Chapter Text
Nachbeben
I know what's best for me
But I want you instead
Three days Grace - Over And Over
Patrick ließ die schwere Holztüre hinter sich ins Schloss fallen, trat zu dir unter das schmale Vordach der Kirche und zündete sich eine Zigarette an.
Er musterte dich einen Moment lang mit zur Seite geneigtem Kopf und bedachte dich dabei mit einem Unheil verkündenem Funkeln in den graugrünen Augen, ehe sich seine Lippen zu seinem üblichen Wolfsgrinsen verzogen. "Alles in Ordnung bei dir, Herzchen? Du siehst ein wenig mitgenommen aus."
Du nicktest lediglich stumm und glättetest pikiert dein Kleid.
Du sahst in der Tat ein wenig lädiert aus und die Vorstellung, dass er dafür verantwortlich war, gefiel ihm sehr.
Patrick Hockstetter dachte an all die schrecklichen und zugleich wunderbaren Dinge, die ihm bei deinem Anblick in den Sinn kamen und nicht mehr aus dem Kopf gingen.
Er sah dich vor seinem innerem Auge, wie du splitterfasernackt und mit auf dem Rücken gefesselten Armen vor ihm lagst, während er dich in jeder nur erdenklichen Stellung und Position fickte.
Du würdest ihn anflehen und darum betteln, dich endlich kommen zu lassen. Und du würdest schreien - sowohl vor Lust als auch vor Schmerz - und er würde nicht aufhören. Er würde immer und immer weitermachen, solange bis dir Hören und Sehen verging.
Patrick rief sich das Bild seiner Hände um deinen Hals in Erinnerung. Ein Anflug von Erregung überkam ihn, als er an die Angst und die Panik in deinem Gesicht und in deinen Augen dachte, als sich seine Hände um deinen hübschen Schwanenhals geschlossen hatten.
Zugleich dachte er an die Wärme deines Körpers und das damit verbundene Gefühl der Geborgenheit zurück, an das Rauschen deines Pulses und das stetige Geräusch des Schlagen deines Herzens.
Für den Bruchteil einer Sekunde fragte er sich, was wohl geschehen wäre wenn er nicht losgelassen hätte. Er versuchte sich vorzustellen, wie es wohl wäre wenn das Geräusch deines Herzschlags für immer verstummen und das Licht in deinen Augen auf ewig erlöschen würde. Er dachte darüber nach, wie es sich anfühlen würde, wenn dein Körper kalt und leblos genau hier neben ihm liegen würde und musste sich wohl oder übel eingestehen, dass ihm diese Vorstellung nicht besonders gefiel.
Patrick mochte die angenehme Wärme, die dein Körper ausstrahlte und ihm spendete. Es gefiel ihm, wenn du seinen Namen stöhntest und die Art und Weise wie du ihn manchmal ansahst.
Patricks Gedanken schweiften ab und seine Miene glich mehr denn je einer teilnahmslosen Maske, als er sich in den tiefen Abgründen seiner ganz eigenen, verdrehten Realität verlor.
Es dauerte einen Moment, bevor er wieder ins Hier und Jetzt zürückfand und er sich der Gegenwart und deiner Anwesenheit bewusst wurde.
Er blinzelte mehrmals kurz hintereinander, der abwesende Ausdruck in seinen Augen verschwand allmählich und sein Grinsen kehrte schließlich zurück.
Patrick stieß eine kleine Rauchwolke aus und sein Grinsen wurde eine Spur breiter, während sein Blick nach wie vor auf dir ruhte. "Hat dir unser kleiner Ausflug eigentlich Spaß gemacht? Hat es dir gefallen, dass dich der große, böse Wolf in der Kirche verschlungen hat? Oh, ganz bestimmt hat es dir gefallen. So unglaublich feucht wie du vorhin warst wäre es ein Wunder, wenn du es nicht genossen hättest. Du bist so verdammt eng, wenn ich es nicht besser wüsste könnte man fast meinen du wärst noch Jungfrau. Zu schade, dass du keine mehr bist. Ich wäre nur allzu gerne dein erster Fick gewesen und hätte dich liebend gerne entjungfert."
Du stießt ein leises Schnauben aus. "Vielen Dank auch für dieses überaus zweifelhafte Kompliment. Ich fühle mich fast schon geschmeichelt durch deine netten Worte."
"Ach, Herzchen. Nun hab dich doch nicht immer so", erwiderte Patrick lachend und schnippe die abgebrannte Kippe fort, ehe er dich von hinten in seine Arme zog. Er hauchte dir einen flüchtigen Kuss auf die Wange und legte sein Kinn auf deinem Haarschopf ab. "Immerhin kann ich jetzt von mir behaupten, dass mir der Glaube an Gott und an die Kirche tatsächlich etwas eingebracht hat. Offenbar hat dieser ganz besondere Kirchenbesuch mir die Augen geöffnet und anscheinend zum wahren Glauben verholfen. Ich weiß gar nicht, was mir besser gefallen hat - dich im Beichtstuhl flach zu legen oder aber auf dem Altar. Beide Dinge hatten durchaus ihren Reiz und einen gewissen Charme. Was denkst du, Church Girl?"
"Wie reizend", entgegnetest du und funkeltest ihn böse an.
"Ja, nicht war?", meinte er ungerührt, stieß ein leises Lachen aus und entließ dich aus seinen Armen, bevor er dich die wenigen Stufen vor dem Eingang zu der Kirche hinab scheuchte. "Komm, Rotkäppchen. Lass uns endlich von hier verschwinden."
