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Neither dead nor alive

Summary:

Rhun wurde schon seit Jahren von einen Dämon geplagt. Immer wieder spürt er, wie diese Stimme in seinem Kopf die Kontrolle übernehmen wird.
Diesmal war es aber anders. Diesmal spürte Rhun, dass etwas ganz anderes vor sich geht und es nicht nur ein Kampf darum sein wird seine Brüder vor dem Chaos zu beschützen. Vielleicht kommen noch anderes Dinge ans (wortwörtliche) Licht.

Chapter Text

Die Mauern des Klosters waren zu eng. Das habe ich schon immer gedacht. Es gab nicht viele Orte, die mich verbergen konnten. Nicht genug Verstecke, die mich, wenn auch nur für flüchtige Momente, von meinen Brüdern abschirmten.
Es war zu ihrer Sicherheit.

Damit sie nicht das Monster sahen, dass ich schon so lange war. Selbst wenn die Nonnen uns einredeten, dass wir von Dämonen verflucht wurden, kannten sie nicht das wahre Ausmaß meines Fluches. Zumindest versuchte ihn, so gut wie möglich zu verbergen.

Ich versuchte das Zucken zu vermeiden, wenn er mit mir sprach, seine Kommentare zu ignorieren und seine dunklen Vorstellungen aus meinen Kopf zu verbannen, dass er nicht die Kontrolle übernehmen konnte.

Aber es war schmerzhaft. Mein Schädel zerbrach, sobald er etwas wollte. Alles in mir brannte, wenn er die Kontrolle übernehmen wollte. Und genau in diesen Momenten wollte ich nicht bei meinen Brüdern sein. Falls ich es nicht mehr kontrollieren kann, falls seine Gedanken zu meinen werden und ich-

Nein! Das wird nicht passieren! Ich bin Rhun, mir gehört mein Körper. Mir gehören meine Gedanken. Die Stimme kann mich nicht kontrollieren.

„So wie du, bin ich auch Rhun! Wir waren eins!“

‚Du lügst!‘, schrie ich ihn in meinen Kopf an.
Ich bekam aber keine Antwort. Aber ich wusste, dass er mich hört. Meist ignorierte er mich, doch manchmal versuchte seine Stimme meine Gedanken zu übernehmen. Er umhüllte sie, während ich versuchte, mich dagegen zu wehren.

Dabei stritten wir miteinander. Es war ein grotesker Gedanke, dass ich einfach so mit ihm reden konnte.

Am Anfang war es nicht mal eine richtige Stimme. Es waren einfach nur Ideen, die immer weiter reichten. Sie wurden immer gewaltvoller und blutiger. Bis mir schwarz vor Augen wurde und zu einem Bild aufwachte, welches zu erschreckend identisch zu diesen dunklen Gedanken war. Aus Bildern wurden Geräusche, und dadurch auch eine Stimme. Manchmal schwieg sie, sodass ich fast vergessen könnte, dass sie existiert.

Aber eben nur fast.

Die Kälte, die sich immer mehr ausbreitete, lag wie eine kalte Hand auf meiner Schulter. Auf meiner linken Seite, fast dort wo mein Herz saß, war keine bleiche Haut mehr zu sehen. Eher ein schwarzes Nichts aus dem meine Knochen hervorragten. An den Übergängen zu meinen lebendigen Körper verblasste das Fleisch in ein gespenstisches Grau.
Es zog sich von meinem linken Brustkorb, über die Schulter und von dort aus den Rücken hinunter. Es war ein schleichender Wandel, dem ich nichts entgegenzusetzen hatte.

Bisher konnte ich anderen diesen Anblick ersparen und es vor allen, selbst den Nonnen, ein Geheimnis zu halten. Ich versuchte nur in Abwesenheit meiner Brüder, meine Kleidung zu wechseln. Und unter dem Stoff konnte man sich dann einfach nur vorstellen, dass ich einfach nur abgemagert sei. Was auch keine wirkliche Täuschung war.

Der Appetit war mir vergangen. Schon seit langer Zeit. Es war nicht, weil ich die Mahlzeiten nicht wertschätzte. Aber ich hatte einfach nicht die Versuchung zu essen oder das Verlangen dazu, auch wenn ich stets hungerte, brachte mich nichts dazu satt zu werden.

Manchmal war das aber nicht der schlechteste Effekt. Wenn einer von uns etwas gegen den Willen der Nonnen tat oder Unfug stiftete, wurde das meist damit bestraft, dass man von den Mahlzeiten ausgeschlossen wurde. Auf mich hatte es dementsprechend keinen so starken Effekt.
Aber andere Bestrafungen, beziehungsweise unsere Experimente…

Mit jedem Mal wurde es schlimmer. Nicht nur die Länge und Intensität der Schmerzen an sich, sondern die Qualen danach.

