei die Schultern, während er die Ellenbogen auf seinen Knien abstützte. “Es ist nur so ein Gefühl. Für mich zumindest. Als hätte es da ein Leben vor Arcadia gegeben.”
“Und als ob diese Welt … nicht echt wäre”, hakte Chris Adam ein. “Unvollständig. Ich schätze, du hast Arcadia auch noch nie verlassen. Oder etwas von außerhalb gesehen.” Er suchte Pers Blick.

Dieser rieb sich nachdenklich über den Haaransatz und runzelte die Stirn. “Aber- Es gibt doch-” Er hielt inne und sah dann nachdenklich auf. “Huh”, machte er dann verwundert, als auch er zu bemerken schien, dass er keine echten Erinnerungen an die Welt außerhalb von Arcadia, oder vielleicht auch an sein eigenes bisheriges Leben hatte.

Apoc drehte ihnen das Tablet zu. Die Buchstaben darauf waren gut leserlich, und er schob den Text auf dem Display langsam nach oben, sodass insbesondere Per alles lesen konnte, was er geschrieben hatte. [Arcadia ist eine virtuelle Welt, geschaffen um die Menschen zu kontrollieren, die sie betreten. Unser Feind ist Ghostis, ihr Schöpfer. Eine künstliche Intelligenz, die danach strebt, ihr eigenes Reich zu schaffen. Im Augenblick glauben die Menschen von Arcadia noch, frei zu sein, doch Ghostis wird nicht ruhen, bis er sie vollkommen kontrolliert.]

Chris Adam nickte und lehnte sich langsam etwas nach vorne. “Dafür die Sirene, die Chips”, kombinierte er und rieb nachdenklich die Hände aneinander. “Weißt du, was sie damit gemacht hätten?”
Apoc hielt kurz inne und hob dann eine Hand, um damit flüchtig einige Gesten zu formen.

Benjamin sah zu ihnen hinüber. “Er meint, es ist möglich, dass sie damit die Menschen kontrollieren. Die Medien sind ja schon lange manipulativ und die Chips würden vermutlich direkten Einfluss auf die Gedanken nehmen.”
“Was für eine Scheiße”, murmelte Per leise und lehnte sich zurück, während er die Arme vor dem Oberkörper verschränkte. “Aber wenn sowieso alles nicht real ist, warum ist diese Welt dann so … dystopisch? Wäre es nicht besser, eine perfekte Welt zu erschaffen?”

Apoc neigte kurz abwägend den Kopf hin und her und machte eine vage Handbewegung, bevor er den Text auf dem Tablet weiter nach oben schob. [Diese Welt basiert auf der, die ihr gewohnt seid. Ghostis braucht die Menschen in dieser Welt. Sie arbeiten für ihn, sie sind Ingenieure, Programmierer, Entwickler.]
Per atmete langsam aus. “Er lässt uns unser eigenes Gefängnis bauen.”
Apoc hob die Hand und deutete zustimmend in Pers Richtung.
“Scheiße. Ich hab nicht gedacht, dass es einfach wird, S4Y zu stürzen”, meinte Per ehrlich. “Aber wie schlägt man eine KI in ihrer eigenen Arena?”, fragte er und sah zu Benjamin und Chris Adam.

Apoc drehte das Tablet wieder zu sich und verfasste eine weitere Nachricht.
“Na ja, es muss ja einen Schwachpunkt geben”, meinte Chris Adam leise und sah zu Benjamin hinüber.
“Immerhin wissen wir, wer wir sind”, sagte dieser, aber er klang nur bedingt überzeugt.
“Wir haben diesen Hub beschädigt, es muss auch noch andere kritische Infrastruktur geben”, fuhr Chris Adam fort.
“Die Infrastruktur einer virtuellen Stadt ist etwas ganz anderes als das zugrundeliegende Programm”, gab Per zu bedenken. “Im Augenblick sind wir nur Teilnehmer in einem Videospiel. Aber ja, da wir schon einmal ein Teil dieser Welt sind, können wir vielleicht auch auf das System zugreifen. Aber ich bezweifle, dass das einfach wird.”

Apoc nickte zustimmend und drehte ihnen das Tablet wieder zu. [Es ist möglich. Doch alleine kann ich Ghostis nicht überlisten.] Er schob mit zwei Fingern den Text weiter nach oben. [Werdet ihr mir helfen?]
Benjamin warf Chris Adam und Per einen Blick zu. Chris Adam schien zu zögern und Per noch immer skeptisch.

“Was passiert, wenn wir sterben?”, fragte Per schließlich aufmerksam an Apoc gewandt.