Schweigend gingt ihr Seite an Seite die dunkle Straße entlang, als Patrick plötzlich im gelblichen Lichtkegel einer Straßenlaterne innehielt und stehen blieb, nur um sich dann mit einem Unheil verkündenem Lächeln auf den Lippen zu dir herum zu drehen. "Eine Pyjamaparty also, ja?"
Du warfst ihm einen irritierten Blick zu. "Wie bitte?"
Er trat zu dir und sah dich mit einem beinahe schon lauernden Ausdruck in den Augen an. "Du sagtest etwas davon, dass du bei mir übernachten könntest und erwähntest dabei eine Art Pyjamaparty."
Überrascht wanderten deine Augenbrauen in die Höhe. "Ist das dein Ernst?"
"Natürlich." Er lachte selbstgefällig auf und zwinkerte dir anzüglich zu. "Als ob ich mir die Gelegenheit entgehen lassen würde, mir mit dir ein Bett zu teilen oder dich im Schlaf anzufassen."
Du verzog das Gesicht zu einer kleinen Grimasse und warfst ihm einen missbilligenden Blick zu. "Manchmal bist du echt widerlich, Patrick."
"Ich weiß, aber wie heißt es doch noch so schön? Lieber widerlich als wieder nicht." Er lachte erneut auf, ehe er dir einen Arm um die Schultern schlang und dich mit sich zog. "Komm schon, Herzchen. Das wird sicher ein Spaß."
Schweigend führte Patrick dich durch das nächtliche Derry, vorbei an Spielplätzen und kleineren Parkanlagen sowie der örtlichen Bibliothek, während das gelbliche Licht der Straßenlaternen den Weg vor euch erhellte.
Du warst dir nicht sicher, ob es tatsächlich eine so kluge Idee war Patrick nach Hause zu folgen, doch du verdrängtest den Gedanken genauso schnell wieder wie er gekommen war.
Immerhin waren die meisten deiner Entscheidungen in der letzten Zeit nicht sonderlich gut durchdacht gewesen.
Du wusstest selbst nicht genau, woran es lag, doch Patrick brachte eine Seite an dir zum Vorschein, die du dir selbst nicht wirklich eingestehen wolltest.
Patrick hat dir weh und dennoch ließt du bereitwillig zu, dass er all diese Dinge mit dir anstellte.
Er war weder sanft noch zärtlich gewesen, als er dich gegen die holzvertäfelte Wand im Inneren der Kirche gepinnt und dabei grob von hinten genommen hatte. Noch immer meintest du seinen unbarmherzigen Griff in deinem Haar zu spüren, während er sich mit harten und schnellen Stößen in dir bewegt hatte.
Patrick besaß Macht über dich und diese Erkenntnis hätte dich vermutlich beunruhigen sollen, doch die traurige Realität sah ganz anders aus. In Wahrheit warst du ihm längst verfallen und du warst dir sicher, dass er sich dessen bewusst war.
Patrick sah dich.
Er sah dich wirklich und diese kleine Tatsache ließ dich alles andere vergessen - seinen Spott, seine herablassende Art, all die Schmerzen, die er dir hinzufügte und all das Leid, welches er verursachte.
Es war dir vollkommen egal, ob oder wie oft er dich noch verletzte oder dir weh tat. Es spielte weder eine Rolle, welche Wunden seine Taten und Worte aufreißen noch welche Narben sie anschließend hinterlassen würden, solange er nur bei dir blieb und dich nicht verließ.
Es ließ sich nicht leugnen, dass ein winzig kleiner Teil von dir - so gering und so unbedeutend dieser Teil auch sein mochte - die lächerliche Hoffnung im Herzen hegte, dass ihm irgendwo in seinem tiefsten Innersten vielleicht auch irgendetwas an dir lag.
Außerdem ... war Patrick denn nicht auch derjenige gewesen, der sich sofort und ohne irgendwelche Fragen zu stellen Mitten in der Nacht auf den Weg zu dir gemacht hatte, nachdem du ihn angerufen hattest, weil du nicht hattest schlafen können?
Zu deiner eigenen Überraschung sah das Haus, vor welchem Patrick stehen blieb und in dem er somit vermutlich auch wohnte, vollkommen normal aus und reihte sich nahtlos in die Umgebung der Nachbarschaft ein.
Es war ein einfaches Einfamilienhaus, mit zwei Etagen und einem kleinen Hinterhof samt Garten.
Neben dir befand sich ein Briefkasten, auf welchem in verblichenen Buchstaben der Name Hockstetter geschrieben stand, während ein schmaler, mit Kopfstein gepflasterter Weg zu der überdachten Veranda führte.
Keinerlei Anzeichen deuteten darauf hin, dass hier jemand wohnte den man gemeinhin nur als Freak und Außenseiter bezeichnen könnte und von dem es hieß, dass er seine Freizeit gerne damit verbrachte Fliegen mit seinem grünen Plastiklineal zu erschlagen und ihre toten Körper in seinem Stiftkasten aufzubewahren, nur um diese anschließend kommentarlos und ohne ein einziges Wort dabei zu verlieren seinen Mitschülern zu präsentieren.
Patrick schien deine Verwunderung zu bemerken und er lachte höhnisch auf, ehe er dich grob von hinten bei den Schultern packte und mit sanfter Gewalt vorwärts schob.
Seine Finger gruben sich schmerzhaft und mit Nachdruck in deine Schulterblätter, während seine Stimme an deinem Ohr einen beinahe schon zärtlichen Tonfall angenommen hatte. "Home, sweet home, Liebling."
