Chapter Text
Das Knacken des Funkgeräts begleitete ihn, als er den Streifenwagen durch die frühmorgendlichen Straßen lenkte. Noch eine knappe Stunde, dann war seine Schicht vorbei. Die ganze Woche über war ihm noch nichts Interessanteres als ein Raser in der Innenstadt untergekommen, und auch bei diesem letzten Einsatz rechnete er nicht mit Problemen. Wenigstens würde das einen pünktlichen Feierabend bedeuten – wenn man das zu dieser Uhrzeit so nennen konnte.
Die Kollegen aus seiner Ausbildungsgruppe hätten bloß die Köpfe geschüttelt, hätten sie erfahren, wohin es ihn gezogen hatte – Rocky Beach, eine Kleinstadt wie jede andere an der Küste Kaliforniens, sprich: ruhig, unaufregend, geradezu langweilig, vor allem dann, wenn man direkt aus Los Angeles kam. Eine Kleinstadt, in die Polizisten normalerweise strafversetzt wurden. Aber Cotta hatte darum gebeten, knappe vier Jahre, nachdem er in den Dienst getreten war.
Die meiste Zeit war es genau das, wovor der eine oder andere Ausbilder sie gewarnt hatte: absolut monoton, kaum mehr als Gelegenheitsdiebstähle am Strand, betrunkene Auseinandersetzungen in Bars, Ruhestörungen, hin und wieder Anzeigen wegen Beleidigung und der eine oder andere kleine Einbruch. Selbst die gelegentlichen Notrufe von Spinnern, die von angriffslustigen Monsterquallen, auferstandenen Piraten, grünen Schreckgestalten oder lebendigen Vogelscheuchen berichteten, waren der Aufregung nie wert. Alles nichts im Vergleich zu seiner Zeit beim LAPD, und sicher war auch dieser letzte Einsatz heute nicht anders.
An der nächsten Kreuzung ließ er einen LKW passieren, dann bog er ab und steuerte auf den nördlichen Stadtrand zu. Die Scheinwerfer glitten über ein abgeknicktes Straßenschild und erfassten eine Reihe älterer Bungalows, die meisten Gärten ein wenig überwuchert, aber das schien die Bewohner nicht zu stören. Hinter den niedrigen Häusern erstreckte sich das Gewerbegebiet, die einzige schon belebte Gegend um diese Uhrzeit.
Noch zwei Blocks, dann erfasste das Licht sein Ziel: Heruntergekommen und dunkel lag das flache Gebäude im Dämmerlicht, schien sich geradezu in der Senke vor der dürren Einöde dahinter verstecken zu wollen. Das Gelände wirkte verlassen, auf dem geschotterten Parkplatz stand einzig und allein ein völlig verstaubter Pick-Up mit zerstochenen Reifen.
Abgesehen von vereinzeltem Vogelgezwitscher war es totenstill, aber Cotta war sicher, dass es die richtige Adresse war. Er parkte den Wagen, die Scheinwerfer auf die Bar gerichtet, und stellte den Motor ab, bevor er nach dem Funkgerät griff und der Zentrale Bescheid gab. Dann stieg er aus dem Wagen.
Die Taschenlampe lag schwer in seiner Hand, als er langsam auf das Gebäude zutrat. Immer noch hörte er nichts als das Zwitschern der Vögel, viel zu munter für diese Uhrzeit, und das Knirschen des Schotters unter seinen Schuhsohlen. Kein Hinweis auf die Ruhestörung, die gemeldet worden war, aber in dieser Gegend gab es sonst kaum Orte, die in Frage kamen.
Die Eingangstür war mit einem schweren Vorhängeschloss gesichert. Scheinbar war sie vor kurzem wieder einmal aufgebrochen worden, obwohl es hier abgesehen von schlechtem Alkohol wenig zu holen gab. Cotta ließ den Strahl seiner Taschenlampe durch die kleinen Fenster ins Innere fallen. Der Raum mit dem breiten Tresen war leer und auch in der angrenzenden Toilette, deren Tür sperrangelweit offen stand, schien sich niemand aufzuhalten.