Anstatt dass ich mich ruhen konnte, belästigte die Stimme mich weiter. Sie wurde lauter und stärker. Wenn sie nicht schon vorher die Kontrolle hatte, dann nahm sie sich meinen Körper. Zwar hatte ich keine Erinnerungen, was die Nonnen mir angetan haben und musste nicht die Folter miterleben. Aber genau das gab der Stimme den Stoff, womit sie mich durch Albträume plagen konnte.

Diese Nacht war nicht anders. Jedoch war es schlimmer.

Ich wusste nicht, wie lange ich im Kerker war und von den Nonnen genauestens untersucht wurde. Es war aber lang und schmerzhaft. Das war mir klar, nachdem ich schweißgebadet mitten in der Nacht aus dem Schlaf hochfuhr.

So gut es ging versuchte ich meinen Atem wieder zu beruhigen, damit keiner meiner Brüder darauf aufmerksam werden. Zeke hatte einen zu leichten Schlaf, falls er es überhaupt schaffte wegzudösen. Und bei Eos besteht auch die Möglichkeit, dass er noch wach war- obwohl nein. Heute war Neumond. Einer der wenigen Nächte wo er durchschläft.
Ich hörte keine Regung im Zimmer, bis auf mein Atem und Klaus’ Schnarchen. Das war ein gutes Zeichen.

Selbst nachdem ich aber wird er ruhig zu Atem kam, wurden meine Kopfschmerzen nicht besser. Was war, als ob jemand Nägel in meine Schläfe hämmerte. Wie Gift zog sich der Schmerz über den Kopf zum Nacken runter in die Schultern und Rücken.

Fast unbemerkt in der Lähmung meines Körpers zuckten meine Muskeln. Zuerst nur die Fingerspitzen, die sich in der Kälte des Raumes einfach nur taub anfühlten. Danach kroch es hoch bis zur Elle, wodurch jede Bewegung meiner Arme nur träge oder schmerzhaft wurde.

Dazu kam noch das stechende Kribbeln in meinen Füßen und Waden, wodurch ich dort völlig mein Gefühl verlor. Immer weiter kroch die Taubheit durch meinen Körper, bis sogar mein Brustkorn bei jedem Atemzug schwerer wurde. Ich atmete zwar regelmäßig weiter, aber es war nicht ich.

Es tat weh. Alles tat weh. Jede Bewegung, jeder Gedanke daran, dass das hier einfach nur falsch war.

Durch die Trägheit meiner Nerven und Gedanken fiel mir erst auf, was genau hier falsch lief. Weil es sonst immer anders war.

Die Stimme- Nein er ergriff die Kontrolle. Wie ein seidiges Tuch legte sich sein Fluch über mich. Erstickte mich im wohligen Sein der Schmerzlosigkeit.

Sonst nahm er es sich mit Gewalt. Mit Schlägen, die mich innerhalb von Sekunden taumeln und Schmerzen, die schwarze Punkte vor meinen Augen tanzen ließen. Jetzt war es wie ein sanfter Gesang, der mich mit stillen Wogen über einen See trug, wo das Wasser keinen Boden hatte und die schwarzen Ströme einen runterzogen.

Ich muss hier raus.

Es war zu spät, ihn aus meinen Verstand zu drängen und seinem Wesen die Kontrolle über meinen Körper zu entreißen.

Mindestens aus dem Zimmer weg, möglichst weit weg von meinen Brüdern. Niemals durften sie ihn sehen. Und niemals wollte ich, dass er ihnen etwas antut. Davor würde ich eher das Gewicht der Welt auf meinen Schultern trage und jede Qual in Kauf nehmen, wenn es bedeutet meine Brüder zu beschützen.

Ich schlief heute zum Glück am Bettrad, wodurch mir das Aufstehen deutlich erleichtert wurde, zudem war auch die Wahrscheinlichkeit geringer, meine Brüder zu wecken.

Dadurch aber, dass ich nur noch die Hälfte meines Körpers spüren konnte und der Rest wie gelähmt war, stellte sich das Aufstehen schwieriger heraus als angenommen.

Kaum stand ich auf meinen Füßen musste ich mich gegen die Wand lehnen. Das Pochen in meinem Kopf wurde stärker und alles drehte sich. Ich konnte nicht einmal den Boden spüren, um einen Anker zu haben.

Aber ich musste weiter, viel weiter kommen.
Meine Hand, welche auch jeglichen Sinn verloren hat, glitt über die Wand, als ich weiter Richtung Tür stolperte.

Mein Kopf war ein einziger Sturm, den man versucht mit starken Schmerzmittel zu legen, nur damit es Teil des Giftes wurde. Ich wollte nur meine Augen schließen und mich legen, damit es vorbei ist. Aber das kann ich nicht. Ich muss hier weg, ich muss hi-

„Rhun…was machst du…?“