Für einen Augenblick wurde es still zwischen ihnen. Diese Möglichkeit hatten sie noch gar nicht in Erwägung gezogen, aber ebenso wenig die Möglichkeiten, die eine virtuelle Welt mit sich brachte.

Schließlich neigte Apoc kurz den Kopf und nahm das Tablet wieder an sich, um eine Antwort zu verfassen.

Chris Adam sah kurz zwischen Benjamin und Per hin und her. “Im Grunde ist Arcadia doch nur ein Spiel”, wandte er ein. “Oder nicht?”

Benjamin hob kurz die Schultern, doch bevor er etwas erwidern konnte, drehte Apoc ihnen das Tablet bereits wieder zu.

[Das kann ich nicht beantworten], stand darauf. [Es gibt nach meiner Auffassung jedoch vier Möglichkeiten für den Fall, dass ihr tödlich verwundet werdet.] Apoc wartete einen Moment, dann wischte er den Text nach oben. [Möglichkeit Nr. 1: Es ist nicht möglich, zu sterben. Ihr seid lediglich darauf programmiert, potentiell tödliche Verletzungen zu vermeiden und den Tod zu fürchten. Möglichkeit Nr. 2: Im Falle eures “Todes” beginnt ihr das Spiel von vorn und das Programm setzt eure Erinnerung zurück.]
Diesmal tauschten Per und Chris Adam einen kurzen Blick, doch sie sagten nichts.
Apoc enthüllte die nächste Textzeile. [Möglichkeit Nr. 3: Euer Tod beendet das Spiel und ihr erwacht in der echten Welt.]

Benjamin schmunzelte ein wenig. “Das wäre doch zu einfach”, kommentierte er.
Apoc ließ sichtlich die Schultern zusammen mit einer seiner Hände fallen, und der tadelnde Blick war auch ohne Mimik unmissverständlich.
“Ja, schon klar, es gibt noch alle anderen Menschen, die hier gefangen sind”, räumte Benjamin ein. “Trotzdem, mal angenommen, wir würden sterben, wäre die Fallhöhe nicht so groß.”
“In keinem der Fälle, ehrlich gesagt”, fügte Per hinzu.
“Uns fehlt noch Möglichkeit Nummer Vier”, gab Chris Adam zu bedenken und sah zu Apoc, während er sich mit den Händen flüchtig übers Gesicht fuhr. “Ich glaube, Möglichkeit Vier wird uns nicht gefallen.”

Apoc hob die Hand wieder und scrollte zum nächsten Punkt. [Möglichkeit Nr. 4: Euer Tod ist endgültig. Die Hardware, die euch in Arcadia hält, tötet euch auch in der realen Welt.]

Chris Adam senkte den Kopf etwas und nahm einen tiefen Atemzug.
Per schüttelte den Kopf und hob kurz eine Hand. “Wie sollte das gehen? Warum sollten sie das tun?”
Benjamin neigte kurz den Kopf und legte die Hände aneinander. “Damit niemand entkommen und die anderen befreien kann”, antwortete er und sah zu Chris Adam und Per hinüber. “Irgendwie hält uns diese Technik schließlich auch hier, ohne dass wir noch Kontrolle über unsere echten Körper haben.”

Per schien zu überlegen und rieb sich schließlich ebenfalls kurz über das Gesicht. “Da ist was dran”, gab er dann zu.
Chris Adam sah von einem zum anderen. “Ich schätze, wir sollten vom Schlimmsten ausgehen.”

Apoc hatte ruhig abgewartet, doch nun, da er die beunruhigten Reaktionen der Menschen sah, verfasste er eine neue Nachricht. [Die Antwort darauf befindet sich im Code von Arcadia, auf den wir ohnehin Zugriff benötigen.]

“Oh, also können wir sterben bei dem Versuch herauszufinden, ob wir sterben können?”, fragte Per sarkastisch.
Apoc ließ das Tablet sinken, deutete vage in Pers Richtung und nickte dabei zustimmend.
Per ließ seinen Kopf wieder gegen die Sofalehne fallen. “Traumhaft.”

Notes:

Wie schon in der englischen Fassung geschrieben, das war's! Fürs Erste.
Ich habe Ideen und Gedanken und Konzepte, die ich supergern umsetzen würde. Die Lore gibt das eindeutig her, nur leider prokrastiniere ich auch viel. Ich schau mal, was wird, und vielleicht geht's auf irgendeine Weise noch weiter :)

Lieben Dank fürs Lesen auf jeden Fall, ich hoffe es hat dir gefallen! ^-^