Womöglich war es nichts als ein Streich, reine Zeitverschwendung, die seinen pünktlichen Feierabend bedrohte. Andererseits war die Sorte älterer Menschen, die Ruhestörungen zumeist meldete, eher selten zu Telefonstreichen aufgelegt, und da er ohnehin schon hier war... Mit einem Seufzen ging an der Front des Gebäudes entlang. Als er um die Ecke trat, mischte sich jedoch etwas Anderes zu dem Geräusch seiner Fußstapfen – ein leises Murmeln, ein rhythmisches Pochen, das mit jedem Schritt etwas lauter wurde, und seine Hand umfasste die Lampe etwas fester.
So recht hatte er sich noch nicht daran gewöhnt, dass er während der Nachtschichten auf diesem vergleichsweise kleinen Revier immer wieder allein Streife fuhr. Keine Rückendeckung, keine Verstärkung, wenn etwas passierte und er nicht schnell genug nach dem Funkgerät griff. Und selbst dann könnte es schon zu spät sein.
Mach dich nicht lächerlich, hier passiert nie etwas, dachte er und ärgerte sich gleich darauf über sich selbst. Diese Einstellung konnte ebenso gefährlich sein wie eine übervorsichtige, auch wenn letztere selten den Polizisten selbst zum Verhängnis wurde.
Hinter dem Gebäude färbte sich der Himmel inzwischen in ein gräuliches Blau, das den nahenden Morgen ankündigte, doch Cotta bemerkte es kaum. Eine weitere Ecke, dann hatte er die Rückseite des Gebäudes erreicht. Er roch die Müllcontainer, noch bevor er sie sah, aber sein Fokus galt dem Sportwagen, der einsam hinter der Bar stand.
Eine dünne Gestalt lehnte am Kotflügel und zeichnete sich dunkel gegen die Wolken ab, im Mundwinkel eine glühende Zigarette, in der Hand ein Handy, auf dessen Tasten die langen Finger einhackten. Aus der geöffneten Fahrertür drang gedämpfte Musik. Nichts, was Cotta kannte, und nicht annähernd laut genug, um seinen Einsatz ausgelöst zu haben – wobei das nichts heißen mochte, immerhin war der Anruf vor über einer viertel Stunde in der Zentrale eingegangen.
Cotta ließ seinen Blick einen Moment lang über die Fläche schwenken: abgesehen von dem Mann am Wagen niemand in Sicht; außer einem schweren Aschenbecher auf der Fensterbank neben dem Müllcontainer nichts, was offensichtlich als Waffe verwendet werden konnte, und weit genug weg, dass er rechtzeitig reagieren könnte. Um sie herum nur Büsche, niedrige Felsen und halb vertrocknete Bäume; eine leere Plastiktüte, die von einer seichten Meeresbrise über den Boden geweht wurde, zu leicht, um als Versteck für Drogen oder sonstiges in Benutzung zu sein.
Das dämmrige rote Licht aus dem Wagen kämpfte vergeblich gegen die dunklen Schatten; lediglich das winzige Display des Handys leuchtete hell. Noch immer hatte der Mann ihn nicht bemerkt, ganz auf das Telefon in seinen Händen fixiert.
Auch als Cotta näher trat, konnte er kaum mehr ausmachen, und so hob er die Taschenlampe. Ein heller Lichtkegel durchschnitt die Dämmerung, glitt über das Nummernschild des Wagens und blieb an der Gestalt hängen.
Groß, die hellen Haare zerzaust, ganz in schwarz gekleidet in ein enges Shirt und noch engere Jeans, die vermutlich nicht einmal genug Platz boten, einen Joint darin zu verstecken.
„He, was soll die Scheiße?!“
Und ziemlich genervt.
„Nimm die verdammte Taschenlampe runter“, knurrte der Kerl und blinzelte gegen das grelle Licht, während er sein Handy in die Hosentasche zwängte. Eine Reihe silberner Piercings in glänzte im Strahl der Lampe in seinen Ohren auf.
Cotta schätzte, dass er ein wenig jünger war als er selbst. Die dunklen Schatten unter seinen Augen schafften es, ihn noch blasser wirken zu lassen, und die Haare hingen ihm wirr in die Stirn. Unwillkürlich fragte Cotta sich, wann er das letzte Mal geduscht, geschweige denn geschlafen hatte.
Kurz leuchtete er mit der Lampe in den Wagen. Der Fahrersitz war leer, im Fußraum lag eine halbvolle Plastikflasche. Auch dort nichts, das offensichtlich als Waffe dienen könnte. Die abgelatschten schwarzen Stiefel allerdings eigneten sich hervorragend als Versteck für ein kleines Klappmesser, und diese Dinger wurden gerne unterschätzt.
„Alter, bist du taub?“ Der Blonde richtete sich auf und trat einen Schritt von seinem Wagen weg. Die Zigarette qualmte vergessen in seinem Mundwinkel. Er erinnerte Cotta an all die Möchtegern-Kriminellen, die man an jeder zweiten Straßenecke in bestimmten Stadtteilen in Los Angeles fand – großspurig, arrogant und bei jeder Gelegenheit auf Stress aus.
Immerhin schien dieser Kerl es ausnahmsweise nicht darauf anzulegen, und so richtete Cotta den Strahl der Lampe schließlich auf den staubtrockenen Boden. „Ebenfalls einen guten Morgen“, sagte er betont gelassen, während er ruhig auf den jungen Mann zutrat und schließlich wenige Meter entfernt stehen blieb.
„Ach ne.“
Cotta konnte förmlich spüren, wie sich die hellen Augen in seine Uniform brannten.
„Was gibt’s, Officer? Bisschen spät für ‘nen Drink, und dann auch noch im Dienst.“
„Uns wurde eine Ruhestörung gemeldet.“
Ein Schulterzucken. „Hab nichts mitbekommen.“
Natürlich nicht, dachte Cotta, beließ es aber bei einem: „Und was genau machen Sie um diese Zeit hier?“
„Ich arbeite hier.“ Das herablassende Grinsen, mit dem der Blonde Cottas Blick erwiderte, war nicht gerade das, was ihn bei einem ‚normalen‘ Einsatz in Rocky Beach erwartete, aber zu diesem Kerl passte es ebenso sehr wie die unverhohlene Abneigung, die er ausstrahlte, seit er Cottas Uniform erkannt hatte.
„Sperrstunde ist seit über zwei Stunden.“
„Sperrstunde? Mann, ich war bis eben mit Inventur beschäftigt.“
„Um diese Uhrzeit?“
Der Blonde schnaubte. „Meine Idee war’s sicher nicht. Und was machst du hier und nicht im Industriegebiet? Die machen doch immer ‘n riesen Krach. Oder bist du ganz zufällig hier gelandet?“
Der beißende Sarkasmus in seiner Stimme überraschte Cotta nicht allzu sehr, aber die kaum verhüllte Feindseligkeit darunter konnte er sich nicht recht erklären. Dennoch bemühte er sich, sich seine Irritation nicht anmerken zu lassen. „Haben Sie in der letzten halben Stunde sonst irgendetwas Ungewöhnliches bemerkt?“
Der junge Mann hob eine Augenbraue. „Nö.“ Ein letzter Zug, und die Zigarettenspitze glühte auf, dann ließ er die Kippe achtlos auf den Boden fallen.
Kurz überlegte Cotta, ihn darauf hinzuweisen, dass keine fünf Meter weiter der Aschenbecher auf dem Fenstersims neben der Hintertür stand, doch dann entschied er sich dagegen. Er glaubte dem Mann kein Wort, konnte ihm aber auch nicht das Gegenteil beweisen – und mehr als eine Verwarnung konnte er ohnehin nicht aussprechen. Dennoch wollte er die Sache noch nicht auf sich beruhen lassen. Nicht bei der Einstellung dieses Typen.
„Dürfte ich mal einen Blick auf Ihren Führerschein und die Fahrzeugpapiere werfen?“
Zu seiner Überraschung drehte sich der Blonde widerspruchslos zu seinem Wagen, beugte sich hinein und kramte die Unterlagen aus dem Handschuhfach. Während er Cotta die Papiere reichte, sah er ihn abschätzig an.
Cotta trat einen Schritt zurück, bevor er den Fahrzeugschein überflog, allzu bewusst, dass der Kerl ihn ausgiebig musterte. Alles in Ordnung, soweit er das sah, obwohl es ihn nicht wundern würde, wenn der Wagen unauffällig frisiert worden war. Aber das konnte er so nicht beurteilen, also wandte er sich dem Führerschein zu.
Norris, Skinner E–
Moment. Norris?
Fantastisch. Das hatte ihm wirklich noch gefehlt.
Bisher hatte Cotta nur von Rocky Beachs wohl bekanntestem Kleinkriminellen gehört; in den sieben Monaten, die er nun schon hier arbeitete, hatten sie einander allerdings immer knapp verpasst: Meist war Norris kurz nach seinem Schichtende in Reynolds’ Büro zitiert worden, oder man hatte ihn wenige Stunden vor dem Beginn seiner Schicht gehen lassen. Nur einmal hatte er mitbekommen, wie Forrester Norris halb durch die Wache gezerrt hatte, doch die beiden waren um die Ecke verschwunden gewesen, bevor Cotta mehr als einen Blick auf die schmalen Schultern hatte erhaschen können. Allerdings rankten sich genug Geschichten um ihn, viele sicherlich wahr, manche Spekulation, einige wenige vermutlich nichts mehr als Geplauder unter Polizisten, die ihren Einsatz heroischer darstellen wollten, als er tatsächlich gewesen war. Doch ungeachtet dessen, was nun der Wahrheit entsprach und was reine Übertreibung war: Skinner Norris bedeutete Ärger, das wusste Cotta.
Obwohl sein Ausdruck sich nicht im geringsten verändert hatte, hätte Cotta schwören können, dass nun etwas in Norris‘ Augen lag – eine grimmige Gewissheit, als hätte er darauf gelauert, die Erkenntnis in Cottas Gesicht ablesen zu können. Offensichtlich war ihnen beiden bewusst, wie verbreitet Norris‘ Ruf in dieser Kleinstadt – und vor allem auf dem Revier – war.
„Neu hier, hm?“ Er ließ seinen Blick nach unten wandern, langsam und bewusst, so, dass es Cotta gar nicht entgehen konnte. Als er ihn endlich wieder anschaute, spielte ein merkwürdiges Lächeln über sein Gesicht, das seine Augen nicht erreichte.
Bevor Cotta jedoch eine passende Antwort einfallen wollte, fuhr Norris schon fort.
„Hab dich zumindest noch nie hier gesehen...“ Beiläufig zupfte er an einem der Piercings in seinem linken Ohr, während er Cotta immer noch ungeniert musterte. „... und an jemanden wie dich hätte ich mich sicher erinnert.“
Irgendwie hatte Cotta das ungute Gefühl, dass ihm etwas Wichtiges entging. Es war etwas in Norris‘ Stimme, in seiner Haltung, in der Art, wie er Cotta taxierte – etwas, das nicht damit zusammenhing, dass diese Worte in nahezu jedem anderen Zusammenhang eher wie ein kitschiger Flirtversuch gewirkt hätten.
Als Norris einen Schritt auf ihn zu ging, straffte Cotta unwillkürlich die Schultern. Obwohl Norris ihn um drei, vielleicht vier Zentimeter überragte, war Cotta kräftiger gebaut – und wenn man ihm eines während der Ausbildung beigebracht hatte, dann war es Selbstverteidigung. Doch die Aussicht auf eine physische Konfrontation hatte ihm nie sonderlich behagt und er bemühte sich stets, Situationen zu deeskalieren, bevor sie aus dem Ruder gerieten.
Zu seiner Erleichterung hielt Norris jedoch mit einigem Abstand an, beugte sich bloß ein wenig zu ihm vor. Bevor Cotta überlegen konnte, was zum Henker er vorhatte, zog Norris die Brauen zusammen. „Cotta“, entzifferte er das Schildchen an dessen Uniformjacke, dann richtete er sich wieder auf und sah ihm direkt in die Augen, das seltsame Grinsen wieder im Gesicht. „Und dein Vorname?“
„Officer.“
Für einen Sekundenbruchteil meinte Cotta, einen ehrlich amüsierten Ausdruck über Norris‘ Gesicht huschen zu sehen; dann war es wieder bloßer Spott. „Ohh, ein ganz korrekter, verstehe. Willst wohl ganz hoch hinaus, was? Kommissar werden, hm? Oder Inspektor? Lieutenant?“
Bestimmt drückte Cotta ihm seine Papiere wieder in die Hand. „Sie sollten nach Hause fahren. Sieht aus, als hätten Sie eine lange Nacht hinter sich.“
„Ich darf also gehen? Einfach so?“ Erneut dieser beißende Ton unter dem offensichtlich gespielten Erstaunen. „Soll das heißen, du bist nicht hier, um dich vor Feierabend noch mal schnell zu vergnügen?“
Irritiert zog Cotta die Brauen hoch. „Ich trinke im Dienst nicht.“
Norris sah ihn an, als wäre ihm soeben ein zweiter Kopf gewachsen. „Wer redet denn von trinken?“ Offenbar passte es ihn überhaupt nicht, mit einem Polizisten zu reden, und inzwischen wunderte Cotta sich auch nicht mehr darüber, doch nun wurde er immer kryptischer. Wieder war da dieses Gefühl, dass Cotta irgendwelche Informationen fehlten.
Kopfschüttelnd ließ er ein letztes Mal seinen Blick über den Platz schweifen. „Fahren Sie heim und gehen Sie ins Bett.“ Mittlerweile färbte sich der Himmel in ein helles rosa und er hatte Mühe, ein Gähnen zu unterdrücken. „Gute Nacht, Mr Norris.“
Der verzog das Gesicht, als hätte Cotta ihm direkt vor die Füße gerotzt, doch Cotta war zu müde, um sich darauf einen Reim zu machen. Er sollte eindeutig seinen eigenen Rat befolgen und zusehen, dass er bald ins Bett kam.
Bevor er sich umwandte, schaute er Norris noch einmal an. „Ich muss Sie sicher nicht daran erinnern, umsichtig zu fahren und sich ruhig zu verhalten, richtig?“
Kurz sah es so aus, als wolle Norris etwas erwidern, vielleicht einen weiteren blöden Spruch entgegnen, doch dann ging er wortlos um sein Auto herum und stieg ein. Der Motor dröhnte auf und kleine Steinchen flogen durch die Luft, als Norris anfuhr, dann brauste der blaue Sportwagen auch schon an Cotta vorbei und hinterließ eine Staubwolke.
Cotta ließ die Schultern sinken und fuhr sich mit der Hand übers Gesicht.
Es hätte schlimmer laufen können, daran hatte er keine Zweifel, als er das Gebäude umrundete – gerade bei der Feindseligkeit in Norris‘ Blick, die alles zu bestätigen schien, was Cotta auf dem Revier über ihn gehört hatte. Und genau das war seltsam, dachte er, während er in den Streifenwagen stieg und die Taschenlampe im Türfach verstaute. Dieses Hin und Her zwischen offener Feindseligkeit, beißendem Spott und etwas, das fast wie aufblitzendes Interesse gewirkt hatte. Womöglich war Norris auf Drogen gewesen, aber für einen Test reichte dessen ungewöhnliches Verhalten nicht wirklich. Und Cotta war niemand, der einfach so Drogentests anordnete, geschweige denn Gründe dafür fabrizierte.
Als er den Schlüssel im Zündschloss drehte, leuchtete ihm die Uhrzeit vom Armaturenbrett entgegen – 5:47 Uhr. Bis er das Präsidium erreichen würde, war es bereits Schichtende. Vielleicht hatte Donatelli Frühstück mitgebracht und er könnte noch eine Kleinigkeit stibitzen, bevor er sich auf den Heimweg machte, denn Caroline war sicher noch nicht wach. Er legte den Rückwärtsgang ein, wendete den Wagen und fuhr durch die langsam erwachenden Straßen in Richtung Stadtmitte.
